Axel Weber: Auf nach Chicago

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Scheidender Bundesbank-Präsident Axel Weber

von Elke Pickartz

Der scheidende Bundesbankpräsident Axel Weber zieht eine selbstbewusste Bilanz seiner Amtszeit, nicht ohne ein paar letzte Seitenhiebe auszuteilen. Jetzt will er erst mal raus aus Deutschland und ein Jahr an der renommierten Chicago Universität forschen.

Es war seine letzte Pressekonferenz als Chef der Bundesbank nach dem übereilten Rücktritt vor wenigen Wochen  – doch von Wehmut, Unsicherheit oder gar Selbstkritik keine Spur. Axel Weber, der am heutigen Dienstag seinen 54. Geburtstag feierte, übte sich in demonstrativer Gelassenheit. "Ich bereue keinen Tag, an dem ich in den letzten sieben Jahren Geldpolitik mitgestalten durfte", sagte er. Mit seinen Positionen sei er angeeckt, doch das sehe er nicht als Manko: "Man darf eine Meinung haben, selbst wenn sie niemand teilt", sagte er. „Es gibt viel zu wenige, die für ihre Überzeugung in die Politik gehen.“ Weber nahm auch an diesem Dienstag kein Blatt vor den Mund.

Nun also Chicago. Er freue sich schon sehr darauf, ab Juni ein Jahr an der renommierten Universität zu forschen, sagte Weber. Das passt – denn Chicago steht für vieles, wofür auch Weber steht: Eine harte, allzeit stabilitätsorientierte Geldpolitik, die frühzeitige Inflationsbekämpfung zu ihrem Mantra erhebt und zugleich auf die Macht der freien Märkte setzt. Chicago steht für Überzeugungstäter wie den weltberühmten Ökonom und Monetaristen Milton Friedman, die sich in ihrer Haltung nicht beirren lassen – komme was da wolle. Die "Chicago Boys" lassen sich nicht verbiegen, auch wenn in der Finanzkrise nun die Flexibilität hochgehalten wird.

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Die Stabilitätskultur der Europäischen Zentralbank sieht Weber durch seinen Weggang jedoch nicht gefährdet, betont er. Geldpolitische Stabilität hänge nicht an einer Person, sondern sie werde durch die EZB als Institution garantiert. "Das war so, das ist so und das wird so sein." Doch einen Atemzug wenig später warnt er davor, dass die EZB aufpassen müsse, Finanzstabilität nicht zu Lasten der Preisstabilität zu betreiben. Erneut sprach er sich gegen Ankäufe von Staatsanleihen durch Zentralbanken und Rettungsschirm aus. Weber nahm auch hier kein Blatt vor den Mund.

Bundesbankgewinn hat sich halbiert

Wie heikel die Lage ist, zeigen die enorm gestiegenen Risikorückstellungen der Bundesbank. 1,6 Milliarden Euro wurden 2010 zur Seite gelegt, um mögliche Ausfälle bei Geschäften mit Staatsanleihen und am Geldmarkt abzusichern. Weitere 3,2 Milliarden Euro sollen in den nächsten beiden Jahren folgen. In diesem Jahr hat sich dadurch der Gewinn, den die Bundesbank an Finanzminister Schäuble abführt, schon um knapp die Hälfte auf 2,2 Milliarden Euro reduziert. In den kommenden Jahren dürfte es nicht besser aussehen. Die Risiken, die sich die europäischen Zentralbanken im Zuge der Finanzkrise auf ihre Bilanzen geladen haben, wandeln sich nun in handfeste Kosten für den deutschen Steuerzahler um.

Weber wird dies alles bald nicht mehr kümmern müssen. Nun also erst einmal Chicago – und dann? Vielleicht doch der Chefsessel der Deutschen Bank? Nichts will er grundsätzlich ausschließen, er habe ja noch 15 Jahre Berufsleben vor sich. Im Zweifelsfall geht er wieder zur Uni Köln, die ihn für den Bundesbankjob acht Jahre beurlaubt hatte. Mehr will er nicht sagen. "Chicago ist eine tolle Stadt. Ich werde dort die amerikanischen Zeitungen lesen und sie können dann hier spekulieren wie sie wollen."

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