Barbara Hendricks auf Sommerreise: Es wird noch heißer...

Barbara Hendricks auf Sommerreise: Es wird noch heißer...

, aktualisiert 26. August 2016, 11:38 Uhr
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Bundesumweltministerin Barbara Hendricks: Bis zur Mitte des Jahrhunderts kann durch den Klimawandel im Süden Ostdeutschlands und im Rheintal die Anzahl der heißen Tage pro Jahr von heute acht bis zwölf auf 15 bis 25 Tage ansteigen.

von Silke KerstingQuelle:Handelsblatt Online

Zwei Themen hat Bundesumweltministerin Barbara Hendricks während ihrer Sommerreise besonders im Fokus: das Thema Klimawandel und den Wohnungsbau. Die Hitzebelastung wird auch in Deutschland zunehmen, was also ist zu tun?

BerlinBarbara Hendricks ist pragmatisch. Warum sollten keine Wasserhähne im Außenbereich angebracht werden können? „Es geht doch gar nicht um Trinkwasser, sondern um Gießwasser“, sagt die Bundesumweltministerin. Gießwasser, um Bäume und Pflanzen von Anwohnern im Berliner Brunnenviertel bewässern zu können. Vertreter der kommunalen Wohnungsbaugesellschaft „degewo“ beharren dagegen darauf, es drohten Legionellen, Außenzapfanlagen seien deshalb verboten. Für Hendricks unverständlich: Es gebe im Stadtgebiet doch auch Trinkwasserbrunnen. Also warum nicht auch für Gießwasser?

Hendricks pragmatisch, Hendricks vor Ort: die Ministerin befindet sich auf ihrer traditionellen Sommerreise. An diesem Donnerstag und Freitag geht es vor allem um das sperrige Thema Klimawandel und Wohnungsbau. Als die sieben- und achtgeschossigen Wohnblöcke des Berliner Brunnenviertels in den 1970/80er Jahren gebaut wurden, dachte so gut wie niemand an den Klimawandel, an die zunehmende Zahl heißer Tage, wo Schatten eigentlich unabdingbar wäre, Spielplätze aber in der prallen Sonne stehen.

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Das ändert sich seit einiger Zeit, gefördert vom Ministerium, also mit öffentlichem Geld. Unabhängig davon, dass die Erderwärmung ein internationales Problem ist und auch international angegangen werden muss, für Hendricks ist klar: Klimaanpassungsstrategien müssen vor Ort entwickelt werden.

Das Projekt „KiezKlima“ etwa soll das Brunnenviertel in Berlins Mitte, ein sozial eher schwieriges Quartier, fit für den Klimawandel machen. Klimawandel, ein sperriges Wort, mit dem die Bewohner nicht wirklich etwas anfangen können. Aber eigentlich heißt es nichts anderes als die Lebensqualität in den großen Innenhöfen vor allem an heißen Sommertagen wie diesen zu erhöhen, durch Baumpflanzungen, Grünflächen, Fassaden- und Dachbegrünung, Markisen, Wasserspender – das alles wird gerade geprüft.

Schließlich belasten die Hitzewellen zunehmend die Gesundheit der Menschen in den Ballungsgebieten, weil die enge Bebauung zu einem Wärme-Insel-Effekt von bis zu zehn Grad Temperaturunterschied zwischen Stadt und Umland führt.


Die Reise geht weiter

Bis zur Mitte des Jahrhunderts kann durch den Klimawandel im Süden Ostdeutschlands und im Rheintal die Anzahl der heißen Tage pro Jahr von heute acht bis zwölf auf 15 bis 25 Tage ansteigen, heißt es im Ministerium. Vereinzelt seien sogar 40 bis 50 heiße Tage, das sind Tage mit mehr als 30 Grad, möglich. Beispiel Berlin: Hier herrschen bislang noch durchschnittlich an gerade einmal zehn Tagen im Jahr mehr als 30 Grad. Diese Zahl, so die Erwartung, könnte sich in den nächsten Jahrzehnten auf mehr als 30 Tage erhöhen.

Und die enge Bebauung, die Verdichtung der Städte wird sich fortsetzen. In Großstädten wie Berlin steigt der Bedarf an Wohnraum. Deshalb geht es für Hendricks heute hoch hinauf, in die 26. Etage eines Hochhauses der Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte (WBM) am Platz der Vereinten Nationen, gleich gegenüber vom Volkspark Friedrichshain. Von hier oben ist der Blick auf potenziellen Wohnraum im nahen Stadtgebiet frei: per Aufstockung bestehender Gebäude will die WBM neuen Wohnraum schaffen.

Vor allem im Visier: Der 40 bis 90 Meter lange viergeschossige DDR-Plattenbautyp Q3A, der um drei Etagen aufgestockt werden soll. Das sind bei der WBM zwar nur 298 Wohnungen mehr – bei jetzt 392 Wohnungen, die die Gesellschaft im Q3A hat. Insgesamt gibt es in Berlin aber knapp 30.000 Wohnungen dieses Plattenbautyps – das Potenzial ist also um ein Vielfaches höher, sollten sich andere Wohnungsbaugesellschaften dieser Idee von Nachverdichtung anschließen. Für Hendricks eine feine Sache: „Wir brauchen keine zusätzliche Versiegelung, es muss kein teures Grundstück erworben werden und selbst die bisherigen Mieter profitieren, weil sie künftig einen Aufzug haben werden.“

Und so geht die Reise weiter, nach Potsdam, in die Gartenstadt Drewitz, eine ehemals graue, heruntergekommene Plattenbausiedlung, sozialer Brennpunkt. Per Kraftakt und Fördergelder haben die brandenburgische Landeshauptstadt und das städtische Wohnungsunternehmen Gewoba/Pro Potsdam die schlimmste Tristesse bereits beseitigt: die mehrspurige Ausfallstraße wurde zurückgebaut, aus der Konrad-Wolf-Allee wurde der Konrad-Wolf-Park, wo man sich auch bei Hitze gut aufhalten kann. Die ersten Wohnblöcke wurden modernisiert, die marode Stadtteilschule saniert. Man sehe „noch nicht überall, dass man in einer Gartenstadt ist“, sagt Hendricks, aber immerhin, der Anfang ist geschafft.

Quelle:  Handelsblatt Online
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