Ausbildung: Deutschland initiiert europäischen Pisa-Test für Lehrlinge

Ausbildung: Deutschland initiiert europäischen Pisa-Test für Lehrlinge

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Lehrllinge bei Volkswagen. Bald soll es den Pisa-Test auch für Lehrlinge geben

Das Bundesbildungsministerium will wissen, wo die deutschen Lehrlinge im internationalen Vergleich stehen. Dazu will das Ministerium im Herbst einen Test nach Vorbild der Pisa-Studie ins Leben rufen. Die OECD zeigt sich interessiert.

Nach den Schülern sind die Auszubildenden dran: Das Bundesbildungsministerium plant einen internationalen Pisa-Test für Lehrlinge. Auf deutsche Initiative hin haben sich schon acht europäische Staaten zusammengeschlossen, um die Qualität ihrer beruflichen Ausbildungen zu überprüfen. „Unser Ziel ist, dass die Länder voneinander lernen können“, sagt Andreas Storm, parlamentarischer Staatssekretär im Bildungsministerium, „und wir Qualifikationen aus unterschiedlichen Systemen erstmals inhaltlich vergleichbar machen.“

Internationale Experten behandeln die berufliche Bildung bislang eher stiefmütterlich. Seit Jahren debattiert die Fachwelt stattdessen über die Pisa-Schulstudie, im Fokus stehen auch immer wieder die Zahl der Studienanfänger oder -abschlüsse, also rein quantitative Aussagen.

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Bei dem neuen Projekt geht es darum, zu ermitteln, was Azubis in ihrem Arbeitsalltag tatsächlich können. Dazu sollen sie am Ende ihrer Ausbildung und drei bis vier Jahre danach geprüft werden. Starten wird das Projekt in den Berufen Kfz-Mechatroniker, Industriekaufmann, Altenpfleger und Elektroniker für Betriebs- und Gebäudetechnik beziehungsweise Automatisierungstechnik.

Wissenschaftler entwickeln derzeit Methoden, wie die Berufseinsteiger in den unterschiedlichen Ländern unter vergleichbaren Bedingungen getestet werden können. „Die Aufgaben sind wesentlich komplexer als bei der Schul-Pisa-Untersuchung“, sagt Martin Baethge vom Soziologischen Forschungsinstitut an der Georg-August-Universität Göttingen, der das Bildungsministerium berät. Die Experten stehen vor der Herausforderung, trotz teilweise sehr unterschiedlicher Ausbildungsinhalte ein faires Prüfverfahren zu erstellen.

Baethges Team entwickelte in den vergangenen Monaten Tests, in denen die Berufsanfänger per Computer-Simulation geprüft werden. In einem virtuellen Büro oder einer virtuellen Autowerkstatt müssen sie alltägliche Aufgaben erfüllen. „Wir haben nachgewiesen, dass diese Tests sehr aussagefähig sind“, sagt der Forscher, „nun prüfen wir, ob die Methode auch auf andere Länder übertragbar ist.“

Von einem Pisa-Test für Azubis erhofft sich das Bildungsministerium Rückschlüsse darüber, welche Ausbildungssysteme für welche Berufe besonders geeignet sind. „Wir Deutsche können von einer solchen Studie nur profitieren“, sagt Staatssekretär Storm, „der Vergleich ermöglicht uns Einsichten, was gut funktioniert und was nicht.“ Die Ergebnisse sollen auch bei der grenzüberschreitenden Anerkennung von Berufsabschlüssen helfen. Derzeit geht es oft nach rein formalen Kriterien, Deutschland entstehen dabei häufig Nachteile. Denn für viele Berufe, die hier in dualer Ausbildung erlernt werden, existieren in anderen Ländern Fachhochschul-Studiengänge, was jedoch nichts darüber aussagt, ob die Absolventen dort mehr können. „Wir wollen den Stellenwert der beruflichen Bildung sichtbarer machen“, sagt Storm.

Die EU und auch die OECD, die die Pisa-Schulstudie durchführt, zeigen bereits großes Interessen an der neuen internationalen Initiative. Am 1. Juli stimmen sich die acht bisher interessierten Länder ab, Ende dieses Jahres kann die europäische Ausschreibung für das Projekt starten. Ergebnisse liegen voraussichtlich im Jahr 2013 vor. Neben Deutschland beteiligen sich Schweden, Norwegen, Dänemark, Finnland, Österreich, die Schweiz und Slowenien.

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