BDI-Chef Grillo: "Wachstum auf Pump" in der EU muss aufhören

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Ulrich Grillo, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) warnt: "Das Ende des Euro würde unserer Wirtschaft massiv schaden."

von Max Haerder und Henning Krumrey

Der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, Ulrich Grillo, unterstützt die Sparpolitik der Bundesregierung zur Bekämpfung der Eurokrise.

„Wachstum auf Pump ist Wachstum ohne Wert“, sagte Grillo im Interview mit der WirtschaftsWoche. „Es ist nicht nachhaltig, wenn das Geld in den Konsum fließt. Die Währungsunion kann auf die Dauer nur mit gesunden Haushalten bestehen.“

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Trotz erster Erfolge dürften die Krisenländer jetzt nicht nachlassen.  „Wir müssen in der Tat aufpassen, dass der Reformdruck nicht abnimmt“, warnte Grillo in der WirtschaftsWoche. „Es ist gut, dass die Krisenländer ihre Reformen nicht mit dem Rücken zur Wand in blanker Panik beschließen müssen, sondern ein bisschen Luft bekommen, um die richtigen Entscheidungen zu treffen. An Reformen selbst führt kein Weg vorbei.“

Grillo warnte zudem vor den Folgen einer zerbrechenden Währungsunion: „Das Ende des Euro würde unserer Wirtschaft massiv schaden. Deshalb sollte man sehr vorsichtig sein mit dem Ruf nach der D-Mark“, sagte er.

BDI-Chef Grillo warnt vor Steuererhöhungen und den Grünen

Ulrich Grillo warnt zudem eindringlich vor höheren Steuern. „Wenn die Politik einfach nur so noch mehr Mittel aus dem Wirtschaftskreislauf zieht, wird sie diesem Land schaden“, sagte er im Interview. „Wenn in Sonntagsreden alle Politiker sagen, wie wichtig die Industrie sei, dürfen sie ihr am Montag nicht weitere Steine auf die Schultern packen.“

Vor allem die Grünen kritisiert Grillo stark:  Die Partei habe „ein Programm verabschiedet, das Unternehmen nicht stärker macht, sondern schwächer. Die grünen Steuerpläne sind gefährlich für unser Land.“ Das Programm „ist wirtschaftsfeindlich und ungerecht gegenüber der Mittelschicht“. Die geplante grüne Vermögensabgabe gehe „zulasten von Wertschöpfung und Arbeitsplätzen“, sagte er der WirtschaftsWoche. „Unsere Wettbewerbsfähigkeit ist kein Selbstläufer. Wir dürfen sie nicht leichtfertig riskieren.“

„Niemand kritisiert, wenn Herr Schweinsteiger das vielleicht 200-Fache des Platzwartes verdient.“

Im Streit um die Managerbesoldung verteidigt BDI-Präsident Ulrich Grillo die Unternehmensführer. „Man sollte nicht 17.000 Aktiengesellschaften für Ausreißer in einer Handvoll Fällen in Mithaftung nehmen“, warnte Grillo gegenüber der WirtschaftsWoche. Schon das Wort Gehaltsexzess sei eine ungerechtfertigte Wertung. „Die Bewertung der Angemessenheit der Bezüge ist Aufgabe der Eigentümer, bei einer AG also der Aktionäre – oder des Aufsichtsrats, der ihre Interessen vertritt. Das sind in der Regel sehr verantwortungsvolle Akteure und keine Kungelrunden.“

Die Höhe von Gehalt und Boni sei von außen nur schwer zu beurteilen. „Was ist denn bitte angemessen – das 23-Fache oder das 54-Fache oder das 80-Fache des Durchschnitts-Arbeitnehmers? Allein bei Bayern München gibt es mehr Spieler als Vorstände im gesamten Dax, die über zehn Millionen Euro verdienen. Da kritisiert auch niemand, wenn Herr Schweinsteiger das vielleicht 200-Fache des Platzwartes verdient.“ Ein Spitzenfußballer habe aber gegenüber dem Manager den Vorteil, dass man „dessen Leistung einfacher beurteilen kann. Tor oder kein Tor, das versteht jeder. Neid führt uns nicht weiter.“

Aufschwung kommt im Herbst

Trotz der jüngsten Anzeichen für eine Abschwächung ist BDI-Präsident Ulrich Grillo zuversichtlich für die deutsche Konjunktur. „Die deutsche Wirtschaft wird nach einem kalten Winter im zweiten Halbjahr aufdrehen“, sagte Grillo voraus. „Unsere BDI-Schätzung von 0,8 Prozent Wachstum in diesem Jahr können wir halten.“ Zwar gäbe es innerhalb Europas Schwierigkeiten, aber die Exporte würden insgesamt um 3,5 Prozent zunehmen. Außerhalb Europas gäbe es weniger Probleme. „Die USA wachsen trotz der Haushaltssperre robust, ebenso die BRIC-Staaten. Und ob China nun etwas mehr oder weniger als acht Prozent wächst, ist für unsere Ausfuhren nicht entscheidend.“ Insgesamt zeigte sich Grillo freilich nicht zufrieden: „Seien wir ehrlich: Eigentlich müssten wir mehr schaffen.“

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