Audi-Betriebsrat Mosch: Digitales Beben

GastbeitragAudi-Betriebsrat Mosch: Das digitale Beben erschüttert unsere Gesellschaft

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Peter Mosch ist Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats bei Audi.

Dass Angela Merkel erst 2013 ihr ganz persönliches „Neuland“ – das Internet – entdeckte, brachte ihr herbe Kritik ein. Viel schlimmer aber ist, dass die Politik das gesellschaftliche Beben, das mit der Digitalisierung einhergeht, sträflich vernachlässigt.

Die Kanzlerin und ihre Berater seien zu spät auf den technologischen Wandel eingegangen, hätten es versäumt, zur rechten Zeit die wirtschaftlichen Weichen für die Zukunft zu stellen. Klar, es gibt auch heute noch in Sachen Netzökonomie viel nachzuholen. Weil sich die deutsche Wirtschaft seit der Jahrtausendwende jedoch blendend geschlagen hat – erinnert sei nur an das Wiedererstarkens nach dem wirtschaftlichen Beben 2009 – können wir diese Kritik erst mal in die politische Mottenkiste packen.

Was jedoch offensichtlich nicht erkannt wurde und bis heute ausgeblendet wird, ist das gesellschaftliche Beben, das mit der Digitalisierung und dem technologischen Medienwandel einhergeht. Und das mit fatalen Folgen. Egal, wohin wir schauen, ob auf unser Land, auf Europa oder über den „großen Teich“ – das Beben wird immer stärker spürbar, bringt selbst unser globales Wirtschaftssystem ins Wanken.

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Die aufkeimende Isolationspolitik zeigt bereits deutlich erste Ausschläge. Und während sich hierzulande Politiker die Haare raufen und sich scheinbar verzweifelt auf die Suche nach den Ursachen der allgemeinen Unzufriedenheit begeben, rasen „Twitter-Trump“ und Co. Schlagzeile um Schlagzeile auf und davon.

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Die Digitalisierung befeuert Konflikte zwischen Jung und Alt. Damit die Zusammenarbeit funktioniert, braucht es vor allem eins: Übersetzer.

Quelle: dpa

Und hier liegt vielleicht des „Googles“-Kern. Mittels (sozialer) Medien – ja sie verdienen diese Klammer mehr als alles andere – krempeln Politikneulinge unser Gesellschaftsgefüge und unsere Werte um. Mit 140 Zeichen-Parolen geben sie vielen Menschen eine vermeintliche Orientierung. Gestandene Politiker hingegen scheuen das Glatteis dieses Merkel‘schen Neulandes und bewegen sich nicht. Und hier liegt die eigentliche Gefahr.

Ein Blick in die Geschichte – erst recht im Reformationsjahr – zeigt deutlich: Technologische Disruptionen, vor über 500 Jahren waren es Druckerpressen mit beweglichen Bleilettern, beschleunigen Gesellschaftsprozesse enorm. Der Blick in den historischen Rückspiegel zeigt aber auch: Eingefahrene Regierungen können mit dem rasanten Tempo meist nicht Schritt halten. Anfängliches Chaos kann die Folge sein. Die andauernden Diskussionen um „Fake-News“ und „alternative Fakten“ machen es deutlich. Um dagegenzuhalten, um die Werte unserer Demokratie, unserer sozialen Wirtschaft und mit ihr Arbeitsplätze zu schützen und zu sichern, braucht es seitens der Politik aber mehr als einen Twitter-Account und mehr als einen Facebook-Auftritt.

Es braucht dringend ein grundlegendes Verständnis für die digitale Demokratie. Ein Verständnis für die neuen Formen der Kommunikation, die neuen Formen des Miteinanders. Dazu muss die Politik aufhören, ziellos auf ihrem Neuland zu wandeln und Verführern das Feld zu überlassen. Dazu muss sie – aber auch wir alle – endlich Digitalisierung in Summe begreifen. Und zwar nicht als reinen Wirtschaftsfaktor sondern als eine Reformation der Gesellschaft. Tun wir das jetzt, können wir die Chancen der Digitalisierung für mehr Meinungsfreiheit, Mit- und Selbstbestimmung sinnvoll nutzen. Tun wir es nicht, opfern wir unsere wertvolle Demokratie und unser soziales Wirtschaftssystem.

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