Arbeitsmarkt: Erste-Hilfe-Koffer gegen Entlassungen

Arbeitsmarkt: Erste-Hilfe-Koffer gegen Entlassungen

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Mitarbeiter bei Bosch: 3500 Beschäftigte arbeiten sechs Monate lang nur noch 17,5 Stunden

Welche Optionen die Unternehmen haben, um Entlassungen – zumindest vorerst – zu verhindern.

Überstunden

In den vergangenen Boomzeiten wurden die Regelarbeitszeiten in vielen Unternehmen regelmäßig überschritten. Die Zahl der bezahlten Überstunden ist auf fast 1,5 Milliarden pro Jahr gestiegen. Nun fahren viele Betriebe die Mehrarbeit drastisch zurück – und sparen sich so die teuren Zuschläge.

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Arbeitszeitkonten

Die Arbeitszeit ist in den vergangenen Jahren immer flexibler geworden. Rund 40 Prozent der Beschäftigten haben mittlerweile ein persönliches Arbeitszeitkonto, auf dem sie in guten Zeiten (Mehrarbeits-)Stunden ansammeln, die sich in schlechteren Zeiten abfeiern lassen. Das Konto muss meist innerhalb eines Jahres ausgeglichen werden – und das kommt gerade jetzt wie gerufen, denn nach dem Boom sind die Konten prall gefüllt. Viele Unternehmen verlängern in diesem Jahr zum Beispiel die betrieblichen Weihnachtsferien, um Zeitguthaben abzubauen. Beim Automobilzulieferer Schaeffler aus Herzogenaurach arbeiten die Mitarbeiter nur noch in zwei statt in drei Schichten.

Vorübergehende Abweichungen vom tariflichen Standard möglich

Kurzarbeit

Daimler, Bosch, Ford, Karmann, Hella, Heidelberger Druck, Conti: Die Liste der Unternehmen, die Kurzarbeit anmelden, wird immer länger. Im Bosch-Werk in Bamberg etwa arbeiten die 3500 Beschäftigten sechs Monate lang nur noch 17,5 Stunden. Daimler will von Januar bis April die Arbeitszeit in seinen Werken Sindelfingen, Berlin, Bremen und Düsseldorf kappen.

Experten gehen davon aus, dass die Zahl der Kurzarbeiter 2009 auf rund 160.000 steigen und sich damit mehr als verdoppeln wird. Im Oktober gab es mit 57.000 Anträgen bereits 30.000 mehr als im Vorjahresmonat. Die Bundesagentur für Arbeit (BA) ist wegen der Krise erstmals bereit, auch Beschäftigte von Zeitarbeitsfirmen in den Empfängerkreis aufzunehmen. Und die Bundesregierung hat jüngst beschlossen, die maximale Bezugsdauer des Kurzarbeitergelds ab Januar von 12 auf 18 Monate zu verlängern.

Kurzarbeit schützt zwar vorübergehend vor Entlassungen, kostet die Bundesagentur für Arbeit (BA) aber auch viel Geld. Für die Ausfallzeit zahlt die BA auf Antrag des Unternehmens den Beschäftigten 60 Prozent des bisherigen Nettolohns. Der Betrieb muss allerdings nachweisen, dass der Arbeitsausfall unvermeidbar ist und die Sozialversicherungsbeiträge während der Ausfallzeit weiter bezahlen. Während der Kurzarbeit darf das Unternehmen keine betriebsbedingten Kündigungen aussprechen. Und es muss vorher seine Arbeitszeitkonten deutlich nach unten gefahren haben.

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Zeitarbeit

Durch den Abbau von Zeitarbeitskräften können die Unternehmen ihre Personalkosten senken, ohne die Stammbelegschaft zu dezimieren. Vor allem in der Automobilindustrie, in der Zeitarbeitnehmer mittlerweile einen Beschäftigtenanteil von fast zehn Prozent haben, werden massenweise Leihverträge gekündigt oder nicht verlängert. Zwar bedeutet das für die Betroffenen nicht automatisch die Kündigung, schließlich sind sie bei ihrer Verleihfirma fest angestellt. Gleichwohl droht vielen das Aus im Job: Kann die Zeitarbeitsfirma sie nicht weitervermitteln, sind betriebsbedingte Kündigungen kaum zu vermeiden. Hinzu kommt: 2004 ist das so- genannte Synchronisationsverbot weggefallen, wonach die Laufzeit des Leiharbeitsvertrags und die Einsatzzeit beim Kunden nicht identisch sein dürfen. Daher müssen wohl viele Zeitarbeiter, deren Entsendung endet, direkt den Gang zum Arbeitsamt antreten.

Betriebliche Bündnisse für Arbeit

Im Rezessionsjahr 2009 dürften betriebliche Absprachen, die den Flächentarif zeit- und teilweise außer Kraft setzen, eine Renaissance erleben. Die Zahl derartiger Bündnisse für Arbeit liegt bundesweit bereits jetzt bei weit über 1000. Nach einer Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft haben solche Sondervereinbarungen im Schnitt pro Unternehmen 51 Arbeitsplätze gesichert.

Die meisten Gewerkschaften sperren sich weit weniger als in früheren Zeiten, wenn es darum geht, das Korsett des Flächentarifs zu lockern. Viele Tarifverträge enthalten inzwischen Öffnungs- oder Härtefallklauseln. „Was wir derzeit erleben, ist kein konjunktureller Knick, sondern eine tiefe Krise, deren Dauer sich nicht prognostizieren lässt“, sagt Hubertus Schmoldt, Vorsitzender der IG Bergbau, Chemie, Energie. Er verspricht: „Wir werden uns flexiblen Tarif-Lösungen nicht verschließen.“

Ähnliches gilt in der Metallindustrie. Dort gibt es einen „Tarifvertrag Beschäftigungssicherung“, der in Notfällen unter anderem Arbeitszeitverkürzungen ohne Lohnausgleich ermöglicht. Diese können Unternehmensleitung und Betriebsrat sogar ohne Zustimmung der Tarifparteien vereinbaren. Darüber hinaus erlaubt das 2004 geschlossene „Pforzheimer Abkommen“ den Unternehmen vorübergehende Abweichungen von tariflichen Standards, wenn sie im Gegenzug Beschäftigungs- oder Investitionsgarantien geben. Hier ist allerdings die Zustimmung von Gewerkschaft und Arbeitgeberverband obligatorisch.

Unternehmen, denen das nicht ausreicht – und die sich auch nicht vom Segen externer Gewerkschaftsfunktionäre abhängig machen wollen –, steht der Austritt aus dem Arbeitgeberverband offen. Allerdings holen sie sich damit die Lohnkonflikte in den Betrieb. Und die Tarifbindung endet auch erst mit Ablauf des Tarifvertrags. So lange müssen also auch Unternehmen, die jetzt den Arbeitgeberverband verlassen, die Tariflöhne zahlen.

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