Arbeitsmarkt: Schwarz-Gelb spart bei den Ein-Euro-Jobbern

Arbeitsmarkt: Schwarz-Gelb spart bei den Ein-Euro-Jobbern

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Marcel Göckener:

Der 22-Jährige bat selbst um einen Ein-Euro-Job. Damit beeindruckte er einen Arbeitgeber. So kommt es, dass Göckener heute wieder in seinem Beruf als Bäcker arbeitet

von Cornelia Schmergal

Damit schwinden die Chancen Tausender Langzeitarbeitsloser, für die ein kleiner Job noch immer besser ist als die große Abhängigkeit.

Wie in jeder guten Ehe gab eine kluge Gattin den Anstoß. „Der hat eine angenehme Stimme am Telefon, lad den doch mal ein“, hatte die Frau von Bäckermeister Unterberg gesagt. Und vor allem deshalb hatte Theo Unterberg, Backstubenchef in dritter Generation und Arbeitgeber seit mehr als vier Jahrzehnten, schließlich in den Hörer gebrummt: „Na schön, dann kommen Sie mal vorbei.“

In der Bäckerei klingelt das Telefon häufig, wenn Unterberg einen neuen Gesellen sucht. Dieses Mal hatte ein junger Mann angerufen, der schon zwei Jahre lang auf einen Job hoffte – und Bäckermeister Unterberg kann nicht verhehlen, dass er vielleicht ein paar Vorbehalte pflegte. Man könnte auch sagen: Erfahrungen. Er hatte es schon mit etlichen Langzeitarbeitslosen versucht.

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Erster Eindruck stimmt

Da gab es Kandidaten, die am ersten Tag verschliefen und am zweiten nicht mehr auftauchten. Es gab Bewerber, die sich kurz zur Toilettenpause abmeldeten und nie in die Backstube zurückkehrten. Und es gab Interessenten, die eine Allergie gegen das Mehl im Allgemeinen und die frühen Arbeitszeiten im Besonderen entwickelten. Seither setzt Theo Unterberg in seiner Backstube auf Hausfrauen.

Dieses Mal allerdings stimmte schon der erste Eindruck, bei der angenehmen Telefonstimme angefangen. Der junge Mann am anderen Ende der Leitung erzählte, dass er gelernter Bäcker sei und derzeit als Ein-Euro-Jobber Möbel schleppe, weil ihm sonst die Decke auf den Kopf falle. Er hatte das Jobcenter selbst darum gebeten. „Der ist das Malochen gewohnt“, dachte Bäckermeister Unterberg und staunte. Tatsächlich erwies sich der Bewerber als Volltreffer. Sein Ein-Euro-Job ist längst Geschichte.

Glück um drei Uhr früh

Seit Oktober arbeitet Marcel Göckener nun als Geselle in Unterbergs Bäckerei im westfälischen Hausdülmen, statt Möbeln schleppt er wieder Backbleche. Die Uhr zeigt kurz vor eins an diesem Mittag, vorn in der Ladentheke duften frische Brote, hinten in der Backstube hat der 22-Jährige seine Arbeitskluft gegen ein frisches Hemd getauscht. Eigentlich ist Feierabend.

Aber Göckener wuselt durch den Raum, der jetzt sein Arbeitsplatz ist, erklärt den neuen Ofen und zeigt strahlend auf die Holzplatte, auf der er heute früh Teig geknetet hat. Da war es draußen noch dunkel. Vermutlich können sich nicht viele Menschen vorstellen, dass es glücklich macht, wenn um drei Uhr der Wecker klingelt. Das Glück ist eine sehr subjektive Angelegenheit.

Auch in der Arbeitsmarktpolitik kann man vieles reichlich subjektiv sehen, vor allem die Ein-Euro-Jobs. Sie zählen zu den umstrittensten Maßnahmen für Hartz-IV-Empfänger. Gewerkschafter halten sie für pure Ausbeutung. Jobvermittler schätzen sie als probates Mittel, Langzeitkunden wieder für den ersten Arbeitsmarkt fit zu machen.

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