Bayern: Mäuschen Huber und der CSU-Wahlkampf

Bayern: Mäuschen Huber und der CSU-Wahlkampf

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Der CSU-Vorsitzende und bayerische Finanzminister Erwin Huber

Im kleinen Kreis feierte die CSU-Landesgruppe gestern Abend in Berlin einen runden Geburtstag, doch kurz vor der bayerischen Landtagswahl war die Stimmung eher verhalten – einzig Bundeswirtschaftsminister Michael Glos war zu Scherzen aufgelegt.

Eine Hand hat er fast immer im Gesicht, mal streicht sie über das Kinn, mal massiert sie über der Nase die Stirn. Erwin Huber ist nicht ganz bei der Sache, als er den Klängen von Schubert und Mendelssohn-Bartholdy lauscht, vorgetragen von einer Sopranistin aus Bayern. Heute Abend feiert die CSU-Landesgruppe in der Landesvertretung des Freistaates in Berlin Geburtstag, Wolfgang Bötsch, früher Postminister und Chef der CSU-Landesgruppe zu Wendezeiten, hatte gerade seinen 70-sten.

Doch Erwin Huber wirkt am Vorabend der heutigen Generaldebatte im Bundestag, wo er erstmals in seiner Funktion als CSU-Vorsitzender spricht, nicht wirklich entspannt. Er weiß, dass seine Rede am morgigen Tag exakt beobachtet und auseinandergenommen werden wird – für einen, der kein großes rhetorisches Talent mitbringt, ist das eine Menge Druck. „Elefantenrunde" wird die traditionelle Generalaussprache im Bundestag zum Bundeshaushalt im Berliner Polit-Jargon genannt, weil dort die politischen Schwergewichte gegeneinander antreten. Morgen wird sich Huber mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier messen lassen müssen.

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"Mäuschen" Huber

Nicht gerade wie ein Elefant, eher wie ein Mäuschen wirkt Huber, wie er so da sitzt zwischen Verteidigungsminister Franz Josef Jung, Innenminister Wolfgang Schäuble, Bundeswirtschaftsminister Michael Glos, CDU-Fraktionschef Volker Kauder, dem ehemaligen Bundesfinanzminister Theo Waigel und vielen anderen politischen Großkopferten. Der Platz rechts neben Huber bleibt den ganzen Abend leer. Undenkbar wäre so etwas bei seinen Amtsvorgängern Edmund Stoiber oder Waigel gewesen, die sich bei einer solchen Veranstaltung in der heißen Phase des bayerischen Landtagswahlkampfes vor Kameras und Mikros hätten kaum retten können. Der „Huber-Erwin", wie er in seiner Heimat genannt wird, verdrückt ein paar Brezel, nippt an seinem Wasser und verschwindet um kurz nach 22 Uhr still und leise, „jetzt muss ich mir noch ein paar Gedanken für morgen machen", sagt er.

Eineinhalb Wochen vor der bayerischen Landtagswahl ist die Stimmung im Foyer der Landesvertretung eher verhalten. Die bayerische Traditionspartei bangt um die absolute Mehrheit und könnte erstmals seit Jahrzehnten unter die 50-Prozent-Marke fallen. „Es soll morgen eine neue Forsa-Umfrage veröffentlicht werden, die die CSU bei 50 Prozent sieht", erzählt ein CSU-Bundestagsabgeordneter – immerhin einen Prozentpunkt mehr als in den Umfragen zuvor. Und die SPD komme schließlich auch nicht voran, „die sollen immer noch bei 19 Prozent liegen." Ein anderer wiederum ist beunruhigt über das bevorstehende TV-Duell zwischen Ministerpräsident Günther Beckstein und SPD-Herausforderer Franz Maget, das am kommenden Donnerstagabend stattfinden soll. „Das kann doch nur schiefgehen, warum habt ihr euch auf so was eingelassen?", blafft er Huber an, „Stoiber oder Waigel hätten sich auf so was niemals eingelassen." Hubers Stirn wirft tiefe Falten. „Das sind heute andere Zeiten, da muss man mitmachen", sagt er, „und außerdem braucht sich der Beckstein doch vor dem Maget net zu fürchten."

Einzig Wirtschaftsminister Michael Glos ist heute abend locker aufgelegt. Er grüßt erst einmal von Helmut Kohl „die alten Halunken" und hellt mit seiner launigen Rede für seinen Parteifreund Bötsch die Stimmung etwas auf – kleine Spitzen inklusive. „Der Bötsch", erzählte er, „führte ja schon damals einen Dr. im Namen" weil er sich ja von den anderen unterscheiden hätte wollen, etwa vom Theo Waigel, dem Peter Ramsauer und von ihm selbst. „Ach ja, und vom Edmund Stoiber", fügt er grinsend hinzu, „den hab ich jetzt glatt vergessen, das kommt davon, wenn man sich nicht ans Manuskript hält." Auch Angela Merkel bekam ihr Fett ab. Bötsch sei CSU-Landesgruppenchef zu einer Zeit gewesen, als sich die CSU auch schon ordentlich mit der Schwesterpartei angelegt habe. „Aber damals war die Schwester noch ein Bruder", sagt er, „da war das noch einfacher." Als Lektüre empfahl der Bundeswirtschaftsminister, der sich auch selbst hin und wieder aufs Korn nahm, Bötschs Doktorarbeit. Sie trage einen Titel, der für Bayern aktueller den je sei: „Die verschiedenen Wege zur Ausscheidung von Splitterparteien"

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