Arbeitsmarktzahlen: Hauch von Misstrauen

KommentarArbeitsmarktzahlen: Hauch von Misstrauen

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Arbeitsmarkt

von Bert Losse

Der Aufschwung am Arbeitsmarkt setzt sich fort. Allerdings profitieren nicht alle Wirtschaftsbereiche gleichmäßig davon. Ausgerechnet in der Industrie lässt ein neues Jobwunder noch auf sich warten. Ein Kommentar von Bert Losse.

Ja, keine Frage: Der erstaunliche Aufschwung am deutschen Arbeitsmarkt geht weiter. Dass die Zahl  der Arbeitslosen im Dezember um 85 000 auf 3,016 Millionen gegenüber dem Vormonat  gestiegen ist, kann man getrost als - temporären - Tribut an den strengen Winter abhaken, der die Bauwirtschaft vielerorts zu unfreiwilligen Arbeitspausen zwang. Alle wichtigen Job-Indikatoren zeigen nach oben: Die Zahl der offenen Stellen ist gestiegen, die Zahl der Erwerbstätigen in Deutschland hat 2010 mit 40,37 Millionen ein neues Allzeithoch erreicht. „Der deutsche Arbeitsmarkt hat sich in der Krise als sehr robust erwiesen, in den aktuellen saisonbereinigten Werten steht er bei Arbeitslosigkeit und Beschäftigung sogar besser da als vor dem wirtschaftlichen Einbruch“, freut sich die Bundesagentur für Arbeit (BA).

Allerdings kann gerade jetzt ein Blick ins Kleingedruckte der Arbeitslosenstatistik nicht schaden. Dort nämlich lässt sich ablesen, wer für das Jobwunder verantwortlich ist. Das stärkste Plus gegenüber Vorjahr gab es im Dezember bei der Zeitarbeit (plus 32 Prozent), gefolgt vom  Gesundheits- und Sozialwesen (plus 3,5 Prozent) und den wirtschaftlichen Dienstleistungen (plus 2,8 Prozent). Im verarbeitenden Gewerbe hingegen sank die Beschäftigtenzahl um 0,1 Prozent.

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Vollzeitjobs in der Industrie

Und dies ist kein Ausrutscher. In der deutschen Industrie ist die Zahl der Jobs zwischen 2009 und 2010 um 136 000 gesunken, der Anteil der Erwerbstätigen in diesem Wirtschaftssegment liegt nur noch bei 18,9 Prozent. Die Bruttowertschöpfung der Industrie liegt aktuell noch rund 15 Prozent unter Vorkrisenniveau.

Warum ist das wichtig? Ist es nicht ohnehin ein unumkehrbarer Prozess in modernen westlichen Volkswirtschaften, dass sie sich zu humankapitalstarken Dienstleistern entwickeln? Ja – aber ohne leistungsfähige Industrie lässt sich unser Wohlstand auf Dauer nicht halten, in einer Exportnation wie Deutschland schon gar nicht. Von daher sollten wir uns bei aller Freude über die formidablen Arbeitsmarktdaten einen Hauch von Misstrauen bewahren, solange nicht auch in der Industrie die Zahl der regulären Vollzeitjobs wieder steigt.

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