Autobahnen: Baustellen schlafen trotz Sanierungsbedarf

ThemaMobilität

Autobahnen: Baustellen schlafen trotz Sanierungsbedarf

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Zahlreiche Baustellen machen Deutschlands Straßen zur Stauhölle.

von Timo Stukenberg

Deutschland, das Land der Autobahnen? Das war einmal. Jeder fünfte Autobahnkilometer ist sanierungsbedürftig. Doch statt flotter Sanierung sorgt Stillstand auf den Baustellen für mehr Stau als nötig.

Auf 1500 Kilometer Autobahn kommen 354 Baustellen, meldete der europäische Automobilclub kürzlich. Staus in Deutschland sind schlimmer als in Italien, berichtete das amerikanische Verkehrsforschungsinstitut INRIX in einer 2012 veröffentlichten Studie. Die Folge: entnervte Autofahrer und hohe Kosten für die deutsche Wirtschaft.

Stauforscher Michael Schreckenberg von der Universität Duisburg-Essen rechnet vor, dass drei Stunden Stau auf einer 4 Kilometer langen, zweispurigen Autobahnstrecke den deutschen Steuerzahler rund 100.000 Euro kosten. Nun ist jeder fünfte deutsche Autobahnkilometer sanierungsbedürftig. Ohne Baustelle keine Sanierung. Doch warum bewegt sich auf so vielen Autobahnbaustellen nichts?

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Fehlender Wettbewerb bei Auftragsvergabe

Kostenexplosion bei Straßenbauprojekten

  • Bayern

    Projekte: 33

    Geplante Kosten: 1570 Mio. Euro

    Mehrkosten: 911 Mio. Euro

    Tatsächliche Kosten: 2481 Mio. Euro

    Veränderung: +58 Prozent

  • Bremen

    Projekte: 1

    Geplante Kosten: 157 Mio. Euro

    Mehrkosten: 87 Mio. Euro

    Tatsächliche Kosten: 244 Mio. Euro

    Veränderung: +55 Prozent

  • Hessen

    Projekte: 16

    Geplante Kosten: 1361 Mio. Euro

    Mehrkosten: 599 Mio. Euro

    Tatsächliche Kosten: 1960 Mio. Euro

    Veränderung: +44 Prozent

  • Sachsen-Anhalt

    Projekte: 15

    Geplante Kosten: 467 Mio. Euro

    Mehrkosten: 182 Mio. Euro

    Tatsächliche Kosten: 649 Mio. Euro

    Veränderung: +39 Prozent

  • Baden-Württemberg

    Projekte: 14

    Geplante Kosten: 899 Mio. Euro

    Mehrkosten: 342 Mio. Euro

    Tatsächliche Kosten: 1241 Mio. Euro

    Veränderung: +38 Prozent

  • Rheinland-Pfalz

    Projekte: 14

    Geplante Kosten: 460 Mio. Euro

    Mehrkosten: 170 Mio. Euro

    Tatsächliche Kosten: 630 Mio. Euro

    Veränderung: +37 Prozent

  • Niedersachsen

    Projekte: 22

    Geplante Kosten: 862 Mio. Euro

    Mehrkosten: 302 Mio. Euro

    Tatsächliche Kosten: 1164 Mio. Euro

    Veränderung: +35 Prozent

  • Thüringen

    Projekte: 19

    Geplante Kosten: 1770 Mio. Euro

    Mehrkosten: 584 Mio. Euro

    Tatsächliche Kosten: 2354 Mio. Euro

    Veränderung: + 33 Prozent

  • Nordrhein-Westfalen

    Projekte: 38

    Geplante Kosten: 2205 Mio. Euro

    Mehrkosten: 662 Mio. Euro

    Tatsächliche Kosten: 2867 Mio. Euro

    Veränderung: +30 Prozent

  • Berlin

    Projekte: 2

    Geplante Kosten: 372 Mio. Euro

    Mehrkosten: 112 Mio. Euro

    Tatsächliche Kosten: 484 Mio. Euro

    Veränderung: +30 Prozent

  • Sachsen

    Projekte: 20

    Geplante Kosten: 982 Mio. Euro

    Mehrkosten: 275 Mio. Euro

    Tatsächliche Kosten: 1257 Mio. Euro

    Veränderung: +28 Prozent

  • Schleswig-Holstein

    Projekte: 2

    Geplante Kosten: 138 Mio. Euro

    Mehrkosten: 39 Mio. Euro

    Tatsächliche Kosten: 177 Mio. Euro

    Veränderung: +28 Prozent

  • Brandenburg

    Projekte: 12

    Geplante Kosten: 347 Mio. Euro

    Mehrkosten: 94 Mio. Euro

    Tatsächliche Kosten: 441 Mio. Euro

    Veränderung: +27 Prozent

  • Saarland

    Projekte: 2

    Geplante Kosten: 66 Mio. Euro

    Mehrkosten: 16 Mio. Euro

    Tatsächliche Kosten: 82 Mio. Euro

    Veränderung: +24 Prozent

  • Hamburg

    Projekte: 3

    Geplante Kosten: 611 Mio. Euro

    Mehrkosten: 135 Mio. Euro

    Tatsächliche Kosten: 746 Mio. Euro

    Veränderung: +22 Prozent

  • Mecklenburg-Vorpommern

    Projekte: 1

    Geplante Kosten: 93 Mio. Euro

    Mehrkosten: 20 Mio. Euro

    Tatsächliche Kosten: 113 Mio. Euro

    Veränderung: +22 Prozent

Für Bernhard Steinauer vom Institut für Straßenwesen in Aachen liegt das Problem auf der Hand. „Es gibt keinen Wettbewerb bei der Auftragsvergabe“, sagt er. Die zuständigen Landesbehörden seien dazu verpflichtet, für Autobahnsanierungen jeweils den billigsten Auftragnehmer zu verpflichten. Die Entscheidung werde über den Preis getroffen, sagt Steinauer.

Die benötigte Bauzeit sei von den Behörden vorgegeben. Und die seien dabei oft zu großzügig.

„Die Bundesländer geben keine straffen Bauzeiten“, bestätigt auch ein Sprecher des Bundesverkehrsministeriums. Die Folge: Baustellen halten den Verkehr länger als notwendig auf. Das Ministerium sah sich deshalb veranlasst, den Ländern einen Leitfaden für die Auftragsvergabe und einen Bauzeitenkatalog zu schicken – mit gemischtem Erfolg, wie der Sprecher berichtet.

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