Argumentation: Heiße Luft der Solar-Lobby

Argumentation: Heiße Luft der Solar-Lobby

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Solarmodul im oberpfälzischen Hemau (Landkreis Regensburg)

Mit welchen falschen Versprechungen die Solar-Lobby bei der Politik und in der Öffentlichkeit für Unterstützung wirbt.

Arbeitsplätze:

Der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW) schätzt, dass in 2007 etwa 20.000 Handwerker mit der Solarzellen-Montage beschäftigt waren. Branchenkennern halten das für übertrieben: Für die Neuinstallation von 1100 Megawatt Leistung seien höchstens 7000 Handwerker notwendig, rechnet das Solarstrom-Magazin „Photon“. Auch die sind teuer erkauft: Nach Berechnungen des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) wurde jeder Arbeitsplatz der Solarbranche in Handwerk und Industrie mit 153.000 Euro bezuschusst. Das ist knapp das Doppelte der Subventionen für die deutsche Steinkohle – dort wurde jeder Arbeitsplatz mit 78.000 Euro unterstützt. Export: Sigmar Gabriel verweist auf die Erfolgsstory des Erneuerbare Energien Gesetzes (EEG): Wie bei Windanlagen werde auch in der Fotovoltaik-Branche mehr als 70 Prozent der deutschen Produktion exportiert. Doch das ist unwahrscheinlich: Deutschland produziert noch nicht einmal genug Zellen und Module für den Eigenbedarf, aufgrund des raschen Marktwachstums lagen die Kapazitäten 50 bis 70 Prozent unter dem Marktvolumen. Weil aber das EEG die Nachfrage künstlich anheizt, drängen Hersteller aus Japan und China auf den lukrativen deutschen Markt. Fazit: Deutschland bleibt Netto-Importeur. Förderkosten: Die Solarlobby arbeitet mit falschen Marktprognosen, rechnet den Zubau von Solaranlagen und damit auch die Kosten, die den Stromverbrauchern zusätzlich entstehen, klein. Selbst die Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie kritisiert die Zubauzahlen von 600 Megawatt pro Jahr als „politisch motiviert und von der Wirklichkeit längst überholt“. Das Schweizer Bankhaus Sarasin schätzt in einer Studie die 2007 zusätzlich installierte Leistung auf rund 1300 Megawatt. Diese werden laut derzeitigem EEG mit etwa 47 Cent pro Kilowattstunde vergütet. Dieser Satz ist fix für 20 Jahre. Konventionell erzeugter Strom dagegen kostet aktuell nur fünf und künftig rund acht Cent. Die Mehrkosten der Stromkunden betrugen danach im vergangenen Jahr 8,6 Milliarden Euro – Tendenz steigend. Skaleneffekte: Je mehr und effizienter Strom aus Sonnenlicht produziert wird, desto niedriger fällt der Preis aus – so die Theorie der Skaleneffekte. Für die Solarbranche sollte nach eigenen Angaben gelten: Die Verdopplung des Marktes führt zu einer Kostenreduktion von etwa 20 Prozent. Tatsächlich hat sich aber der globale Markt für Fotovoltaik besser entwickelt als erwartet, das für 2010 anvisierte Marktvolumen von 4,5 Gigawatt wurde längst erreicht. Experten fordern, den Effizienzgewinn nunmehr an den Stromkunden weiterzureichen – notwendig sei demnach nur eine EEG-Vergütung von maximal 35 Cent.

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Akzeptanz:

Einer Forsa-Umfrage zufolge ist die Mehrheit der Bürger bereit, monatlich einen Euro für die Förderung der Fotovoltaik auszugeben – mehr allerdings nicht. Laut Gabriel belaufen sich die Kosten auf einen Euro pro Person und Monat – doch das Umweltministerium geht dabei nur vom privaten Stromverbrauch aus. Vergessen werden erhöhte Kosten für Waren und Dienstleistungen sowie zusätzliche staatliche Stromkosten. Werden diese Kostenfaktoren mitberücksichtigt, liegen die Solar-Subventionen bereits jetzt deutlich über der Schmerzgrenze. Übrigens: Vor zwei Jahren gab die Mehrheit noch an, dass sie zwei Euro oder mehr zu zahlen bereit sei – die Akzeptanz schwindet also. Weltmarktführerschaft: Dies gilt nur für die Installation, nicht aber für die als Wirtschaftsfaktor wichtigere Produktion. Zwar tummeln sich in Deutschland viele Solarfirmen, darunter Q-Cells in Thalheim, Conergy in Hamburg, Solarworld in Bonn, Johanna Solar Technoloy in Brandenburg oder auch Großansiedlungen wie dem Solar Valley von Sachsen-Anhalt. Doch die Masse der Solarzellen kommt aus Asien: 28 Prozent aus China, 22 Prozent aus Japan. Deutschland liegt mit einem Weltmarktanteil von 21 Prozent an dritter Stelle. Die Big Player sitzen im Ausland: Die norwegische REC baut die weltgrößte Solarfabrik in Singapur. First Solar aus den USA, Spitzenreiter bei Dünnschichtmodulen, hat zwar ein Werk in Frankfurt/Oder, doch dieses trägt nur 20 Prozent zur Produktion bei, die nächsten drei Fabriken entstehen in Malaysia. Sharp aus Japan dürfte 2010 im Dünnschicht-Segment die weltgrößte Fabrik betreiben. Klimafreundlichkeit: Rein rechnerisch wurden 2006 durch die Erzeugung von zwei Milliarden Kilowatt Solarstrom zwar 1,1 Milliarden Tonnen CO2 eingespart. Doch die CO2-Vermeidungskosten sind mit rund 945 Euro pro Tonne sehr hoch. Es wäre günstiger, die Vermeidung von CO2 dem Emissionshandel zu überlassen. Der Preis für Emissionszertifikate liegt bei 30 Euro pro Tonne.

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