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Arbeitsmarktreform: Schulterschluss zwischen Rüttgers und Seehofer

von Andrea Auler

Die Landesregierungen von Nordrhein-Westfalen und Bayern verständigen sich auf eine gemeinsame Linie in der Arbeitsmarktreform und eine stärkere wirtschaftliche Zusammenarbeit. Überschattet wurde das Treffen allerdings von einem ganz anderen Thema.

Horst Seehofer (r.) und Quelle: REUTERS
Horst Seehofer (r.) und Jürgen Rüttgers Quelle: REUTERS

Gemeinsam stark - dieses Motto gilt offenbar auch für Jürgen Rüttgers (CDU) und Horst Seehofer (CSU). Die Ministerpräsidenten der bevölkerungsreichsten Bundesländer Nordrhein-Westfalen und Bayern trafen sich sich in Essen zu einer gemeinsamen Kabinettssitzung. Zentrales Thema war neben Bildungs- und Europapolitik auch die bis Ende 2010 erforderliche Reform der Jobcenter.

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Rüttgers und Seehofer fordern eine Grundgesetzänderung, um auch weiterhin die Zusammenarbeit von Arbeitsagenturen und Kommunen fortsetzen zu können. „Wir erwarten vom Bund eine rechtlich abgesicherte Regelung zur Organisation der Trägerschaft“, sagten Rüttgers und Seehofer nach der Kabinettssitzung.

Das Bundesverfassungsgericht hatte die Job-Center 2007 als unzulässige Mischverwaltung von Bund und Kommunen für verfassungswidrig erklärt. Eine Reform muss bis Ende diesen Jahres erfolgen.

Zusammenarbeit verstärken

Neben bundespolitischen Fragen wollen die beiden Länder auch wirtschaftlich stärker als bisher zusammenarbeiten. Rüttgers und Seehofer verwiesen auf die wirtschaftliche Stärke beider Länder - in Bayern und NRW wird fast 40 Prozent des deutschen Bruttoinlandsprodukts erwirtschaftet - und die daraus resultierenden Folgen für die gesamte Wirtschaft. „Wir können noch besser werden, wenn wir noch enger zusammenarbeiten.“

Im Bildungsbereich wollen sich beide Länder stärker austauschen und ihre Schulsysteme dadurch verbessern. Sowohl Bayern als auch Nordrhein-Westfalen halten anders als die meisten anderen Bundesländer am dreigliedrigen Schulsystem fest.

Sponsoring-Affäre überschattet Treffen

Überschattet wurde auch dieses „Treffen unter Freunden“ von der Sponsoring-Affäre um die NRW-CDU. Eigentlich sollte am Rande der Kabinettssitzung eine Veranstaltung stattfinden, um Wirtschaftsvertreter beider Länder zusammenzubringen. Dieser „Länderdialog“ unter der Schirmherrschaft von Rüttgers und Seehofer ist nun auf einen unbestimmten Termin verschoben worden.

Offiziell hindern terminliche Gründe Rüttgers und Seehofer an der Teilnahme. „Der ursprünglich geplante Zeitablauf des Besuchs der bayerischen Staatsregierung in Nordrhein-Westfalen hat sich im Laufe der Vorbereitungen um einige Stunden reduziert“, heißt es aus der Düsseldorfer Staatskanzlei. „Die beiden Ministerpräsidenten haben sich daher in einem Gespräch darauf verständigt, die Zeit für einen möglichst intensiven und ausführlichen politischen Austausch zu nutzen und nicht an der privat organisierten Länderdialog-Veranstaltung teilzunehmen.“

Der Veranstalter, die in Barcelona ansässigen Manfred Schmidt Media S. L., begründet die Terminverschiebung dagegen „mit der aktuellen politischen Lage“. Ziel des Länderdialoges sei es, „eine erfolgreiche und dem Anspruch der Partner und Gäste entsprechende Kommunikationsplattform für Menschen und Entscheider aus den Bereichen Kultur, Medien, Sport, Wirtschaft und Politik auf höchstem Niveau durchzuführen. Vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussion um die Sponsoringaffäre scheint dies dem Veranstalter zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich.“

1 KommentarAlle Kommentare lesen
  • 10.03.2010, 12:15 UhrAnonymer Benutzer: Kompromiss-Sucher

    Komisch, dass gerade die Unionsleute alle die eierlegende Wollmilchsau hinsichtlich der Jobcenter-Reform propagieren.

    Fakt ist doch, dass man nicht alles haben kann. Jobcenter bestehen bleiben + Option bestehen bleiben + Erweiterung? Die SPD hat relativ klar gemacht, dass sie da nicht alles mit macht. Und selbst wenn sie sich auf eine Zahl von neuen Optionskommunen einigen - Nach welchen Kriterien? Fangen sie alle mit "A" an? Ab einer bestimmten Einwohnerzahl?

    Das riecht nach einem Verstoß gegen das Wilkürverbot und neuen Klagen, insbesondere von den Kommunen, die optieren wollen, und es dann nicht dürfen.

    Letztendlich läuft es in Deutschland doch immer auf einen Kompromiss hinaus. Der politisch eleganteste, in Hinblick auf die NRW-Wahl, wäre es wohl, wenn die Union die SPD vorführen kann: Die Verhandlungen scheitern am Streitpunkt Option, die Regierung bringt das (seit Monaten nicht mehr erwähnte - Wie bei Kandidaten für Posten, es wird immer der, der zuletzt genannt wird) Südländer-Modell, das nicht auf die Stimmen der SPD angewiesen ist, aus der Versenkung, und schon bekommen alle etwas. Die Kommunen alle monetären Leistungen und das Fallmanagement (das auf kommunaler Ebene eh sinnvoller angesiedelt ist) und die bA ihre selbsternannte Kernkompetenz, die Vermittlung.

    Der Charme: Die Union kann die SPD direkt vor der NRW Wahl bloßstellen und als nicht staatstragend darstellen, weil sie die Option verhindert hat, und gleichzeitig wird eine Lösung gefunden, die allen Seiten ein wenig gibt und keine GG-Änderung benötigt.

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