Außenpolitik: Seitenhiebe im Weltsaal

Außenpolitik: Seitenhiebe im Weltsaal

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Bundesaußenminister Guido Westerwelle und Deutsche-Bank-Co-Vorstandschef Anshu Jain bei der Abschluss-Konferenz der deutschen Auslands-Botschafter.

von Florian Willershausen

Diese Woche treffen sich die deutschen Botschafter in Berlin. Am Dienstag begrüßten sie rund 1000 Unternehmer zum Wirtschaftstag. Das Rekord-Interesse zeigt, wie stark die Wirtschaft heutzutage auf politischen Flankenschutz angewiesen ist.

Am Schluss war Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) stolz auf seine Leute – fast ein bisschen zu stolz: Stargast Anshu Jain war tatsächlich erschienen zum Antrittsbesuch im politischen Berlin, trotz des Streiks der Lufthansa-Stewardessen. Der smarte Top-Manager ist seit Juni Co-Vorsitzender der Deutschen Bank, sein Terminkalender prall gefüllt, der Mann ist wahrlich schwer zu kriegen.

Als Person passt Jain wie kein anderer Manager zur Jahrestagung der Botschafter, die diese Woche das Auswärtige Amt beschäftigt. Westerwelle schwärmte eingangs von einem Weltenbürger par excellence: „Geboren in Indien, ausgebildet in Amerika, aufgestiegen in London und jetzt Co-Chef der Deutschen Bank.“ Solche Typen mag man im polyglotten Diplomatenkorps – wenn er bloß kein Banker wäre.

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Quelle: David Payr für WirtschaftsWoche

Vor ein paar Jahren hätte sich kein Chef der Deutschen Bank zur Botschaftertagung verirrt. Und bei der Veranstaltung selbst gab es zweifellos einige Diplomaten, die skeptisch sind ob der Anwesenheit des Investmentbankers Jain. Dessen Zunft macht manch einer für jene Finanzkrisen verantwortlich, deren Folgen das Weltbild der Diplomaten gründlich rütteln und schütteln. Seit die Krise tobt, fällt Diplomatie ungleich schwerer, weil plötzlich selbstbewusste Schwellenländer mit autoritären Neigungen das westliche Werte- und Wirtschaftssystem offen in Frage stellen.

Entsprechend kleine Brötchen buk Deutschbanker Jain: „Wir müssen zeigen, dass die Krise unsere Bankenkultur verändert hat“, raspelte der 49-Jährige Süßholz und versprach: „Es ist unsere Aufgabe die Deutsche Bank so effizient zu führen, dass sie nicht zur Belastung für den Steuerzahler.“ Diplomatischer kann ein Banker kaum klingen. Gleichwohl erklärt er, die Krise sei nicht allein die Schuld der Finanzbranche – und auch der Politik könne etwas mehr Finanzsachverstand nur nutzen. Ein Seitenhieb, der im Weltsaal des Amts am Werder‘schen Markt sehr wohl verstanden wird.

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