ASU-Chef Patrick Adenauer: "Der Fachkräftemangel ist real"

ASU-Chef Patrick Adenauer: "Der Fachkräftemangel ist real"

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Präsident des Unternehmerverbandes "Die Familienunternehmer - ASU", Patrick Adenauer

Billige Parole oder Wachstumsbremse? Der Chef des Unternehmerverbandes "Die Familienunternehmer - ASU", Patrick Adenauer, widerspricht dem kontroversen Ergebnis einer DIW-Studie, der Fachkräftemangel sei eine „Fata Morgana“.

Da sind wir aber näher an den realen Problemen unserer Mitglieder dran als das Institut. Erst jüngst hat eine Befragung unserer Mitgliedsunternehmen ergeben, dass ein Drittel zurzeit offene Stellen nicht besetzen kann. Davon sagen 92 Prozent, sie finden überhaupt keine Bewerber oder nur zu schlecht ausgebildete. Nur wenige Monate nach der Krise erklären 8 Prozent von ihnen, dass sie deshalb schon Aufträge ablehnen mussten. Damit wird der Fachkräftemangel zur Wachstumsbremse.

Wir kommen gerade aus einer der schwersten Krisen heraus, da ist das nicht anders zu erwarten. In den letzten zwei Jahren ist es daher vielmehr als Ausdruck des Fachkräftemangels zu bewerten, dass die Arbeitslosigkeit nicht so deutlich gestiegen ist, weil wir Unternehmer Sorge hatten, einmal verlorene Mitarbeiter nicht mehr zurück gewinnen zu können. Für gesuchte Fachkräfte werden sich die Gehälter bald wieder nach oben bewegen.

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Wie kommt es dann dennoch zum Ergebnis, dass die Gehälter für fachlich qualifizierte Arbeitskräfte sich zuletzt nicht signifikant verbessert haben?



Eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung legt nahe, dass der Fachkräftemangel eher ein mediales als reales Phänomen ist. Deckt sich das mit den Rückmeldungen, die Sie von Unternehmern bekommen?

Fachkräfte beginnen für uns Unternehmer schon bei gut ausgebildeten Facharbeitern. Darüber hinaus ist es längst nicht mehr nur in der Industrie schwierig, Ingenieure oder Computer-Fachleute zu finden. Es fehlen im Gesundheitswesen neben Ärzten schon Pflegekräfte und OP-Schwestern. Diese schwierige Lage wird sich immer weiter verschärfen.   

Wenn wir auf die Politik warten würden, wären wir keine Unternehmer. Schon lange vor der Krise haben wir viel unternommen: Initiativen auf dem Feld der Bildung sowohl in Schulkooperationen als auch für lebenslanges Lernen ergriffen. Betriebe sind viel familienfreundlicher geworden, um mehr Müttern das Arbeiten zu ermöglichen.

Es müssen familienfreundliche Lösungen angeboten werden und Mitarbeiter altersgerecht eingesetzt werden. Jugendlichen muss in den Betrieben selbst die Chance gegeben werden, schulische Defizite aufzuholen. Ein letzter Ausweg wäre ganz dorthin zu gehen, wo gute Fachkräfte sind.

Wir können uns nicht mehr so viele Schulabbrecher leisten, müssen Bildungswettbewerb und die Integration von Randgruppen des Arbeitsmarkts durch ein System von Bildungsgutscheinen fördern. Und dann muss die Bundesregierung endlich die ideologischen Debatten um Zuwanderung beenden und pragmatische Lösungen anbieten: wie die Absenkung der Einkommensgrenze auf 40.000 Euro. So können wir auch in Deutschland ausgebildete Absolventen nach dem Studium halten. Nicht jede Fachkraft muss gleich wie eine Führungskraft mit über 65.000 Euro im Jahr bezahlt werden.



Und die Politik? Welche Handlungsoptionen stehen der zur Verfügung?



Was können die Unternehmen selbst aus ihrer Sicht denn gegen die Knappheit von Arbeitskräften tun?



Falls es ihn also doch gibt: Wie reagieren die Unternehmer denn auf den Fachkräftemangel? Warten Sie eher auf Initiativen der Politik oder ergreifen sie selbst das Heft des Handelns?



Wie definieren Sie überhaupt den Begriff Fachkraft? Und nach welcher Art von Fachkraft besteht ein Mangel?

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