_
exklusiv

Beamtenbund: "Höhere Löhne notfalls per Kredit finanzieren"

von Bert Losse

Der Vize des Beamtenbundes fordert eine kräftige Lohnerhöhung für den öffentlichen Dienst – notfalls kreditfinanziert. Ansonsten drohen ab April Warnstreiks.

Frank Stöhr Quelle: Pressebild
Frank Stöhr Quelle: Pressebild

WirtschaftsWoche: Herr Stöhr, am 9. Februar stellen die Gewerkschaften Verdi und DBB Tarifunion ihre Forderung für die Tarifrunde im öffentlichen Dienst vor. Im Gespräch ist eine Gehaltserhöhung von sechs bis sieben Prozent. Ist das Ihr Ernst?

Anzeige

Stöhr: Es gibt noch keine Entscheidung, aber die derzeitigen Diskussionen an der Basis bewegen sich in dieser Größenordnung. Bei IG Metall und IG BCE gehen die Debatten im Übrigen in die gleiche Richtung, wir sind da also in guter Gesellschaft.

Wie rechtfertigen Sie so eine Forderung?

Im Schnitt der vergangenen Jahre sind im öffentlichen Dienst – anders als in vielen Industriebereichen – die Reallöhne gesunken. Hinzu kommt ein immer dramatischerer Nachwuchsmangel. Im Wettbewerb mit privaten Arbeitgebern um Fachkräfte zieht der öffentliche Dienst zunehmend den Kürzeren. Es darf daher 2012 in keinem Fall eine erneute Reallohnsenkung für unsere Leute geben.

Die kommunalen Arbeitgeber sagen, den Fachkräftemangel gebe es nur in einigen Regionen und in wenigen Berufen.

Ich warne die Arbeitgeber davor, das Problem kleinzureden. Im öffentlichen Dienst fehlen vielerorts Informatiker, Ingenieure, Erzieher, Pflegekräfte; auch Ärzte werden immer knapper. Kaum ein Mediziner will noch bei einem kommunalen Gesundheitsamt arbeiten – weil Kliniken eben besser zahlen. Und wir wollen ja auch nicht irgendwen haben, sondern die besten Köpfe. Das ist mit den derzeitigen Bezahlstrukturen kaum möglich.

Die Kommunen könnten ja für besonders knappe Experten Zuschläge zahlen.

Das tun manche bereits, etwa im IT-Bereich. Das geschieht aber in einer rechtlichen Grauzone. Vom Tarifvertrag sind derartige Zahlungen nicht gedeckt. Ich bin daher skeptisch, ob Spezialisten-Zulagen das Problem lösen. Besser wäre es, eine neue Entgeltordnung zu beschließen, die den Beschäftigten mehr Aufstiegschancen bietet. Darüber verhandeln wir mit den Kommunen seit 2005 – bislang erfolglos.

Zu diesem Artikel
13 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 03.03.2012, 20:27 UhrAnonymer Benutzer: RDA

    Ich schlage vor, alle Beamtenpensionen auf den Durchschnitt der gesetzlichen Rente zu kürzen und einen Betriebsrentenzuschlag von 300 Euro monatlich zu zahlen. Das spart dem Staat 19 Mrd. Euro jährlich. Die Hälfte könnte der Staat den aktiven Angestellten und Beamten zukommen lassen, die andere Hälfte könnte er zum Schuldenabbau nutzen.

  • 20.01.2012, 20:46 UhrAnonymer Benutzer: JochenHofmann

    Deutschland hat ein strukturelles Problem: Besitzstandswahrung. Steuergewerkschaft, Beamtenbund, GEZ etc. etc. Kostet alles eine Menge an Kapital, welches für sinnvolle Investitionen und Innovationen folglich fehlt. Linke Sozialromantikerparteien, die uns einreden wollen, wir hätten ein Einnahmeproblem des Staates. Wir haben ein substanzielles Ausgabenproblem. Ein Einnahmeproblem haben wir höchstens in der Umsetzung der bestehenden Steuergesetze - sprich Steuerhinterziehung. Mobilität (Flexibiliät) wird viel zu hoch besteuert. Die meisten Subventionen führen nur zur Selbstbedienung einiger weniger auf Kosten der Allgemeinheit. Über sogenannte schlechte Dinge wird viel geredet, es wird aber nicht gehandelt (es könnte ja weh tun für die Begünstigten...).
    Sollte die kreditfinanzierte Gehaltserhöhung kommen, hoffe ich sehr, daß die viel (aber zu unrecht) kritisierten Ratingagenturen tätig werden und Deutschland herabstufen. Wenn wir wie China Devisenreserven von ca. 3 Billionen $ hätten, könnte man das machen, aber bei einer Verschuldung von über 2 Billionen € ist allein der Gedanke daran schon absurd.
    Was muß Griechenland gerade durchmachen? Und hier passiert genau das Gegenteil? .... kein weiterer Kommentar ....

  • 16.01.2012, 18:26 UhrWiwoWast

    nicht erwähnt wurde die Arbeitsgarantie bis zum Lebensende. Die auch gilt, wenn ein Beamter eine politische Laufbahn wählt! Nach dem Scheitern ist er nicht arbeitslos wie ein Normalbürger. Der hat einen sicheren Arbeitsplatz auch dann.
    Gerade deshalb kommen viele unserer Politiker aus dem Beamtenapparat. Aber sind das denn wirklich repräsentative Volksvertreter? Ausserdem wollen sie doch gerade die Pfründe der Beamten sichern. Der Kreis zum Artikel schließt sich damit.

Alle Kommentare lesen
weitere Fotostrecken

Blogs

Alternativen gesucht
Alternativen gesucht

Der Euro wird mit jedem Tag mehr zum Verhängnis für Europa, wirtschaftlich wie politisch. Wann endlich werden...

Das Aktuelle Heft

Wirtschaftswoche

WirtschaftsWoche 21 vom 21.05.2012

iTunes Vorschau - WirtschaftsWoche
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.