Atomausstieg: Weltenergierat: Deutsche Energiewende kommt später

Atomausstieg: Weltenergierat: Deutsche Energiewende kommt später

von Henning Krumrey

Kein Experte rechnet damit, dass die Bundesrepublik die Energiewende wie geplant schafft. Das zeigt eine Umfrage des Weltenergierates.

Das geballte Urteil internationaler Fachleute ist eindeutig: Die Bundesregierung wird die Energiewende samt Ausstieg aus der Kernkraft nicht wie geplant schaffen. Das ergibt eine Umfrage des Weltenergierates unter seinen Mitgliedern in 21 Ländern. Danach rechnet kein Experte damit, dass Deutschland die selbst gesteckten Ziele in angestrebter Zeit erreicht. Die Bundesregierung will bis 2022 alle Atomkraftwerke abschalten und gleichzeitig den Kohlendioxid-Ausstoß stark reduzieren, etwa indem erneuerbare Energien ausgebaut werden und Haushalte den Verbrauch senken. Zwei Drittel der Spezialisten erwarten immerhin, dass die Wende teilweise gelingt. Knapp 30 Prozent gehen davon aus, dass der Plan komplett erfüllt wird, aber mit Verspätung. Der Weltenergierat ist ein Zusammenschluss von Fachleuten aus Unternehmen, Wissenschaft, Umweltorganisationen und Verwaltung.

Die Befragten können sich auch nicht vorstellen, dass ihr Heimatland die deutsche Energiepolitik vollständig übernimmt. Nur bei einigen ausgewählten Bausteinen des Konzepts kann die Bundesregierung als Vorbild dienen. Knapp zwei Drittel der Befragten halten einzelne Elemente für übertragbar. Am häufigsten nennen sie den Ausbau erneuerbarer Energien und Schritte, um den Kohlendioxidausstoß zu reduzieren. So werden die Zeiten für Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) wenig rosig – auch nicht für seine Nachfolger, die das Programm anschieben müssen, so die Meinung der Fachleute. Drei Viertel rechnen damit, dass die Wirtschaftskraft der Bundesrepublik bis zum Jahr 2020 unter der Energiewende leiden wird. 48 Prozent sehen gar eine langfristige Schwächung. Nur ein Drittel schätzt, dass Deutschland gestärkt aus dem Umbau der Stromversorgung hervorgeht.

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Deutschland kein Vorbild

Je näher die Länder zu Deutschland liegen, desto eher befürchten deren Experten Auswirkungen aufs eigene Land. 62 Prozent sehen die Versorgungssicherheit gefährdet. 71 Prozent glauben, dass der Energiepreis daheim steigen wird, wobei jeweils rund ein Viertel der Befragten eine Verteuerung um bis zu zehn beziehungsweise zwischen 10 und 20 Prozent einkalkuliert. Einige Länder prognostizieren sogar massive Preissteigerungen von mehr als 20 Prozent. Mit sinkenden Kosten rechnet niemand.

So verwundert es nicht, dass für 81 Prozent der deutsche Weg nicht als Vorbild für die weltweite Energieversorgung der Zukunft taugt. Nur 38 Prozent gestehen zu, dass die ökonomischen und technischen Voraussetzungen in ihrer Heimat vorliegen, um der Bundesrepublik folgen zu können. Allerdings glaubt auch nur die Hälfte, dass Deutschland sein Ziel zur CO2-Minderung bis zum Jahr 2020 wie geplant erreichen wird.

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