Baden-Württemberg: Der riskante Umbau nach grünem Vorbild

Baden-Württemberg: Der riskante Umbau nach grünem Vorbild

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Solaranlage

Grüne und SPD wollen das Industrieland zum ökologischen Musterländle umbauen. Vorbild sind grüne Hochburgen wie Freiburg und Tübingen. Doch kann man mit grünen Ideen tatsächlich schwarze Zahlen schreiben?

Es erinnert ein wenig an die Zeit der ruhmreichen Sowjetrepublik. Damals wurde jede Tonne Getreide zum Sieg des Sozialismus erklärt. Heute dient jede Tonne CO2-Einsparung der ökologischen Planerfüllung. Also rücken Freiburgs Oberbürgermeister Dieter Salomon samt Umweltbürgermeisterin Gerda Stuchlik (beide Grüne) höchstpersönlich an, um eine geschenkte Solaranlage für die „Bundeshauptstadt im Klimaschutz“ in Betrieb zu nehmen. Die liefert zwar selbst bei kräftigem Sonnenschein nur 30 Kilowatt Strom, und die damit erreichte Vermeidung von 17 Tonnen Kohlendioxid entspricht gerade mal der Emission von zwei Bundesbürgern im Jahr – doch in Freiburg ficht das niemanden an. Schließlich werde man „damit zur treibenden Kraft der Energiewende“, verkündet das grüne Stadtoberhaupt. Was zählt, ist das Ziel – und die Symbolik.

Davon verstehen die grünen Stadtchefs etwas. Neben Salomon ist das vor allem Boris Palmer, der für sein Universitätsbiotop am Neckar den Slogan „Tübingen macht blau“ vermarktet. Die beiden Oberbürgermeister sind Speerspitze einer grünen Bewegung, die nach 58 Jahren die Bastion der CDU geschleift, ihren Ministerpräsidenten Stefan Mappus aus dem Amt gescheucht und mit Winfried Kretschmann den ersten grünen Ministerpräsidenten an die Macht befördert hat.

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In ihren Refugien stellen die Grünen die stärkste Kraft im Stadtparlament und die Direktkandidaten für den Landtag. Sie verfügen mit dem Französischen Viertel in Tübingen und dem edleren Quartier Vauban in Freiburg über behaglich-alternative „Dörfer im städtischen Umfeld“ (Parteienforscher Franz Walter), in denen die Grünen mitunter über 70 Prozent der Stimmen holen und Wähler der CDU oder FDP unter Minderheitenschutz gestellt werden müssten. Hier, in den ökologischen Mustersiedlungen mit Solardach und Bioladen um die Ecke, ist man unter sich. Meist Akademiker, verdient gutes Geld im öffentlichen Dienst oder hat im subventionierten Kulturbetrieb eine Nische gefunden.

Handzahmer Juniorpartner

„Der einzige Arbeiter, der in diesem Viertel je gesehen wurde, ist der Sozialarbeiter“, beschreibt der Spott die Wirklichkeit. Die multikulturelle Gesellschaft wird geehrt, doch nicht gelebt. Ausländer, gar schlecht integrierte Bürger mit Migrationshintergrund, sind deutlich unterrepräsentiert und betreiben vornehmlich die mediterran angehauchte Gastronomie. Zur Selbstkritik gehört die Klage über die grünen Spießer, die Politologe Walter als „mental konservativ“ einordnet. Das erleichterte den Grünen im schwarzen Südwesten den Aufstieg zur Volkspartei. Die CDU dagegen ist in den Universitätsstädten zum handzahmen Juniorpartner geschrumpft.

Eher kleinlaut gestehen Freiburger und Tübinger ein, dass ihr grünes Lebensgefühl auch deswegen prächtig gedeiht, weil andere für den finanziellen Zufluss sorgen. Seinen Niederschlag findet das ökonomische Problem unter anderem im aktuellen Strategiepapier der Freiburger Wirtschaftsförderung: „Da die Stadt Freiburg aufgrund niedriger Steuerkraft zu einem erheblichen Anteil von Finanzzuweisungen des Landes abhängig ist, ist die Sicherung und Steigerung der Gewerbesteuereinnahmen ein erklärtes Ziel.“

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