
Ob der Minister mit solchen Reparaturprogrammen auf Dauer viel bewirken kann, ist umstritten. Vor allem der Ausbildungsbonus steht in der Kritik. Die Bundesvereinigung Deutscher Arbeitgeberverbände (BDA) und der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) befürchten Mitnahmeeffekte, weil nach jetzigem Stand auch das Einstellen guter Abgänger ohne Vermittlungshemmnisse gefördert wird. Man müsse sich jedoch auf echte „Problemfälle“ beschränken, auf Jugendliche, die „lernbeeinträchtigt oder sozial benachteiligt“ sind, und die ohne den Ausbildungsbonus keinerlei Chancen auf dem Ausbildungsmarkt hätten.
Viele Experten sind ohnehin der Ansicht, dass man nicht die Symptome, sondern vielmehr die Ursachen bekämpfen sollte. Denn die Reparaturen sind vergleichsweise teuer: Allein die Bundesagentur für Arbeit bietet eine Reihe von Nachqualifizierungsmaßnahmen an, die die Beitragszahler im vergangenen Jahr 349 Millionen Euro kosteten. Dieses Geld wäre nach Ansicht des Präsidenten des Bundesinstituts für Berufsbildung, Manfred Kremer, in den Schulen besser investiert. Jeder Euro, den Schulen zusätzlich bekommen, würde „erheblich mehr bringen als alle Nachschulungen“. Eine Umfrage des Allensbach-Instituts ergab, dass die meisten Arbeitgeber, Lehrer und Sozialarbeiter eine bessere schulische Qualifikation der Jugendlichen für essenziell halten.
Doch dafür brauchen die Schulen mehr Geld. Daher verlangt Ulrich Thöne, Vorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, eine Erhöhung der Bildungsausgaben. Zwischen 1995 und 2006 sank der Anteil des Bildungsetats am Bruttoinlandsprodukt von 6,9 auf 6,2 Prozent. Deutschland liegt damit unter dem OECD-Durchschnitt. Thöne fordert eine Aufstockung auf mindestens sieben Prozent und „erheblich mehr“ Lehrkräfte für den frühkindlichen Bereich und die Schulen.
Nicht nur die Qualität, sondern auch die Quantität der Bewerber ist ein Problem. Es gibt künftig immer weniger Schulabgänger und ihre Zahl wird in der nächsten Jahren weiter sinken. Nach Schätzung der Kultusministerkonferenz sinkt die Zahl der Schulabgänger bis 2020 um fast 20 Prozent, davon im Westen um 12 und im Osten um 40 Prozent.
Wie sich das konkret auswirkt, zeigt der Fall der Bäckerei Dreißig im brandenburgischen Guben nahe der polnischen Grenze. Händeringend werden Bewerber gesucht. „Wir würden auch einen mit einer Vier in Mathe nehmen“, sagt Markus Dreißig, Betriebsleiter Produktion der Großbäckerei mit 100 Filialen. In der Vergangenheit waren im Juni alle Ausbildungsplätze besetzt, für 2008 sind noch 15 von 20 Stellen frei. Dreißig hat sogar 10.000 Flyer verteilen lassen. Vergebens: „Wir haben nach dieser Aktion keine einzige Bewerbung erhalten.“ Das Problem hätten sehr viele Lebensmittelbetriebe in Ostdeutschland, weiß der Bäckermeister. Erstens seien die Berufe nicht sehr angesehen, sagt Dreißig. Zweitens ziehe es viele Jugendliche in den Westen. Neben dem besseren Image sind höhere Löhne oft ein überzeugendes Argument.

Im Kampf um die besten Schulabgänger haben westdeutsche Betriebe die besseren Karten. Am besten stehen die großen Konzerne da. Sie gelten als die attraktivsten Ausbilder, die ihrem Nachwuchs hervorragende Aufstiegschancen bieten und üppige Gehälter zahlen. Tatsächlich: Eine Umfrage der WirtschaftsWoche unter den Dax-30-Unternehmen ergab, dass die meisten Konzerne ihre Lehrstellen besetzen können. Einige stellen heute sogar mehr Auszubildende ein als noch vor wenigen Jahren.
Doch auch die Großen spüren einen zunehmenden Konkurrenzdruck. Deshalb sind beispielsweise bei Daimler im vergangenen Jahr einige Stellen unbesetzt geblieben. „Das ist uns vorher noch nie passiert“, sagt Daimler-Sprecherin Marina Raptis.
Schlecht für die Unternehmen, gut für die Bewerber. Sie haben die freie Wahl und taktieren oft bis kurz vor Toresschluss. Doch manche Unternehmen haben dafür wenig Verständnis. „Das ist absolut asozial“, schimpft Heidi Ranck, Geschäftsführerin des Hörgeräteakustikers Flemming & Klingbeil aus Berlin. Manche ihrer Kandidaten sagen ab, weil sie im Nachrückverfahren einen Studienplatz bekommen. „Dann ist die Anmeldefrist für die Berufsschule meistens schon abgelaufen, und ich kann die Stellen nicht mehr nachbesetzen.“ Auch Ranck musste in den vergangenen fünf Jahren die Zahl ihrer Ausbildungsplätze von zwölf auf sechs reduzieren. Ranck: „Alle Hörgeräteakustiker würden mehr Azubis einstellen, wenn sie nur geeignete bekommen würden.“














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Alle Kommentare lesen22.07.2008, 17:59 UhrAnonymer Benutzer: Sovereign
der Markt wirds schon richten....man erntet was man sät
Mir kann niemand erzählen, dass bei 100 bewerbungen und mehr kein geeigneter Kandidat für eine Ausbildung dabei ist. Die Experten in den Personalabteilungen sollen mal weiter Rechtschreibfehler in bewerbungen zählen...vielleicht das einzige, das diese bürokraten können.
Zur info: Nicht jeder bewerber ist ein High Potential.....aber auch nur wenige Unternehmen sind Porsche...
Herrscht bewerberüberschuss müssen auch gute Kandidaten in "scheiß" Unternehmen arbeiten....herrscht bewerbermangel müssen gute Firmen auf "under-performer" zurückgreifen...Folge unserer Wirtschaftsordnung, die sich Marktwirtschaft nennt.....Man hat nur Anspruch auf Qualität, wenn man den Preis für Qualität zahlen will.
12.07.2008, 14:25 UhrAnonymer Benutzer: Melanie Gatzke
Und wieder einmal, erst wenn das Problem da ist , merkt man es.
Das man ohne Lernen, Fleiß und Strebsamkeit keinen goldenen Löffel erreichen kann, das weiß man doch seit ewigen Zeiten.
Wieder mal hat eine ganze Gruppe versagt-- die Gruppe der Lehrer -Erzieher und Eltern. Auch das sah man seit Jahren kommen.
Was man getan hat, nutzte nichts, was tun müsste will man nicht.
Was in diesem bereich versäumt wurde ist schlicht und einfach Dummheit und Fehleinschätzung auf ganzer Linie-.
Man muß es nicht erst bestätigt bekommen, dass ohne Lernen kein Wissen, keine Ausbildungsreife, keine Studienreife keine Lebensfähigkeit kommt.
Alle haben wieder mal geschlafen. Jetzt schiebt jeder dem anderen die Schuld zu.
Schuld sind alle, die Erwachsenen- weil sie nicht das "Notwendige" gefordert haben---aber in einem machbaren Rahmen-
die Schüler , weil sie zu faul waren zum Lernen, weil sie nicht begreifen, dass sie einzig und allein für ihr eigenes Leben, für ihre eigene Existen lernen.
Alle haben ihnen das durchgehen lassen..Das arme Kindchen--- hat es ja so schwer.
in Zukunft wird es genaus dieses Kindchen noch viel schwerer haben.
Haben wir der Jugend damit einen Gefallen getan?
NEiN; MiT SiCHERHEiT NiCHT:
Das nachzuholen ist schwierig. Nur der betroffene selbst kann sich endlich aufraffen und zur besinnung kommen , statt gammeln, Party und Komasaufen.
Die Politik ist ratlos , sie tragen den größten Teil der Verantwortung. Sie haben das Desater mit herbeigeführt, aber reparieren können sie es nicht, dazu sind sie ebenfalls zu dumm.
Das einzige was sie bieten, sind Vorschläge , die seit Jahren nicht nützen, aber immer wieder aufgewärmt werden.
alle wollten alles superschlau machen und landeten in grandioser Leistungsverweigerung und Lernunfähigkeit der Nachwachsenden .
Gratulation an die bildungsminister!
11.07.2008, 14:30 UhrAnonymer Benutzer: IBeJustMe
@derAL:
Nun. ich wiederrum habe die Schule während der Pubertät nicht geschwänzt, ebensowenig kann ich mich daran erinnern dass meine Mitschüler dieß getan haben. Von einigen Ausnahmen abgesehen die das damals schon "kalt" fanden. Aber die Ausnahmen von damals Grüße ich heute recht freundlich wenn sie um 18Uhr mit einer bieflasche volltrunken auf den Stufen zum Eingangsbereich der Sozialstation sitzen. ich muss schon sagen, es ist wirklich "kalt" sich bildung nicht anzutun.