Bayern-Wahl: CSU verliert absolute Mehrheit

Bayern-Wahl: CSU verliert absolute Mehrheit

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CSU-Chef Erwin Huber (l.) und Regierungschef Günther Beckstein

Die Landtagswahl in Bayern hat ein politisches Erdbeben verursacht: Nach fast einem halben Jahrhundert Alleinherrschaft stürzte die CSU am Sonntag unter 44 Prozent und damit noch viel tiefer als nach den Umfragen erwartet. Nach allen Hochrechnungen verlor sie nicht nur die absolute Mehrheit der Stimmen, sondern auch die der Sitze im Landtag und ist erstmals seit 46 Jahren wieder auf einen Koalitionspartner angewiesen.

Ministerpräsident Günther Beckstein bekräftigte trotz des beispiellosen Debakels die Bereitschaft zum Weitermachen. „Ich stehe für eine Koalitionsregierung zur Verfügung“, sagte der CSU-Politiker in München.

Der stellvertretende Parteichef Horst Seehofer forderte Konsequenzen aus der „Katastrophe“, stellte aber noch keine Rücktrittsforderungen. Der sichtlich angeschlagene CSU-Vorsitzende Erwin Huber kündigte eine „schonungslose Analyse“ an und verwies auf die morgige Sitzung der Parteiführung in München.

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Nach den Hochrechnungen erlitt die CSU erdrutschartige Verluste von mehr als 17 Prozentpunkten und sackte von 60,7 auf jetzt noch maximal 43,6 Prozent ab. Damit stellt sie künftig nur 87 bis 88 der insgesamt 180 Sitze im Münchner Landtag. Bisher hatte die CSU dort mit 124 Mandaten eine satte Zwei-Drittel-Mehrheit. Die SPD konnte aber nicht von den massiven Einbußen der CSU profitieren, sondern sank sogar noch von 19,6 auf 18,7 Prozent und damit ihr bisher schlechtestes Landtagswahlergebnis in Bayern.

Rücktritte bleiben zunächst aus

Jubel in Berlin: Quelle: dpa

Jubel in Berlin: FDP-Generalsekretär Dirk Niebel, der Partevorsitzende Guido Westerwelle, Cornelia Pieper und Wolfgang Gerhardt (v.l.)

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Nutznießer waren dagegen die kleinen Parteien im künftig fünf Fraktionen umfassenden Münchner Landtag. Die Freien Wähler zogen mit 10,3 Prozent erstmals in ein deutsches Landesparlament ein und wurden auch gleich drittstärkste Kraft in Bayern. Die Grünen verbesserten sich von 7,7 auf 9 Prozent. Und die FDP kehrte mit einem Zuwachs von 2,6 auf rund 8 Prozent nach 14-jähriger Abwesenheit wieder in den Landtag zurück.

Ihr Spitzenkandidat Martin Zeil bekräftigte am Sonntagabend das schon im Wahlkampf unterbreitete Gesprächsangebot über die Bildung einer CSU/FDP-Koalition.

Die Linkspartei verfehlte nach den Hochrechnungen mit etwa 4,5 Prozent den Sprung in den bayerischen Landtag.

Entgegen den Erwartungen reicht aber auch das der CSU nicht mehr zum Alleinregieren. In der Regierungspartei blieben die erwarteten Rücktritte zunächst aus. Huber sprach von einem „schwarzen Tag“ für die CSU. Sie habe ihr Wahlziel nicht erreicht, und man nehme das Votum des Wählers nicht nur zur Kenntnis, sondern werde die nötigen Schlüsse daraus ziehen. Das sei aber Aufgabe der Gremien. Dennoch stelle sich die CSU ihrer Verantwortung und habe weiterhin „das Vertrauen in die Gestaltungskraft von Günther Beckstein“.

Der Ministerpräsident selbst sprach von einer „schwierigen, schmerzlichen Entscheidung“ des Wählers. Jetzt müsse die CSU „in den sauren Apfel beißen“ und Koalitionsgespräche führen. Dabei sei die Frage, in welcher Konstellation die Partei das meiste, das sie für richtig in Bayern halte, durchsetzen könne. Als gefährdet gilt in der CSU auch die Position von Generalsekretärin Christine Haderthauer.

FDP lehnt Bündnis mit SPD ab

SPD-Spitzenkandidat Franz Quelle: dpa

SPD-Spitzenkandidat Franz Maget und seine Frau Dorothea

Bild: dpa

Bundesverbraucherminister Seehofer, der bei einem Rücktritt Hubers neuer CSU-Chef werden könnte, nannte das Wahlergebnis „sehr, sehr bitter“. Es sei klar, dass es nicht einfach so weiter gehen könne. „Es gibt Dinge, die verändert werden müssen“, sagte Seehofer, darüber werde in den nächsten Tagen gesprochen.

SPD-Spitzenkandidat Franz Maget warb für eine Koalition ohne die CSU und lud bereits die Grünen zu Gesprächen ein. Die FDP-Landesvorsitzende Sabine Leutheusser-Schnarrenberger lehnte ein rechnerisch offenbar mögliches Viererbündnis aus SPD, Freien Wählern, Grünen und Liberalen erneut ab.

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