Arbeitsmarkt: Kein Grund für eine Dauer-Depression

KommentarArbeitsmarkt: Kein Grund für eine Dauer-Depression

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WirtschaftsWoche-Redakteur Bert Losse

Jetzt hat die Krise also auch den Arbeitsmarkt voll erwischt. Im Januar steigt die Zahl der Erwerbslosen um 387.000 auf 3,49 Millionen und Frank-Jürgen Weise, Chef der Bundesagentur für Arbeit, macht auch für die kommenden Monate wenig Mut: „Die Arbeitskräftenachfrage sinkt mittlerweile kräftig.“

Offenbar sind viele Puffer zusammengeschmolzen, die die Unternehmen in den vergangenen Monaten nutzten, um trotz einbrechender Aufträge die Belegschaft zu halten. Die Zahl der Kurzarbeiter dürfte im Februar einen neuen Rekordstand erreichen. Überstunden? Ein Relikt aus vergangener Zeit. Arbeitszeitkonten? Sind vielerorts komplett leer geräumt. In der Metallindustrie gehen viele Firmen sogar dazu über, Konten ins Minus laufen zu lassen - den Mitarbeitern also Arbeitszeit zu „stunden“.

Die steigenden Arbeitslosenzahlen sind bitter für die Betroffenen, entwickeln sich aber auch zum Kollateralschaden für die gesamte Konjunktur: Der Konsum ist derzeit zwar wegen der sinkenden Inflation und den Geldgeschenken der Regierung noch einigermaßen stabil. Aber weil lange noch? Wer seinen Arbeitsplatz verliert oder auch nur  um seinen Job bangt, kauft keine neuen Autos, Küchen und Schrankwände. Er führt seine Lieben seltener zum Essen aus und sitzt wahrscheinlich lieber mit einer Chipstüte vor dem eigenen Fernseher als mit Popcorn im Kinosessel.

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Da vom Export derzeit keine Impulse kommen, wäre ein Einbruch des Konsums fatal. Doch so trostlos die Lage derzeit auch ist: Niemand sollte in eine Dauer-Depression verfallen. Es gibt erste Frühindikatoren, die auf ein Ende des wirtschaftlichen Sturzflugs spätestens im Herbst hoffen lassen. Der Ifo-Geschäftsklimaindex legte in der vergangenen Woche überraschend zu. Zuvor war bereits der Konjunkturindex des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung dreimal in Folge gestiegen. Auch der „Baltic-Dry-Index“, der die Frachtraten in der Seeschifffahrt misst, nimmt wieder Fahrt auf – dies deutet auf einen sich belebenden Welthandel hin.

Dass wir am Arbeitsmarkt wieder die Horrorzahlen vergangener Zeiten erleben und die Fünf-Millionen-Grenze knacken, ist daher wenig wahrscheinlich.

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