Baden-Württemberg: Kretschmann in der Auto-Falle

KommentarBaden-Württemberg: Kretschmann in der Auto-Falle

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Der designierte baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann

Die Kritik des designierten Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann an der baden-württembergischen Autoindustrie ist berechtigt. Neue CO2-Werte geben ihm Recht: Daimler hinkt BMW und Audi hinterher. Ein Kommentar von Martin Seiwert.

Ach, Herr Kretschmann, was ist die Auto-Falle doch eine feine Sache für uns Journalisten. Kostet nicht viel Gehirnschmalz, klappt aber fast immer. Falls Sie es nicht wussten – die Masche geht so: Ein Journalist fragt einen grün gesonnenen Politiker irgendwas Ketzerisches zum Thema Auto. Zum Beispiel, ob der Sprit wegen des Klimawandels nicht eher teurer als billiger sein sollte. Der Politiker lässt sich dazu hinreißen, über die Vorzüge hoher Spritpreise für Mensch und Umwelt zu schwadronieren. Der Aufreger ist perfekt, Deutschland bebt. Den Journalisten freut’s, der Politiker jedoch reibt sich die Augen ob der gewaltigen Empörung, die er mit seinem Angriff aufs heilige Blechle ausgelöst hat.

Die Auto-Falle funktioniert immer

Erinnern Sie sich an den einstigen Bundespräsidenten Horst Köhler, für den die Auto-Falle der Anfang vom Ende im Amt war (Bild: „Schock-Forderung von Bundespräsident Präsident Horst Köhler! Er spricht sich für höhere Sprit-Preise aus, damit wir weniger Auto fahren“)?  Oder an CSU-Chef Horst Seehofer, dessen jüngster Maut-Vorstoß von der ersten Sekunde an zum Scheitern verurteilt war (Bild: „Seehofer ist wild entschlossen, die Autofahrer mit einer Pkw-Maut zu drangsalieren. Die freche Begründung: Irgendwo müsse zusätzliches Geld für den Straßenbau herkommen“)?

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Nun also Sie, Herr Kretschmann. „Haue von allen Seiten für Kretschmann“ müssen Sie heute bei Bild.de über sich lesen, weil Sie in einem Interview gesagt haben: „Weniger Autos sind natürlich besser als mehr.“ Es wäre damit endgültig bewiesen: Die Auto-Falle funktioniert. Wahlweise mit Tempolimit, Benzin-Preis, Pkw-Maut, Dieselsteuern, Produktionszahlen oder wahrscheinlich auch mit Auto-Farben („Schock-Forderung: Verkehrsminister will wegen der Sicherheit schwarze Autos verbieten“).

Herr Kretschmann, kleiner Tipp für die Zukunft: Probieren Sie es bei so heiklen Themen doch mal mit nüchternen Fakten. Als designierter Ministerpräsident den Autobauern im eigenen Land weniger Verkäufe zu wünschen, ist wirklich schräg. Lassen Sie lieber Zahlen sprechen. In einer Zeit, in der sich alle Autobauer über ihre Erfolge beim Spritsparen definieren, wäre zum Beispiel ein Blick in die CO2-Statistik des Marktforschers Jato Dynamics eine gute Idee gewesen.

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