_

Arcandor, Opel & Co.: Koalition streitet um Staatshilfen

von dpa

Nach Opel will die SPD nun Arcandor retten, in der Koalition ist ein Streit um Staatshilfen entbrannt. Der Wirtschaftsminister warnt vor einem Wahlkampf auf Kosten der Steuerzahler. Doch auch die Union ist sich uneins, wie der Fall Opel zeigt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel Quelle: dpa
Bundeskanzlerin Angela Merkel (l) steht am Dienstag (31.03.2009) mit Hans Demant (l-r), Vorsitzender der Geschäftsführung der Adam Opel GmbH, Hessens Wirtschaftsminister Dieter Posch (FDP), Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU), GM Europa Präsident Carl-Peter Forster, Klaus Franz , Opel-Gesamtbetriebsratsvorsitzender, und Bundesverteidigungsminister Franz-Josef Jung (CDU) beim Besuch des angeschlagenen Autobauers Opel im Stammwerk in Rüsselsheim neben einem Prototyp des Elektroautos Opel Ampera. Zuvor hat sie einen Blick in die Produktion des neuen Opel Insignia geworfen. Die Opelaner erwarten von der Kanzlerin aktuelle Einschätzungen zur Zukunft des Traditionsunternehmens. Merkel lehnt einen Staatseinstieg bisher ab. Opel strebt eine teilweise Abkopplung von der US-Mutter General Mo Quelle: dpa

Nach der mühsamen Verständigung auf Milliarden- Staatshilfen für Opel ist in der großen Koalition heftiger Streit über eine Rettung des Warenhauskonzerns Arcandor entbrannt. Union und SPD gerieten sich am Pfingstwochenende über mögliche Bürgschaften für die Karstadt-Muttergesellschaft in die Haare. In der Union ist die Opel-Lösung nach wie vor umstritten.

Anzeige

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) verteidigte das staatliche Rettungspaket für den angeschlagenen Autobauer auch gegen die innerparteiliche Kritik. Eine Festlegung auf ein Ja oder Nein zu Staatshilfen für Arcandor lehnte sie ab. „Ich möchte nicht, dass Opel in den Strudel einer amerikanischen Insolvenz hineingerät, bei der zuletzt die Filetstücke herausgenommen werden“, sagte Merkel am Pfingstmontag in Unterschleißheim bei München.

Steinmeier und Müntefering für Arcandor-Hilfe

Die Bundesregierung habe sich eingeschaltet, weil auf US- Seite ebenfalls der Staat aktiv gewesen sei. Bei der Krisenrunde in der Nacht zum Samstag im Kanzleramt hatte Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) mit Bedenken gegen das staatliche Opel-Rettungskonzept allein gestanden. Er befürwortete eine Insolvenz des Autobauers und soll zeitweise einen Rücktritt erwogen haben.

Die SPD um Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier und Parteichef Franz Müntefering machten sich angesichts drohender Jobverluste und verödender Innenstädte dagegen grundsätzlich für staatliche Hilfen für Arcandor (Karstadt, Quelle, Thomas Cook) stark. Die Union warnte dagegen vor voreiligen Versprechungen und Wettbewerbsverzerrungen.

Guttenberg warnt vor Versprechungen

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) verteidigte wie Merkel das Opel-Rettungskonzept: „Ich glaube, dass wir eine richtige Entscheidung getroffen haben“, sagte er in Berlin. Er habe „Vertrauen“ in das industrielle Konzept des Autozulieferers Magna als Opel-Investor. Deshalb sei es vertretbar, den zugesagten Überbrückungskredit von 1,5 Milliarden Euro zu geben. Magna verdiene Vertrauen, „weil die auch mit eigenem Geld dort hineingehen“.

Guttenberg warnte die SPD vor voreiligen Versprechungen von Staatshilfen. Im Ringen um die Zukunft von Opel hätten solche bereits vor mehreren Wochen getroffenen Aussagen zugunsten des Investors Magna dem Unternehmen geschadet: „Die Heilsversprechen, die damals abgegeben wurden, haben definitiv die Verhandlungsposition von Opel unterminiert und untergraben“, sagte der Minister der „Passauer Neuen Presse“.

17 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 28.06.2009, 01:13 UhrAnonymer Benutzer: Damien

    Hallo ihr da draußen.
    Also ich vertrete die Meinung, man sollte zuerst mal das buch der Steuergeldverschwendung neu aufrollen.
    Alle Parteien bzw. Politiker, welche diese Verschwendung zuließen müssten (nachträglich) mit ihrem Pivatvermögen haften.
    Folge 1.Entscheidungen werden überlegter getroffen. (Politiker)
    2. Geld zu Hilfe von Arbeitsplätzen

    Ebenso müssen in Zunkunft banken und alle Finanzunternehmen (jeder einzelne)sowie Politiker (welche Subventionen verteilen) privat haftbar gemacht werden, so wie das bei normalen Unternehmen auch der Fall ist.

    So das ist alles fürs erste.

  • 03.06.2009, 01:23 UhrAnonymer Benutzer: Matrix65

    Hallo Kommentator,
    Erst einmal möchte ich ihnen sagen, dass es mich freut, dass Sie die Managementfehler auch sehen, denn darum geht es: selbstverschuldet oder nicht! Glauben Sie nicht, dass mir die Arbeitsplätze und Schicksale die dahinter stecken egal sind. Es geht schließlich auch um meinen Arbeitsplatz.
    Die Frage die Sie stellen "sollen die Mitarbeiter für die Fehler des Managements büßen" ist aus meiner Sicht die Falsche. Die richtige Frage ist vielmehr "Sollen alle Steuerzahler für die Fehler des Managements büßen?", denn dazu würde es führen, wenn der Staat keine strikten bewertungskriterien anwendet und jedes Unternehmen stützt, dass schon vor der Finanzkrise in großen Schwierigkeiten war (und das waren wir! das wissen Sie!). ich bin ein großer Freund von Solidarität aber nicht wenn es alle in den Abgrund reißt. So müssen bergsteiger beispielsweise auch in manchen Fällen ein Seil durchschneiden, wenn ein abgestürzter Kletterkollege alle anderen in den Abgrund reißen würde. Das dies für die Person, die dann abstürzt, dramatisch ist, muss ich glaube ich hier nicht betonen. Der einzige Unterschied zu einer solchen Situation ist, dass bei uns unten jemand steht (Metro, Otto), der zumindest sagt "ich werde versuchen dich aufzufangen". Dieses Glück werden Sie in den bergen nicht haben. Denken Sie mal an die Gesamtsituation und nicht nur an sich! Oder wie würden Sie entscheiden, wenn Sie derjenige wären der da unten am Seil hängt? Das ist für mich Solidarität, nicht das wovon sie sprechen! Sollten wir aus eigener Kraft schaffen, sehr gerne! Aber nicht mit dem Geld der Steuerzahler, unserer Kunden! Herr Eick soll es probieren, das ist seine Pflicht. Aber bitte nicht indem er dem Staat/uns die Verantwortung für eventuelle zukünftige Arbeitslosen gibt! Die muss unser früheres und FÜRSTLiCH AbGEFUNDENES Management verantworten!!!!!

  • 02.06.2009, 23:46 UhrAnonymer Benutzer: Leitender Angestellter von Arcandor

    Matrix65 hat einfach recht. Sorry, Kommentator, aber das ist so. Mir liegen die internen Zahlen aus den letzten Jahren vor. Arcandor, und da vor allem Karstadt ist ein Fass ohne boden. Thomas Cook bringt die Kohle, die wir fürs Überleben brauchen, bei Primondo gibt es einige Perlen unter den Spezialversendern und im Ausland, und Quelle ist wenigstens auf einem mutigen, zukunftsweisenden Weg. Schlimm ist nur, dass Arcandor immer noch für jeden blödsinn Geld ausgibt, im großen wie im kleinen (Umbenennung, Vorstände, Teddykampagne).

Alle Kommentare lesen
weitere Fotostrecken

Blogs

Alternativen gesucht
Alternativen gesucht

Der Euro wird mit jedem Tag mehr zum Verhängnis für Europa, wirtschaftlich wie politisch. Wann endlich werden...

Das Aktuelle Heft

Wirtschaftswoche

WirtschaftsWoche 21 vom 21.05.2012

iTunes Vorschau - WirtschaftsWoche
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.