Bargeld in der Kulturgeschichte: Kein Bank Run ohne Bares

Bargeld in der Kulturgeschichte: Kein Bank Run ohne Bares

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Die Abschaffung des Bargelds steht weiter in der Kritik.

von Dieter Schnaas

Die Abschaffung des Bargelds käme einem Ende unseres Vertrauens in die marktwirtschaftliche Grundordnung gleich. Geld wäre nur ein Kredit auf Widerruf.

Merkwürdig, dass sich die Freunde des Bargelds dieser Tage ständig auf Fjodor Dostojewski berufen. Sicher, der russische Romancier ist mit dem hübschen Satz „Geld ist geprägte Freiheit“ in unseren Zitate-Fibeln verewigt. Aber natürlich hat Dostojewski das ganz trivial gemeint. Dostojewski ging mit Geld um, als sei es purer Unsinn; er hatte stets zu viel und zu wenig davon, aber niemals genug, weil er jeden Rubel verschwendete.

Dostojewski kaufte seiner Frau Diamanten und Vasen aus sächsischem Porzellan – und verpfändete ihre Mitgift. Er flüchtete der Schulden wegen ins Ausland und ließ sich einen Mantel aus englischem Kaschmir schneidern.Er führte peinlich Buch über die Tantiemen für seine Romane und verschleuderte Unsummen beim Roulette in Bad Homburg oder Wiesbaden.

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Ob geprägt oder nicht – für Dostojewski bedeutete Geld im schlichtesten Sinne des Wortes: Freiheit, hier und jetzt, nicht mehr und nicht weniger. Ganz im Gegensatz zu Leo Tolstoi übrigens, der sein Dichterleben lang versuchte, das Wesen des Geldes zu ergründen, und dabei zu dem Schluss kam: „Geld ist (eine neue Form von) Sklaverei.“ Tolstoi, der frühalternative Ökomarxist, meinte damit die unpersönliche „Herrschaft des Geldes“ – vor allem seine koloniale Fähigkeit, in traditionelle Gesellschaften einsickern, sie seiner Anonymität und Logik unterwerfen zu können …

PremiumRettet das Bargeld! Die Abschaffung wäre barer Unsinn

Politik und Notenbanken haben dem Bargeld den Kampf angesagt. Dagegen sollten wir uns wehren - für unsere Freiheit und Privatsphäre.

Die Abschaffung des Bargelds gefährdet Freiheit und Wohlstand. Quelle: Illustration: Torsten Wolber; Fotovorlagen: LAIF, Werner Schuering, Picture Alliance-DPA, Bernhard Haselbeck

Allein: Um „Freiheit“ oder „Sklaverei“ geht es beim Kampf ums Bargeld zunächst nicht. Sondern um eine dritte Dimension des Geldes: um das Vertrauen, das es zwischen seinem Emittenten und seinen Benutzern stiftet.Man muss nur einen flüchtigen Blick auf antike und mittelalterliche Münzen werfen, um zu begreifen, dass „geprägte Freiheit“ einen Bund zwischen Königsherrschaft und Kaufmannsfreiheit schmiedet: Der Kopf des Souveräns auf der einen Seite der Münze verleiht der Zahl auf der anderen Seite Autorität und Geltung – und umgekehrt: Vom garantierten Wert der Zahl auf der einen Seite der Münze hängt der Kredit ab, den der Herrscher auf der anderen Seite bei seinen Untertanen genießt.

Es ist daher auch kein Zufall, dass die „Zahl“ in der römischen Kaiserzeit durch Personifikationen der Fürsorge (providentia), Sicherheit (securitas) und Eintracht (concordia) ergänzt wird. Die Regenten bringen mit geprägtem Silber und Gold den Glauben an stabile Verhältnisse in Umlauf. Ihr Münz-Geld ist nicht nur ein funktionales Zahlungsmittel, sondern auch eine juristische Urkunde: Ausdruck und Träger eines vertikalen Gesellschaftsvertrages zwischen Souverän und Volk.

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