Aufschwung: Deutschland kommt stark aus der Krise

Aufschwung: Deutschland kommt stark aus der Krise

von Christian Ramthun, Malte Fischer und Max Haerder

Deutschlands Unternehmen kommen gestärkt aus der Krise. Die Gewinne und Umsätze steigen, die Substanz stimmt. Viele Betriebe haben in den schlechten Zeiten sogar Eigenkapital gebildet und in ihre Zukunft investiert.

Deutschland, ein Sommermärchen. Ob Adidas, Daimler oder Siemens, ob BASF, Linde oder sogar Infineon, deutsche Unternehmen melden für das erste Halbjahr 2010 Mega-Umsätze und Traum-Renditen. Von den chemischen Grundstoffen über die Automobilindustrie bis hin zum überwiegend mittelständisch strukturierten Maschinenbau registrieren die Unternehmen eine wahre Auftragsflut. Selbst die konservativ-zurückhaltende „Börsen-Zeitung“ konstatiert „Partylaune“.

Made in Germany strahlt wieder. Nur wenige Monate nach der schwersten Finanz- und Wirtschaftskrise seit 80 Jahren erlebt die deutsche Wirtschaft mehr als eine bloße Scheinblüte. In den guten Unternehmensergebnissen spiegelt sich solide Substanz.

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Eigenkapitalquoten deutscher Unternehmen

Eine Analyse der Bilanzen führender deutscher Unternehmen zeigt: Das Eigenkapital aller 30 Top-Unternehmen, die im Deutschen Aktienindex Dax gelistet sind, lag am Ende des ersten Quartals 2010 mit 524 Milliarden Euro um zwölf Prozent über dem entsprechenden Vorjahreswert. Selbst gegenüber dem Stand von März 2008, also vor der Krise, ergibt sich ein Zuwachs um drei Prozent. „Ein starkes, überraschendes Ergebnis“, staunt Thomas Reifert von der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Deloitte, die für die WirtschaftsWoche exklusiv die Kapitalstrukturen der Dax- und der 50 MDax-Unternehmen analysierte (siehe Tabellen auf dieser und nächster Seite).

Was ist das Geheimnis dieses Erfolgs? Es ist ein nachhaltiger Mix aus Kostensenkung, Kapitalzufuhr und Investitionen in Köpfe und Know-how. Anders als früher haben die Unternehmen in der jüngsten Krise – auch dank Kurzarbeit – Mitarbeiter auf Vorrat gehalten und können jetzt, wo die Konjunktur anspringt, ihre Kräfte voll ausspielen.

Eigenkapital und Eigenkapitalquote der Dax-Unternehmen

Eigenkapital und Eigenkapitalquote der Dax-Unternehmen

Dazu haben sie nicht an Innovationen gespart. Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung blieben im Krisenjahr 2009 stabil bei 57 Milliarden Euro. „Man darf in der Krise alles kürzen, nur nicht die Blutzufuhr zum Kopf“, erklärt Matthias Wissmann, Präsident des Verbands der Automobilindustrie, das antizyklische Verhalten seiner von der Krise besonders gebeutelten Branche. 

Deutschland, noch vor wenigen Jahren als „kranker Mann Europas“ belächelt, strotzt vor Kraft. „Wir sind so stark wie 2008, aber viel stärker als andere Länder“, jubelt der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther. Und es ist ausgerechnet die Old Economy, die häufig schon abgeschriebene klassische Industrie, deren Erzeugnisse vor allem in Asien und Lateinamerika gefragt sind und die den Exportmotor antreiben. Kein Wunder, dass sich die Investoren an der Börse von deutschen Aktien eine besondere Rendite versprechen.

Zeitarbeit wiedere hat das Vorkrisenniveau

Kamen sonst nach Krisen die USA schneller und kraftvoller auf die Beine als Deutschland, ist es jetzt umgekehrt. In der weltweit größten Wirtschaftsmacht liegt die Arbeitslosigkeit bei fast zehn Prozent – für Amerikaner eine traumatisch hohe Zahl. In Deutschland dagegen brummt der Arbeitsmarkt, seit die Unternehmen wieder Fahrt aufgenommen haben. Die Arbeitslosenquote sank von früher üblichen 10,0 auf 7,6 Prozent im Juli. Auch die Zeitarbeit – unentbehrlicher Puffer in der Krise – hat das Vorkrisenniveau wieder erreicht.

Natürlich profitieren die deutschen Unternehmen davon, dass die globale Wirtschaft so schnell wieder angesprungen ist. Die Sorge, dem Absturz könne eine lange Phase schwachen Wachstums folgen, ist verflogen. Es geht wieder aufwärts! Zudem profitierte die Wirtschaft vom Krisenmanagement der Bundesregierung. Berlin legte zwei Konjunkturprogramme über mehr als 100 Milliarden Euro auf, zahlte umstrittene Abwrackprämien, senkte vorübergehend die Sozialbeitragslast und nahm dafür eine Rekordverschuldung im Staatshaushalt hin. Auch die Gewerkschaften spielten mit und nahmen in Tausenden Unternehmen Arbeitszeit- und Lohnkürzungen hin.

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