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Ausbildung: Kampf um Nachwuchs: Viele Lehrstellen bleiben unbesetzt

von Katharina Sekareva und Christian Ramthun (Berlin)

Die Zahl der Ausbildungsverträge steigt auf Rekordhöhe. Trotzdem bleiben noch viele Lehrstellen unbesetzt, weil Bewerber zu schlecht ausgebildet sind.

Bäckerei-Betriebsleiter Dreißig Quelle: Hans Scherhaufer für WirtschaftsWoche
Bäckerei-Betriebsleiter Dreißig: Bewerber händeringend gesucht Quelle: Hans Scherhaufer für WirtschaftsWoche

Es sind Bewerbungen, bei denen Personaler fassungslos die Hände über den Kopf schlagen: Bis zu fünf Rechtschreibfehler in einem Satz, schlechte Noten für soziales Verhalten und eine Ausdrucksweise, die nicht erkennen lässt, was der Autor eigentlich kann und will. Solche Schreiben bekommt Thomas Büdel, Geschäftsführer des Elektroinstallationsbetriebs Hinkel + Sohn in Frankfurt, immer häufiger. Daher hat sein Betrieb auch immer weniger Auszubildende. Ob er dieses Jahr überhaupt neue Lehrlinge bekommt, weiß der Handwerker noch nicht, obwohl das Ausbildungsjahr in wenigen Wochen beginnen wird.

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Hinkel + Sohn ist kein Einzelfall. Auch Bäcker Markus Dreißig aus Brandenburg sucht vergebens nach Azubis. Die Banken- und Versicherungsbranche sowie das Gastgewerbe tun sich laut einer Studie des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) bei der Bewerbersuche ebenfalls schwer. Verantwortlich ist nicht nur die mangelnde Ausbildungsfähigkeit des Nachwuchses, sondern auch die steigende Nachfrage nach Auszubildenden. Wegen der guten Konjunktur suchen die Unternehmen mehr Nachwuchs. 2007 stieg die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge um 8,6 Prozent auf 625 914. In diesem Jahr registrierten allein die Industrie- und Handelskammern bis Ende Juni gegenüber dem entsprechendem Vorjahreszeitpunkt einen weiteren Anstieg um 7,1 Prozent auf 187 126; in den alten Bundesländern kam es zu einem Zuwachs um 8,0 Prozent, in Ostdeutschland noch zu einem Plus von 1,1 Prozent.

Otto Kentzler, Präsident der Handwerkskammern, verkündet dass „die Zahl der Neuverträge im Juni 2008 das hohe Niveau des Vorjahres erreicht“. Dabei verzeichnen die Handwerkskammern in Westdeutschland eine leichte Steigerung, in den neuen Bundesländern liegt die Zahl dagegen trotz steigenden Ausbildungsplatzangebotes niedriger. Kentzler: „Insgesamt ist das Handwerk zuversichtlich, auch 2008 seine hohe Ausbildungsquote von zehn Prozent realisieren zu können.“

Unter dem Strich, wenn sich der bisherige Trend in Industrie, Handel und Handwerk fortsetzt, „gibt es in diesem Jahr einen neuen Rekord bei den abgeschlossenen Ausbildungsverträgen“, prognostiziert DIHK-Präsident Ludwig Georg Braun.

Die Lage am Ausbildungsmarkt hat sich damit dramatisch gewandelt. Wollten die Gewerkschaften noch vor einem Jahr die Wirtschaft per Ausbildungsplatzabgabe zwingen, mehr Lehrstellen zur Verfügung zu stellen, so sind diese Stimmen jetzt verstummt. Vielmehr ist ein Kampf um den Nachwuchs entbrannt. „Wir hören von immer mehr Unternehmen“, sagt Braun, „dass sie Ausbildungsplätze nicht mehr » besetzen können.“ Da es an ausreichend geeigneten Bewerbern mangelt und immer noch viele Stellen frei sind, appelliert Braun an „die Altbewerber, die bislang nicht zum Zug gekommen sind, ihre Chance zu suchen und sich jetzt zu bewerben“.

In der Wirtschaft und insbesondere im Handwerk wächst nun die Sorge, nicht mehr genügend Nachwuchs rekrutieren zu können. In den neuen Bundesländern „schlagen viele unserer Betriebe Alarm“, so ZDH-Generalsekretär Hanns-Eberhard Schleyer.

Starker Rückgang
Starker Rückgang: Schulabgänger und -absolventen in Deutschland

Das Handwerk leidet unter seinem wenig attraktiven Image im Vergleich zu großen Unternehmen, aber auch an den zum Teil verheerenden schulischen Leistungen der Jugendlichen an Haupt- und Realschulen. Auf die schwer vermittelbaren Schulabgänger konzentrieren sich auch die politischen Bemühungen.

Nach dem jüngsten Bildungsbericht der Kultusministerkonferenz bekommt jeder zweite Hauptschüler nach seinem Schulabgang keinen Ausbildungsplatz. Für die rund 76.000 Jugendlichen, die jedes Jahr die Schule ohne Abschluss verlassen, sieht es noch schlechter aus. Nur 20 Prozent von ihnen haben eine Chance auf eine Lehrstelle.

Für diese Problemgruppen hat Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD) jetzt einen Ausbildungsbonus ersonnen. 4000 bis 6000 Euro bekommen Betriebe, die einen Jugendlichen „mit Vermittlungshemmnissen“ ausbilden, also jemanden, der seit einem Jahr vergeblich einen Ausbildungsplatz sucht. Der Bund verspricht sich vom Ausbildungsbonus bis zu 100.000 Zusatz-Lehrstellen bis zum Jahr 2010.

Parallel dazu startet bald an 1000 Schulen ein Pilotprojekt, das förderungsbedürftige Jugendliche auf das Leben nach der Schule vorbereiten soll. Dabei sollen Sozialarbeiter die schwachen Schüler gezielt fördern. Sie beraten und unterstützen die Kandidaten von der Berufsorientierung über die Bewerbungsphase bis ins erste Ausbildungsjahr. Das rund 450 Millionen Euro teure Programm soll aus den Überschüssen der Bundesagentur für Arbeit finanziert werden.

17 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 22.07.2008, 17:59 UhrAnonymer Benutzer: Sovereign

    der Markt wirds schon richten....man erntet was man sät

    Mir kann niemand erzählen, dass bei 100 bewerbungen und mehr kein geeigneter Kandidat für eine Ausbildung dabei ist. Die Experten in den Personalabteilungen sollen mal weiter Rechtschreibfehler in bewerbungen zählen...vielleicht das einzige, das diese bürokraten können.

    Zur info: Nicht jeder bewerber ist ein High Potential.....aber auch nur wenige Unternehmen sind Porsche...

    Herrscht bewerberüberschuss müssen auch gute Kandidaten in "scheiß" Unternehmen arbeiten....herrscht bewerbermangel müssen gute Firmen auf "under-performer" zurückgreifen...Folge unserer Wirtschaftsordnung, die sich Marktwirtschaft nennt.....Man hat nur Anspruch auf Qualität, wenn man den Preis für Qualität zahlen will.

  • 12.07.2008, 14:25 UhrAnonymer Benutzer: Melanie Gatzke

    Und wieder einmal, erst wenn das Problem da ist , merkt man es.
    Das man ohne Lernen, Fleiß und Strebsamkeit keinen goldenen Löffel erreichen kann, das weiß man doch seit ewigen Zeiten.
    Wieder mal hat eine ganze Gruppe versagt-- die Gruppe der Lehrer -Erzieher und Eltern. Auch das sah man seit Jahren kommen.
    Was man getan hat, nutzte nichts, was tun müsste will man nicht.
    Was in diesem bereich versäumt wurde ist schlicht und einfach Dummheit und Fehleinschätzung auf ganzer Linie-.
    Man muß es nicht erst bestätigt bekommen, dass ohne Lernen kein Wissen, keine Ausbildungsreife, keine Studienreife keine Lebensfähigkeit kommt.
    Alle haben wieder mal geschlafen. Jetzt schiebt jeder dem anderen die Schuld zu.
    Schuld sind alle, die Erwachsenen- weil sie nicht das "Notwendige" gefordert haben---aber in einem machbaren Rahmen-
    die Schüler , weil sie zu faul waren zum Lernen, weil sie nicht begreifen, dass sie einzig und allein für ihr eigenes Leben, für ihre eigene Existen lernen.
    Alle haben ihnen das durchgehen lassen..Das arme Kindchen--- hat es ja so schwer.
    in Zukunft wird es genaus dieses Kindchen noch viel schwerer haben.
    Haben wir der Jugend damit einen Gefallen getan?
    NEiN; MiT SiCHERHEiT NiCHT:
    Das nachzuholen ist schwierig. Nur der betroffene selbst kann sich endlich aufraffen und zur besinnung kommen , statt gammeln, Party und Komasaufen.
    Die Politik ist ratlos , sie tragen den größten Teil der Verantwortung. Sie haben das Desater mit herbeigeführt, aber reparieren können sie es nicht, dazu sind sie ebenfalls zu dumm.
    Das einzige was sie bieten, sind Vorschläge , die seit Jahren nicht nützen, aber immer wieder aufgewärmt werden.
    alle wollten alles superschlau machen und landeten in grandioser Leistungsverweigerung und Lernunfähigkeit der Nachwachsenden .
    Gratulation an die bildungsminister!

  • 11.07.2008, 14:30 UhrAnonymer Benutzer: IBeJustMe

    @derAL:
    Nun. ich wiederrum habe die Schule während der Pubertät nicht geschwänzt, ebensowenig kann ich mich daran erinnern dass meine Mitschüler dieß getan haben. Von einigen Ausnahmen abgesehen die das damals schon "kalt" fanden. Aber die Ausnahmen von damals Grüße ich heute recht freundlich wenn sie um 18Uhr mit einer bieflasche volltrunken auf den Stufen zum Eingangsbereich der Sozialstation sitzen. ich muss schon sagen, es ist wirklich "kalt" sich bildung nicht anzutun.

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