Arbeitsmarkt: Das Ende der Massenarbeitslosigkeit

Arbeitsmarkt: Das Ende der Massenarbeitslosigkeit

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Hilmar Schneider

von Bert Losse

Der Ökonom Hilmar Schneider lobt den Kündigungsschutz, hält Kombilöhne für Unfug – und fordert eine Arbeitspflicht für Hartz-IV-Empfänger.

Herr Schneider, der Aufschwung am Arbeitsmarkt hält an, Bundeswirtschaftsminister Brüderle hält sogar Vollbeschäftigung in Deutschland für möglich. Teilen Sie diesen Optimismus?

Es gibt für Vollbeschäftigung keine wissenschaftliche Definition. Manche Wissenschaftler sehen diese bereits bei einer Arbeitslosenquote von vier bis fünf Prozent erreicht. Es gibt ja immer Jobwechsler und Arbeitslose, die schon eine neue Stelle haben und nur eine Wartezeit bis zum ersten Arbeitstag überbrücken. Eine Wirtschaft ganz ohne Arbeitslose ist unmöglich. Fakt ist aber: Unser Arbeitsmarkt hat sich von der Rezession atemberaubend schnell erholt. Und der Trend zeigt weiter nach oben.

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Wo landen wir 2010 bei den Arbeitslosenzahlen?

Bei im Schnitt 3,2 Millionen, womöglich noch darunter. Das wäre in jedem Fall der niedrigste Stand seit 1992.

Rund 50 Prozent aller neuen Arbeitsverträge sind derzeit befristet. Trauen die Arbeitgeber dem Aufschwung nicht?

Das kann sein. Wir sehen seit Längerem einen Trend zu befristeten Verträgen. Das muss aber nicht so bleiben: Wenn sich der aktuelle Fachkräftemangel zuspitzt, könnte die unbefristete Vollzeitstelle zum wichtigen Wettbewerbsfaktor beim Kampf um Personal werden.

Könnte ein geringerer Kündigungsschutz dazu führen, dass noch mehr Jobs entstehen, wie manche Ökonomen glauben?

Sicher würde dies manche Unternehmen animieren, mehr Leute einzustellen. Aber ebenso sicher würden sie im Krisenfall leichtfertiger entlassen. Beide Effekte scheinen sich über die Zeit hinweg gegenseitig aufzuheben. Ohne Jobsicherheit sinkt zudem der Anreiz für Arbeitnehmer, in die eigenen Fähigkeiten zu investieren, sich weiterzubilden.

Also soll das Arbeitsmarktregime so bleiben, wie es ist?

Der strenge Kündigungsschutz hat sein Gutes. Hätten die Unternehmen beim ersten Anzeichen der Krise ihre Belegschaften einfach entlassen können, hätten sie davon zweifellos Gebrauch gemacht - so wie das in den USA geschehen ist. So waren sie gezwungen, nach Ausweichlösungen zu suchen. Das Ergebnis ist, dass deutsche Unternehmen mit dem Wiederanziehen der Konjunktur aus dem Stand heraus in der Lage sind, die Nachfrage zu bedienen. Jetzt haben sie die Nase vorn gegenüber Wettbewerbern, die sich erst neu sortieren müssen.

Wie nachhaltig ist denn der Aufschwung am Arbeitsmarkt?

Der Arbeitsmarkt ist auch für kommende Rezessionen gut gerüstet – und der demografische Wandel wird unsere Beschäftigungslage komplett umkrempeln. Die meisten machen sich noch gar keine Vorstellung davon, was da auf uns zukommt. Das Thema Massenarbeitslosigkeit können wir für die kommenden Jahrzehnte abhaken. Von 2013 bis 2035 fehlen der Wirtschaft rechnerisch alle vier bis fünf Jahre rund eine Million Erwerbstätige. Der Arbeitsmarkt wird zum Arbeitnehmermarkt, auf dem Fachkräfte von den Unternehmen hofiert werden...

...mit deutlich höheren Löhnen?

Ja, wahrscheinlich. Es könnte sogar zu Firmenpleiten kommen, weil Unternehmen die Leute, die sie brauchen, schlicht nicht mehr bezahlen können. Manche Betriebe dürften auch abwandern.

Lässt sich die Fachkräftelücke durch Zuwanderer schließen?

Nur zum Teil. Ohne neue Zuwanderer geht es nicht – aber es sollte eine strikte Steuerung nach ökonomischen Kriterien geben, ein Punktesystem etwa. Parallel dazu müssen wir das Potenzial der hier lebenden jungen Migranten heben.

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