
Minijobs sind des Teufels, das ist nun wieder mal bewiesen. Alles andere wäre eine Nachricht gewesen: In ihrer Ablehnung von Beschäftigungsverhältnissen auf 400-Euro-Basis bleibt sich die Hans-Böckler-Stiftung treu. In Berlin stellten Forscher des gewerkschaftsnahen Instituts nun gleich drei neue Studien vor, die belegen könnten, dass Minijobs zur Erosion auf dem Arbeitsmarkt führen.
Es war die rot-grüne Regierung, die die 400-Euro-Beschäftigung in ihrer heutigen Form geschaffen hat. Im Jahr 2003, im Geist der Agenda-Jahre, sollten die Minijobs den Arbeitsmarkt flexibler machen und die Menschen anregen, auch gering entlohnte Tätigkeiten aufzunehmen.
Gretchenfrage
Dass solche Jobs etwas schlechter honoriert waren, war der Preis, den man zahlen müsse, um die hohe Langzeitarbeitslosigkeit abzubauen, argumentierte die Regierung damals. Dafür befreite der Staat die Beschäftigten mit solch kleinen Jobs von Steuern und Sozialabgaben (allerdings erwerben die Minijobber auch nur winzige eigene Ansprüche an die Sozialversicherung). Seither lautet die arbeitsmarktpolitische Gretchenfrage, ob die Minijobs tatsächlich dafür sorgen, Menschen wieder in Beschäftigung zu bringen.
Quelle: dpaIn welchen Branchen Mindestlöhne bereits fällig sind
Die Zeitarbeit führt als elfte Branche in Deutschland ab dem 1. Januar 2012 Mindestlöhne ein. Festgelegt ist, dass dann bis zum 31.Oktober 7,89 Euro in Westdeutschland und 7,01 Euro in Ostdeutschland gezahlt werden müssen. Zwischen dem 1. November 2012 und dem 31. Oktober 2013 wird die Lohnuntergrenze dann auf 8,19 Euro in Westdeutschland und 7,50 Euro in Ostdeutschland angehoben.
Quelle: Hans-Böckler-Stiftung

Im Wach- und Sicherheitsgewerbe gilt seit dem 1. Juni 2011 ein Mindestlohn von 6,53 Euro. Anders als in den meisten Branchen ist der Tarif hier deutschlandweit einheitlich. Zum 1. Januar 2013 sollen die Stundenlöhne steigen, die Beschäftigten können dann mit einem Tarif zwischen 7,50 Euro und 8,90 Euro rechnen. Foto: dpa
Quelle: Hans-Böckler-Stiftung
Quelle: dpaWäschereien müssen ihren Beschäftigten im Osten 6,75 Euro die Stunde zahlen. Im Westen liegt der Mindestlohn über einen Euro höher, hier bekommen Angestellte mindestens 7,80 Euro.

Reinigungskräfte bekommen für den Innendienst einen Stundenlohn von sieben Euro (Ostdeutschland) und 8,55 Euro (Westdeutschland). Genau 2,78 Euro mehr pro Stunde… Foto: dpa

… bekommen Beschäftigte, die für die Glas- und Fassadenreinigung zuständig sind. Ihr Mindestlohn liegt bei 11,33 Euro/ Stunde. Im Osten müssen die Arbeitgeber mindestens 8,88 Euro zahlen. Foto: dpa

In der Pflegebranche erhalten knapp 600.000 Pflegekräfte seit dem 1. August 2010 einen gesetzlichen Mindestlohn. Als verbindliche Untergrenze gilt seitdem ein Stundenlohn von 8,50 Euro in Westdeutschland sowie von 7,50 Euro in den ostdeutschen Bundesländern. Im Januar 2012 und im Juli 2013 werden die Sätze noch einmal um jeweils 25 Cent angehoben. Foto: AP

Auch in der Abfallwirtschaft gelten gesetzliche Mindestlöhne. Deutschlandweit bekommen die Beschäftigten seit dem 1. November Minimum 8,33 Euro je Arbeitsstunde. Damit stiegt der Satz im Vergleich zum Vormonat um neun Cent. Foto: AP

Knapp unter zehn Euro bekommen die Beschäftigten im Elektrohandwerk. Hier liegt der Mindestlohn in den westdeutschen Bundesländern und Berlin bei 9,70 Euro. Ihre ostdeutschen Kollegen bekommen nur 8,40 Euro. Foto: AP

Ungelernte Maler und Lackierer bekommen deutschlandweit einen Stundenlohn von mindestens 9,75 Euro. Gesellen haben in Westdeutschland einen Anspruch auf einen Mindestlohn in Höhe von 11,25 Euro. Foto: ZB

Im Bauhauptgewerbe, das die Ausführung des Rohbaus in Hoch- und Tiefbau sowie Straßen- und Landschaftsbau umfasst, bekommen Hilfsarbeiter und Facharbeiter in Ostdeutschland 9,75 Euro. Zum ersten Januar steigt dieser Satz für Hilfsarbeiter auf zehn Euro. In Westdeutschland bekommen die Beschäftigten für die gleiche Tätigkeit bereits elf Euro. Angelernte und Facharbeiter verdienen in Berlin mindestens 12,85 Euro, in den westdeutschen Bundesländern 13 Euro. Foto: dpa
In welchen Branchen Mindestlöhne bereits fällig sind
Die Zeitarbeit führt als elfte Branche in Deutschland ab dem 1. Januar 2012 Mindestlöhne ein. Festgelegt ist, dass dann bis zum 31.Oktober 7,89 Euro in Westdeutschland und 7,01 Euro in Ostdeutschland gezahlt werden müssen. Zwischen dem 1. November 2012 und dem 31. Oktober 2013 wird die Lohnuntergrenze dann auf 8,19 Euro in Westdeutschland und 7,50 Euro in Ostdeutschland angehoben.
Quelle: Hans-Böckler-Stiftung
Nein, antwortet nun die Böckler-Stiftung. Nur neun Prozent aller Hartz-IV-Empfänger, die nebenbei einen 400 Euro-Job ausübten, schaffen damit den Sprung in ein „Normalarbeitsverhältnis“. „Minijobs bilden nur selten eine Brücke in stabile Beschäftigung“, schreiben die Forscher. Allerdings entscheiden sich viele Hartz-IV-Empfänger ohnehin dazu, die staatliche Stütze durch einen kleinen Nebenverdienst aufzubessern, der nicht über 100 Euro liegt – diesen Freibetrag dürfen sie nämlich behalten. Wer irgendwann wirklich in eine neue Beschäftigung rutschen will, der arbeitet trotz höherer Abzüge oft etwas mehr.













