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Arbeitsmarkt: Minijobs sind Machojobs

von Cornelia Schmergal

Minijobs halten Frauen am falschen Platz. Der Staat zementiert mit der 400-Euro-Beschäftigung Rollenklischees auf dem Arbeitsmarkt.

Minijobs Quelle: dpa
Minijobs machen den Arbeitsmarkt kaputt. Zu diesem Ergebnis kamen verschiedenen Stiftungen mit ihren Studien. Quelle: dpa

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Minijobs sind des Teufels, das ist nun wieder mal bewiesen. Alles andere wäre eine Nachricht gewesen: In ihrer Ablehnung von Beschäftigungsverhältnissen auf 400-Euro-Basis bleibt sich die Hans-Böckler-Stiftung treu. In Berlin stellten Forscher des gewerkschaftsnahen Instituts nun gleich drei neue Studien vor, die belegen könnten, dass Minijobs zur Erosion auf dem Arbeitsmarkt führen.

Es war die rot-grüne Regierung, die die 400-Euro-Beschäftigung in ihrer heutigen Form geschaffen hat. Im Jahr 2003, im Geist der Agenda-Jahre, sollten die Minijobs den Arbeitsmarkt flexibler machen und die Menschen anregen, auch gering entlohnte Tätigkeiten aufzunehmen.

Gretchenfrage

Dass solche Jobs etwas schlechter honoriert waren, war der Preis, den man zahlen müsse, um die hohe Langzeitarbeitslosigkeit abzubauen, argumentierte die Regierung damals. Dafür befreite der Staat die Beschäftigten mit solch kleinen Jobs von Steuern und Sozialabgaben (allerdings erwerben die Minijobber auch nur winzige eigene Ansprüche an die Sozialversicherung). Seither lautet die arbeitsmarktpolitische Gretchenfrage, ob die Minijobs tatsächlich dafür sorgen, Menschen wieder in Beschäftigung zu bringen.

In welchen Branchen Mindestlöhne bereits fällig sind

Die Zeitarbeit führt als elfte Branche in Deutschland ab dem 1. Januar 2012 Mindestlöhne ein. Festgelegt ist, dass dann bis zum 31.Oktober 7,89 Euro in Westdeutschland und 7,01 Euro in Ostdeutschland gezahlt werden müssen. Zwischen dem 1. November 2012 und dem 31. Oktober 2013 wird die Lohnuntergrenze dann auf 8,19 Euro in Westdeutschland und 7,50 Euro in Ostdeutschland angehoben.

Quelle: Hans-Böckler-Stiftung

Quelle: dpa

Nein, antwortet nun die Böckler-Stiftung. Nur neun Prozent aller Hartz-IV-Empfänger, die nebenbei einen 400 Euro-Job ausübten, schaffen damit den Sprung in ein „Normalarbeitsverhältnis“. „Minijobs bilden nur selten eine Brücke in stabile Beschäftigung“, schreiben die Forscher. Allerdings entscheiden sich viele Hartz-IV-Empfänger ohnehin dazu, die staatliche Stütze durch einen kleinen Nebenverdienst aufzubessern, der nicht über 100 Euro liegt – diesen Freibetrag dürfen sie nämlich behalten. Wer irgendwann wirklich in eine neue Beschäftigung rutschen will, der arbeitet trotz höherer Abzüge oft etwas mehr.

1 KommentarAlle Kommentare lesen
  • 20.01.2012, 22:29 UhrAnonymer Benutzer: Politinteresse

    4,8 Mio. insgesamt. Davon 3,2 Mio. Frauen und 1,6 Mio. Männer. Also auf 2 Frauen kommt ein Mann. 66% Frauen und 33% Männer. Zwar sind die Frauen in der Mehrheit, aber nicht so erheblich, dass man die Männer, wie in der Argumentation des Artikels geschehen, unter den Tisch allen lassen kann. Wenn man den statistisch belegbaren Wunsch vieler Frauen nach Teilzeit rausrechnet, betreffen die 400 EUR-Jobs überhaupt nicht mehr die Frauen stärker als die Männer.

    400 EUR-Jobs sind in 95% der Fälle Betrug an den Arbeitern, so oder so. Aber daraus wieder ein Die-Frauen-Die-Ewigen-Opfer-Kiste zu machen und die männlichen Opfer mal wieder komplett auszublenden und stattdessen Männer als Kollektiv eher bei den "ausbeutenden" Tätern einzuordnen, ist der counter-sexistische Zeitgeist.

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