Armin Laschet will NRW-Ministerpräsident werden: Der berechenbare Entertainer

Armin Laschet will NRW-Ministerpräsident werden: Der berechenbare Entertainer

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Laschet (l.) lernte seine spätere Frau Susanne (r.) im Jugendchor kennen. Chorleiter war Susannes Vater, der spätere Aachener IHK-Präsident  Heinz Malangré. Das Bild entstand Jahre vor der Hochzeit.

Armin Laschet (CDU) will im Mai Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen werden. Früher war seine Karriere-Formel: „20 Prozent Sein, 30 Prozent Schein, 50 Prozent Schwein.“ Wer ist dieser Mann, der an Diät-Bücher und die katholische Kirche glaubt? Eine Spurensuche mit alten Weggefährten.

Monsignore Heribert August hat schon viele Paare getraut. „Es gibt da diesen Moment, wenn die Eheleute aus der Kirche heraustreten und ihren Gästen gegenüberstehen“, sagt der hochdekorierte Kirchenmann, „dann kann man manchmal in ihr Wesen blicken.“ Manche beginnen ausladend zu winken. Andere blicken schüchtern auf den Boden oder suchen nach jemandem. Am 18. Mai 1985 traten Armin Laschet und seine Ehefrau Susanne aus der Kirche St. Aposteln – dem bescheideneren Gemeindezentrum unweit der stolzen Hauptkirche St. Michael im Aachener Stadtteil Burtscheid. „Der Armin war ganz ruhig. Verhalten. Ohne Pomp und große Geste. Er spitzte einfach nur den Mund und wartete ab, was passiert“, erinnert sich der Monsignore.

Damals war Laschet 24 Jahre alt. Heute, gut drei Jahrzehnte später, hat Armin zusammen mit Susanne drei Kinder und tritt als Spitzenkandidat der CDU im Landtagswahlkampf an. Laschet will Ministerpräsident des größten deutschen Bundeslandes werden.

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Den gespitzten Mund, gerne bei leicht zur Seite geneigtem Kopf, aus dem dann zwei hellwache Augen ihr Gegenüber abwartend ansehen, kann man bei Laschet auch heute noch beobachten. Auf Empfängen, wenn die Gastgeber ihm Menschen vorstellen, die sie für wichtig halten. Oder wenn er Journalisten Interviews geben soll. Dann gibt es oft diesen kleinen Moment des Abwartens, in dem Laschet schweigt und anderen das erste Wort überlässt.

Armin Laschet (r.) auf einer Karnevalsfeier 1977 im elterlichen Haus in Aachen. Links im Bild Heribert Walz. Quelle: Privat

Armin Laschet (r.) auf einer Karnevalsfeier 1977 im elterlichen Haus in Aachen. Links im Bild Heribert Walz.

Bild: Privat

Fast ist es so, als hätte der kaum mehr als 1,75 Meter große Mann sich auf diesen zweiten Blick der anderen spezialisiert. Darauf, dass die anderen schon noch merken, was in ihm steckt. Auch Spitzenkandidat wurde er erst auf Umwegen. Nach der Wahlniederlage der NRW-CDU 2010 unter Jürgen Rüttgers kandidierte Laschet für den Vorsitz der Landtagsfraktion und unterlag gegen Karl-Josef Laumann. „Der ist authentischer“, hieß es damals an der CDU-Basis über den Westfalen, der heute Patientenbeauftragter der Bundesregierung ist.

Laschet kämpfte weiter. Jetzt mit Laumanns Rückendeckung. Aus der Kampfkandidatur um den Landesvorsitz machte die Parteiregie eine Art Feldzug durch NRW: Vor dem Publikum der Bezirksverbände musste Laschet sich acht Rede-Duelle mit Norbert Röttgen liefern. Röttgen gewann.

Das waren die wohl bittersten Tage im bisherigen Politikerleben von Laschet, der sich da bereits vom Elternhaus einer Aachener Bergmannsfamilie über Mandate in den Parlamenten von Berlin und Brüssel ins Landeskabinett von Jürgen Rüttgers hochgearbeitet hatte. Aber von Röttgen, dem damaligen Bundesumweltminister und Liebling der Kanzlerin, versprach die NRW-CDU sich mehr Glamour.

Armin Laschet (l.) mit seiner  späteren Frau Susanne  bei einer Prag-Reise der Jungen Union, etwa 1980 Quelle: Privat

Armin Laschet (l.) mit seiner späteren Frau Susanne bei einer Prag-Reise der Jungen Union, etwa 1980

Bild: Privat

Bei der Landtagswahl 2012 musste Röttgen eine desaströse Niederlage gegen SPD-Spitzenkandidatin Hannelore Kraft verantworten. Die Mülheimerin Kraft triumphierte laut, der Aachener Laschet heimlich. Endlich machte sein Landesverband ihn zum Chef und die Fraktion zum Oppositionsführer im Düsseldorfer Landtag.

„Wir haben früher immer gesagt: In jeder Karriere sind 20 Prozent Sein, 30 Prozent Schein und 50 Prozent Schwein“, erzählt sein Jugendfreund Heribert Walz. Ein möglicher Beleg für die Schlitzohrigkeit, die man Armin Laschet noch heute nachsagt. Die beiden haben sich mit 14 bei den Ferienspielen der Burtscheider Kirchengemeinde kennengelernt: Völkerball und Fahnenklauen hießen damals die Späße, mit denen Laschet und Walz sich die Sommerferien vertrieben. Heute heißt so was Stadtranderholung.

„Die Atmosphäre bei den Laschets war streng, aber warmherzig“, erinnert sich Walz, „wenn ich zu Gast in großer Runde beim Abendbrot saß, hatte eines der Kinder immer Küchendienst: Speisen auftragen und spülen.“

Laschet wuchs mit drei Brüdern auf, „die Mutter war immer der Mittelpunkt“, erzählt Walz. Als sie vor wenigen Jahren starb, war halb Aachen bestürzt über den plötzlichen Tod der Frau, die sich mit Töpferkursen und anderem in der Gemeinde engagiert und ganze Nachmittage lang auch auf die Kinder der Nachbarschaft aufpasste. Walz: „Bei den Laschets saßen eigentlich immer irgendwelche Gäste mit am Tisch.“ Vater Laschet, der später vom Bergmann umschulte und Leiter der Burtscheider Grundschule wurde, sieht man heute fast jeden Dienstag bei seiner Wassergymnastik in einem benachbarten Hallenbad.

Armin Laschet (r.) und Heribert Walz (l.) kennen sich, seit sie 14 sind. Das Bild zeigt sie bei einem gemeinsamen Urlaub in Umbrien vor etwa 15 Jahren.

Armin Laschet (r. ) und Heribert Walz (l.) kennen sich, seit sie 14 sind. Das Bild zeigt sie bei einem gemeinsamen Urlaub in Umbrien vor etwa 15 Jahren.

Vielleicht war diese alltägliche Gastfreundschaft in Laschets Elternhaus Keimzelle für einen historischen Wandel der CDU. Über Jahrzehnte wollte die Partei einfach nicht wahrhaben, dass Deutschland auch Einwanderungsland ist. Als er 2005 erster deutscher Integrationsminister wurde, musste Laschet seiner Partei erst mühsam beibringen, dass junge Zuwanderer eine dramatisch alternde Nation auch entlasten. Obwohl diese Haltung unter Kanzlerin Merkel als „Willkommenskultur“ später zum Bekenntnis der CDU wurde, fremdeln viele in der Partei noch immer damit. Der konservativste Teil der Union nennt Laschet bis heute gehässig „Türken-Armin“.

Walz und Laschet sind immer noch befreundet, beide Familien haben schon viele Urlaube gemeinsam verbracht. Einen Skiurlaub zum Beispiel Anfang der 90-er Jahre im schweizerischen Lenzerheide, Laschets ältester Sohn Johannes war gerade geboren. „Da kam er mit Sommerreifen an“, schüttelt Walz noch heute im Kopf, „das ging natürlich schief.“ Laschets weißer BMW kam den Berg nicht hoch. Der junge Familienvater musste improvisieren. Walz: „Da hat der die Koffer der Familie in ein Kinderbett gepackt, und das schob er dann bis zur Ferienwohnung.“

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