Auktionen: Bund macht Druck bei Mobilfunkfrequenzen

Auktionen: Bund macht Druck bei Mobilfunkfrequenzen

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Zwei Männer arbeiten an einem Mobilfunkmast. Im kommenden Jahr werden wichtige Frequenzen versteigert.

2015 kommen bei der Bundesnetzagentur wichtige Frequenzen unter den Hammer. Nicht alle sind glücklich mit dem geplanten Verfahren.

Die legendäre UMTS-Frequenzauktion im Jahr 2000 ist den deutschen Mobilfunkern noch gut in Erinnerung: Umgerechnet mehr als 50 Milliarden Euro landeten im Topf von Bundesfinanzminister Hans Eichel. Ganz so wird es wohl voraussichtlich im April nicht kommen, wenn sich die Spezialisten von Telekom, Vodafone und Telefonica Deutschland (O2) in den Räumen der Bundesnetzagentur in Mainz voneinander getrennt einschließen lassen. Konkurrenten sehen den ehemaligen Staatskonzern Deutsche Telekom bei der Auktion im Vorteil.

Die Regulierungsbehörde plant bisher, neben der Wiederversteigerung von Ende 2016 auslaufenden Lizenzen auch neue Frequenzen an den Meistbietenden zu vergeben. Darunter solche um 700 Megahertz (MHz), auf denen derzeit noch das digitale Fernsehen DVB-T sendet. Das Frequenzspektrum bietet hohe Reichweiten für die Versorgung auf dem Land. Am Donnerstag einigten sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten darauf, dass die Erlöse der Frequenzen-Versteigerung je zur Hälfte an den Bund und die Länder gehen sollen.

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Telefonica hält die Auktion aber insgesamt für unnötig. Die Bundesnetzagentur habe eine Frequenzknappheit nicht hinreichend begründet, heißt es in einem Papier der Münchner. Am liebsten würden sich die Konzerne die Auktion gleich ganz sparen. Die Ausgaben für Lizenzen schmälern nach ihrer Ansicht die Investitionen in die Funktürme. „Je teurer die Auktion, umso später kommt die Infrastruktur, von der der Kunde auch etwas hat“, sagt etwa Telekom-Chef Tim Höttges.

Zahlen und Fakten zum Mobilfunk-Markt

  • Rund eine Milliarde...

    Smartphones wurden im vergangenen Jahr weltweit verkauft. Bei den genauen Zahlen gehen die großen IT-Marktforscher etwas auseinander: IDC kam auf etwa 1,001 Milliarden Computer-Handys und Gartner auf knapp 968 Millionen. Die Differenz geht vor allem auf unterschiedliche Schätzungen zum Absatz von Geräten mit dem Google-Betriebssystem Android zurück.

  • 82 Prozent...

    beträgt der Anteil der Smartphones in Deutschland, schätzt der Branchenverband Bitkom. Am Umsatz mit Handy-Verkäufen dürften die Smartphones in Deutschland sogar 97 Prozent ausmachen.

  • 78 Prozent...

    betrug der laut Marktforschern der Anteil der Software Android weltweit. Damit ist die Google-Software ist mit Abstand das meistverkaufte Smartphone-System.

  • 300 Millionen...

    Smartphones hat Samsung laut Gartner im vergangenen Jahr verkauft. Damit setzt der südkoreanische Konzern weltweit die meisten Computer-Handys ab. Samsung hält einen Marktanteil von 31 Prozent.

  • 150 Millionen...

    Smartphones verkaufte hingegen Apple, die Nummer zwei im Geschäft. Damit kommt der kalifornische Konzern auf einen Marktanteil von gut 15 Prozent. Da die iPhones aber deutlich teurer sind als die durchschnittlichen Telefone der Konkurrenz, bringen sie höhere Gewinne. Experten schätzen, dass ein Löwenanteil der Hersteller-Profite bei Apple landet.

  • Drei Prozent...

    Marktanteil hält Microsofts Windows Phone neben der Dominanz von Android und Apples iOS. Smartphone-Pionier Blackberry rutschte auf nur noch 0,6 Prozent ab, wie IDC ermittelte.

Nun soll man aber mit viel Geld um Lizenzen rangeln. Bei den neuen Frequenzen um 700 MHz könnte das zwar schnell vorbei sein, weil das Spektrum in sechs Häppchen unter den Hammer kommen soll - bei drei großen Anbietern liegt ein Ergebnis auf der Hand. Bei der Wiederversteigerung von 900-MHz-Frequenzen könnte es aber interessant werden. Aufgrund der angebotenen Portionsgröße wird mancher Anbieter hinterher mehr und mindestens einer weniger haben als bisher. Zudem hätten Telekom und Telefonica gerne, dass die Regulierer in einem höheren Frequenzbereich bei 1800 MHz mehr anbieten als geplant.

Dobrindt will in Festnetz investieren

Die Unternehmen äußern sich zu ihren konkreten Ersteigerungsabsichten auch aus rechtlichen Gründen nicht - schnell würden sie in den Verdacht unerlaubter Absprache geraten. Für Verstimmung könnte sorgen, dass Telefonica Deutschland seine Größe nach der Fusion mit E-Plus mittlerweile auch bei der Politik in die Waagschale wirft.

Seit Wochen trommeln Telefonica-Lobbyisten in Berlin gegen die ihrer Meinung nach fragwürdige Verwendung der Erlöse aus den Mobilfunkauktionen. Der fürs Internet mitverantwortliche Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) will das Geld nämlich auch nutzen, um Investitionen in schnelle Festnetzleitungen anzukurbeln. Der Bund ist mittelbar mit knapp einem Drittel der größte T-Aktionär. Aus dem Ministerium von Dobrindt verlautet derweil, dass die Förderung nicht an bestimmte Technologien gekoppelt sein soll, auch nicht solche, die bevorzugt von der Deutschen Telekom eingesetzt werden. Neben Glasfaserleitungen könnten auch WLAN-Hotspots dazu beitragen, die Breitband-Versorgung zu verbessern.

Doch auch der Verband der Telekom-Wettbewerber VATM macht Stimmung. Geschäftsführer Jürgen Grützner wettert, die Förderung des Breitbandausbaus komme vor allem der Telekom zugute, die meisten Ausbauprojekte landeten letztlich beim Festnetzprimus. „Im Mobilfunk müssen Wettbewerber gegen die Telekom bestehen, die von der Förderung des Festnetz-Breitbandausbaus nichts haben - das ist eine massive Schieflage“, argumentiert er.

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Die Befürchtung der Kritiker ist: Fließen die Gebote der Telekom in Form von Fördermitteln am Ende ohnehin an sie zurück, dann könnten die Experten der Telekom versucht sein, die Wettbewerber in der Aussicht darauf auszubooten. Die Telekom will das Argument nicht gelten lassen. Jeder Bieter müsse sich vor der Auktion den eigenen Bedarf überlegen und demzufolge Gebote abgeben, sagt ein Telekom-Sprecher. Die Vorwürfe seien ziemlich absurd.

Telefonica Deutschland steht unter Zugzwang. Der Konzern muss als Folge der Fusion einige nicht zurückersteigerte Frequenzen schon Ende 2015 und nicht erst Ende 2016 zurückgeben. Den Münchenern bleibt damit nach der Auktion nur etwas mehr als ein halbes Jahr Zeit, Kunden reibungslos in andere Bereiche ihres Netzes zu verschieben - für die Ingenieure durchaus anspruchsvoll.

Hinzu kommt, dass die ersteigerten Frequenzen bereits Tage nach der Auktion bezahlt werden sollen, aber erst ab 2017 Umsatz abwerfen. O2 hat den Kunden mit der Fusion das „beste digitale Netzerlebnis“ versprochen. Auf der anderen Seite erwarten Investoren durch das Zusammenlegen der Netze milliardenschwere Einsparungen.

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