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KommentarArbeitsmarkt: Auf die Bremse

von Bert Losse

Die Arbeitslosenzahl ist erneut gesunken. Trotzdem geht der Boom am Jobmarkt seinem Ende entgegen, denn die Einstellungsbereitschaft deutscher Unternehmen sinkt.

Der BA-X gehört nicht unbedingt zu den bekanntesten Konjunkturindikatoren der Republik. Das von Experten der Bundesagentur für Arbeit (BA) erstellte Job-Barometer bildet die Einstellungsbereitschaft der Unternehmen in Deutschland ab. Basis sind die gemeldeten freien Stellen auf dem ersten Arbeitsmarkt, die Jobs für Freiberufler und Selbstständige sowie offene Stellen im Bestand privater Arbeitsvermittler.

Leider geht der Index medial oft unter, wenn BA-Chef Frank-Jürgen Weise allmonatlich die neuesten Arbeitslosenzahlen präsentiert. Dabei lohnt sich gerade jetzt ein Blick darauf. Zwar ist im Juni die Arbeitslosenzahl erneut gesunken (um 46 000 auf rund 2,8 Millionen); die Quote lag bei 6,6 Prozent und damit 0,1 Punkte niedriger als im Vormonat. Doch der BA-X hat unangenehm deutlich ins Minus gedreht. Er verlor gegenüber Mai sechs Zähler (einen so starken monatlichen Einbruch gab es zuletzt im November 2008) und liegt auf dem niedrigsten Stand seit fast einem Jahr. Anders ausgedrückt: Die Personalchefs treten wieder auf die Bremse.

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Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler hängt sich daher weit aus dem Fenster, wenn er öffentlich frohlockt, „eine Kehrtwende am Arbeitsmarkt“ sei „trotz des derzeitig ruhigeren Verlaufs bislang nicht in Sicht“ . Fakt ist, dass die Drei-Millionen-Grenze bei der Arbeitslosenzahl bald wieder überschritten werden dürfte. Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall etwa geht davon aus, dass das deutsche Jobwunder spätestens im Herbst endet und es keine größeren Einstellungsaktivitäten mehr gibt.

Dies hat mehrere Gründe: Zum einen wachsen die Konjunkturrisiken infolge von Euro-Krise und der nachlassenden Dynamik in den Schwellenländern. Wer weniger Aufträge bekommt, braucht kein zusätzliches Personal. Auch die hohen Lohnabschlüsse 2012 sind nicht gerade ein Spitzenargument, in unsicheren Zeiten neue Leute einzustellen.

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Und schließlich sind im Arbeitslosenbestand überdurchschnittlich viele schwer Vermittelbare ohne Berufsabschluss – die meisten gut ausgebildeten Fachkräfte sind nach der Rezession 2009 längst wieder untergekommen.

Wie also geht es weiter? Der Arbeitsmarkt ist ein nachlaufender Indikator und reagiert auf ökonomische Wendepunkte erst mit einer Verzögerung von etwa sechs Monaten. Auch sind die Arbeitszeitkonten der Betriebe wieder prall gefüllt und schaffen Flexibilität für schlechte Zeiten. Insofern droht unmittelbar kein Job-Desaster, selbst wenn sich die Euro-Krise verschärft. Doch die Zeit der allmonatlichen Erfolgsmeldungen vom Arbeitsmarkt ist definitiv vorbei.

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