Arbeitsmarkt Deutschland: Warum die Löhne wieder steigen müssen

Arbeitsmarkt Deutschland: Warum die Löhne wieder steigen müssen

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Ein mit Efeu überwachsenes Schild der Bundesagentur für Arbeit

von Bert Losse, Cornelia Schmergal und Max Haerder

Rosige Zeiten für Beschäftigte: Sie werden zum begehrten, weil knappen Produktionsfaktor. Und die Massenerwerbslosigkeit verschwindet von selbst.

Man könnte auch mit dem Finger drauf zeigen. Da vorn, in dem roten Backsteinbau, baut ein Arbeitgeber im nächsten Jahr 15 Stellen ab. Vermutlich wüsste man das in Freising nicht so genau, würde es hier viele Unternehmen geben, die schrumpfen, entlassen oder sich von befristet Beschäftigten trennen. Gibt es aber nicht. Bis auf jene kleine Ausnahme am Anfang der Straße: Da vorn, in dem roten Backsteinbau, residiert die Agentur für Arbeit.

Im nächsten Jahr muss die Behörde kürzertreten, weil den Jobvermittlern die Arbeit ausgeht. Es läuft einfach zu gut mit der Konjunktur in der oberbayrischen Kleinstadt. In Freising herrscht Vollbeschäftigung, seit Jahren schon. Um die Zukunft der 15 Kollegen, deren Verträge nicht verlängert werden, macht Agenturchefin Karin Weber sich daher wenig Sorgen. "Wir werden jeden Einzelnen vermitteln, falls sich im eigenen Haus nicht noch eine Chance auftut", sagt sie. "In Freising findet jeder sofort wieder etwas Neues."

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Arbeitsmarkt vor der Zeitenwende

Willkommen im Wirtschaftswunderland. In der Region nördlich von München dümpelt die Arbeitslosenquote seit Jahren unter der Drei-Prozent-Marke herum. Inzwischen ist sie gar auf 2,6 Prozent gefallen, das ist unangefochtener Minimumrekord im ganzen Bundesgebiet. "Und der Trend geht weiter nach unten", sagt Agenturchefin Weber. Wie es ist, wenn es genug Jobs für alle gibt, kann man in Freising besichtigen. Vielleicht sollten sich die Deutschen langsam wieder daran gewöhnen.

Der Arbeitsmarkt steht vor einer Zeitenwende. Bundesweit ist die Zahl der Erwerbslosen wieder unter die magische Drei-Millionen-Grenze gesunken. Derzeit suchen so wenig Menschen einen Job wie zuletzt in einem Oktober-Monat vor beinahe 20 Jahren. Dabei hat der Entspannungsprozess gerade erst begonnen.

"Uns stehen fette Jahre auf dem Arbeitsmarkt bevor"

Längst geht die Bundesregierung davon aus, dass die Arbeitslosenzahl auch 2011 im Durchschnitt unter der Drei-Millionen-Marke bleiben wird. Ausnahmsweise hätte das dieses Mal nichts mit statistischen Tricks zu tun. Selbst wenn man alle Menschen mitzählt, die von der Politik in Beschäftigungsmaßnahmen geparkt werden oder aus anderen Gründen gar nicht erst in den amtlichen Zahlenwerken auftauchen, bleibt eine verblüffende Nachricht: Sogar die stille Reserve des Arbeitsmarktes sinkt auf Rekordtiefe.

"Die tatsächliche Unterbeschäftigung wird 2011 deutlich auf unter vier Millionen zurückgehen. Das ist so wenig wie seit der Wiedervereinigung nicht mehr", prophezeit Joachim Möller, Direktor des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), dem Thinktank der Bundesagentur für Arbeit. Und vielleicht sei diese Zahl sogar noch aussagekräftiger als die ganz normale Arbeitslosen-Statistik. "Die Trendwende hat bereits stattgefunden", sagt Möller. "Uns stehen fette Jahre auf dem Arbeitsmarkt bevor."

Dass dieser Trend stabil ist, beweist auch eine andere Kennziffer: Im nächsten Jahr wird die Erwerbstätigenzahl auf deutlich über 40 Millionen steigen. Auch das wäre neuer Rekord. Nie hatten mehr Menschen eine Beschäftigung als heute.

Keine Angst vor Arbeitslosigkeit? Solche Leichtigkeit kannten die Deutschen zuletzt in den Sechzigerjahren. Beinahe fünf Dekaden lang hat die Sorge um den eigenen Job das Lebensgefühl in der Bundesrepublik geprägt. Aber jetzt dürfte sich die Massenarbeitslosigkeit als Phänomen bald überholt haben.

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