Arbeitsmarkt: Job-Kahlschlag trotz Wirtschaftsflaute unwahrscheinlich

KommentarArbeitsmarkt: Job-Kahlschlag trotz Wirtschaftsflaute unwahrscheinlich

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WirtschaftsWoche-Redakteur Bert Losse

Am 30. Juni hat Frank-Jürgen Weise seinen monatlichen Auftritt vor der Presse. Dann präsentiert der Chef der Bundesagentur für Arbeit (BA) in Nürnberg die neusten Arbeitslosenzahlen. Das Überraschende daran: Die Zahlen könnten - saisonal bedingt – stabil oder gar gesunken sein.

Am 30. Juni hat Frank-Jürgen Weise seinen monatlichen Auftritt vor der Presse. Dann präsentiert der Chef der Bundesagentur für Arbeit (BA) in Nürnberg die neusten Arbeitslosenzahlen. Das Überraschende daran: Die Zahlen könnten - saisonal bedingt – stabil oder gar gesunken sein.

Gesunken? Geht jetzt denn alles durcheinander? Wie passt das denn mit Äußerungen renommierter Ökonomen zusammen, die Arbeitslosenzahl würde bald wieder an der Horrormarke von fünf Millionen kratzen?

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Der Arbeitsmarkt ist ein so genannter "nachlaufender Konjunkturindikator", das heißt, er reagiert auf konjunkturelle Wendepunkte erst mit einer zeitlichen Verzögerung von sechs bis acht Monaten. Daher schlägt die Krise bisher nur vergleichsweise moderat auf die Beschäftigung durch. Sozialplangespräche mit dem Betriebsrat dauern eben meist einige Monate, danach gibt es Kündigungsfristen. Zudem haben viele Unternehmen noch immer Puffer, die sie nutzen können, bevor sie den Rotstift bei der Stammbelegschaft ansetzen – Arbeitszeitkonten etwa oder die Nutzung der auf 24 Monate verlängerten Kurzarbeit.

Auf dem Arbeitsmarkt kommt das Schlimmste noch

Umgekehrt dauert es aber auch viele Monate, bis sich ein neuer Aufschwung in der Stellenstatistik widerspiegelt. Solange die Unternehmen nicht an die Nachhaltigkeit eines Konjunkturfrühlings glauben, werden sie keine neuen Leute einstellen. Das bedeutet: Selbst wenn es 2010 kräftig nach oben gehen sollte (was ohnehin kaum jemand erwartet), dürfte die Zahl der Arbeitslosen zunächst weiter steigen. Anders ausgedrückt: Konjunkturell liegt das Schlimmste bald hinter uns. Auf dem Arbeitsmarkt ist es umgekehrt.

Warnungen vor einer neuen Ära dauerhafter Massenarbeitslosigkeit sind gleichwohl mit Vorsicht zu genießen. Die Fünf-Millionen-Grenze werden wir bei den Arbeitslosenzahlen eher nicht überschreiten. Die Unternehmen, sofern ihnen das Wasser nicht bis zum Hals steht, werden den Teufel tun, jetzt massenhaft qualifizierte Fachkräfte zu entlassen, die ihnen im nächsten Boom fehlen. Zudem führt die demografische Entwicklung dazu, dass 2009 rund 130 000 Menschen weniger auf den Arbeitsmarkt nachrücken, als in Rente gehen; auch das mildert den Druck.

So ernst die Lage am Arbeitsmarkt auch ist: Deutschland, die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt, und seine Unternehmen werden sich keinen Job-Kahlschlag leisten können.

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