Armutsgefährdung: Gering Qualifizierte immer öfter von Armut bedroht

Armutsgefährdung: Gering Qualifizierte immer öfter von Armut bedroht

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Als armutsgefährdet gilt, wer mit weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens auskommen muss.

Immer mehr Geringqualifizierte drohen, in die Armut abzurutschen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes sind heute deutlich mehr Geringqualifizierte armutsgefährdet als noch vor zehn Jahren.

Geringqualifizierte droht heute häufiger ein Leben in Armut als noch vor zehn Jahren. 2014 galten 30,8 Prozent der gering qualifizierten Personen ab 25 Jahren in Deutschland als armutsgefährdet, teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag mit. 2005 seien es nur 23,1 Prozent gewesen. Als armutsgefährdet gilt, wer mit weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens auskommen muss.

In Deutschland trifft das etwa auf Einpersonenhaushalte mit einem monatlichen Einkommen von weniger als 917 Euro zu. Geringqualifiziert ist, wer ausschließlich einen Hauptschul- oder Realschulabschluss oder gar keinen Hauptschul- und beruflichen Bildungsabschluss besitzt.

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Armutsgefährdung in Deutschland

  • Wie viele Menschen in Deutschland sind arm?

    Wer in Deutschland allein mit weniger als 979 Euro netto im Monat auskommen muss, gilt nach der EU-Statistik als armutsgefährdet. Bei einer vierköpfigen Familie liegt die Grenze bei 2056 Euro im Monat. Nach dieser Rechnung sind 13 Millionen Menschen in der Bundesrepublik von Armut bedroht. Der Anteil an der Bevölkerung von rund 16 Prozent ist seit Jahren relativ stabil. Armutsforscher Hans-Ulrich Huster warnt jedoch: „Etwa die Hälfte davon hat keine Chance mehr, da raus zu kommen.“ Ulrich Schneider vom Paritätischen Wohlfahrtsverband ergänzt: „Wir haben immer mehr Erwerbstätige, aber trotzdem schützt dies nicht mehr vor Armut.“

  • Was ist Armutsgefährdung?

    Die Statistiker sprechen von „Armutsgefährdung“ oder einem „relativen Armutsrisiko“. Nach der Definition der EU-Statistik ist von Armut bedroht, wer von weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Bevölkerung seines Landes lebt. „Armut“ ist nach Ansicht des Armutsforschers Christian Arndt „ein Zeichen dafür, dass etwas Wesentliches zum Wohlergehen fehlt“. Dies betreffe aber nicht alle, die über ein Einkommen unterhalb der „Armutsrisikoschwelle“ verfügten. „So ist dies sicher nicht der Fall für einen Studierenden mit geringem Einkommen, kann aber sehr wohl für ein schwerwiegendes Problem für eine alleinstehende Rentnerin sein.“

  • Wie schneidet Deutschland im EU-Vergleich ab?

    Mit einer Armutsgefährdungsquote von 16,1 Prozent schneidet Deutschland 2013 um 0,6 Prozentpunkte besser ab als der Anteil aller EU-Länder zusammen. Allerdings fehlen für den exakten Mittelwert noch einige Zahlen, etwa die von Irland und Kroatien. Besonders hoch ist der Anteil der von Armut bedrohten Menschen in Griechenland (23,1 Prozent), Rumänien (22,4 Prozent) und Bulgarien (21,0 Prozent). Am niedrigsten ist das Armutsrisiko in der Tschechischen Republik (mit einem Anteil von 8,6 Prozent), Island (9,3 Prozent), den Niederlanden (10,4 Prozent) und Norwegen (10,9 Prozent).

  • Wer ist in der BRD besonders von Armut bedroht?

    „Armut ist immer noch weiblich“, sagt die Präsidentin des Sozialverbandes VdK, Ulrike Mascher. Frauen aller Altersgruppen sind stärker von Armut bedroht als Männer. Besonders betroffen sind Alleinerziehende und Frauen im Rentenalter. Und: Fast 70 Prozent der Arbeitslosen sind armutsgefährdet. Nach Einschätzung von Armutsforscher Hans-Ulrich Huster haben auch Menschen mit Migrationshintergrund und alleinlebende junge Leute unter 30 Jahren ein erhöhtes Risiko.

  • Steigt die Zahl der Armen in Deutschland?

    Das Armutsrisiko hat nach Darstellung des Volkswirts und Armutsforschers Christian Arndt zwischen 1999 und 2005 stark zugenommen. Seitdem aber nicht mehr. In der seit 2008 erhobenen EU-Statistik stieg die Quote für Deutschland von 15,2 Prozent auf 16,1 Prozent. „Hier könnte man einerseits von einer Manifestation des Armutsrisikos sprechen. Die Botschaft ist aber die, dass das Armutsrisiko im Gegensatz zu einigen anderen Ländern nicht weiter zugenommen hat.“ Armutsforscher Hans-Ulrich Huster stellt fest: „Die Reichen werden reicher. Das Einkommen der Armen sinkt relativ gesehen zu den Einkommen der mittleren und oberen Einkommensbezieher.“

  • Was fordern Fachleute?

    Der für 2015 geplante Mindestlohn ist nach Einschätzung des Sozialverbands VdK und des Paritätischen Wohlfahrtsverband ein richtiger Schritt. „8,50 Euro ist aber hart auf Kante genäht, das ist genau für einen Alleinlebenden die Armutsschwelle“, sagt der Geschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbands, Ulrich Schneider. Armutsforscher Hans-Ulrich Huster betont: „Nicht der Facharbeitermangel ist das Problem, sondern dass wir uns zu wenig darum kümmern, dass die Jugendlichen, die da sind, eine entsprechende Ausbildung bekommen.“

Geringqualifizierte sind in den ostdeutschen Bundesländern (einschließlich Berlin) mit 37,5 (2005: 28,6) Prozent häufiger armutsgefährdet als im Westen mit 29,8 (22,3) Prozent. Insgesamt lag die Armutsgefährdungsquote im Osten zuletzt bei 19,2 Prozent und in den alten Bundesländern bei 14,5 Prozent. "Damit war die Quote sowohl in Ost- als auch in Westdeutschland in den letzten zehn Jahren relativ stabil", erklärten die Statistiker.

Die Angaben des Statistische Bundesamt beruhen auf dem Mikrozensus, der größten jährlichen Haushaltsbefragung in Europa.

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