Beckstein-Nachfolge: Machtkampf in der CSU – macht Horst Seehofer das Rennen?

Beckstein-Nachfolge: Machtkampf in der CSU – macht Horst Seehofer das Rennen?

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Wenn viele Köche den Brei offenbar verderben, kann's vielleicht einer richten. Und obendrein hat der aus Oberbayern stammende Horst Seehofer schon eine Küchenschürze mit dem Schriftzug "Franken" an - das dürfte die Landsleute Becksteins vielleicht versöhnlich stimmen

Wird er's oder wird er's nicht? Eine ganze Menge Gründe sprechen dafür, dass Horst Seehofer der Nachfolger des bayerischen Ministerpräsidenten Günther Beckstein wird.

Erstens: Der Mann hat Charisma, er hat Charme. Er  kann reden, er weiß, wie man die Stimmung im Bierzelt anheizt – anders als Günther Beckstein, der zuletzt mit seiner Debatte über Biertrinken und Autofahren seinen eigenen Leuten peinlich war. Vor allem bei der CSU-Basis in Bayern ist Horst Seehofer beliebt. Er strahlt die soziale Wärme aus, die CSU-Wähler bei aller Wirtschaftsfreundlichkeit auch brauchen. Seehofer könnte die Sehnsucht der Bayern nach einer neuen Lichtgestalt – zur solchen wurde Beckstein-Vorgänger Ministerpräsident Edmund Stoiber schon kurz nach seinem unrühmlichen Abgang 2007 erhoben – erfüllen.

Zweitens: Der Mann weiß, wie Politik funktioniert. Er schaffte es 1980 zum ersten Mal als Abgeordneter in den Bundestag, wurde 1992 unter Helmut Kohl Gesundheitsminister. Er ist in Berlin bestens vernetzt, sitzt als Verbraucher- und Landwirtschaftsminister im Kabinett Merkel. Anders als Beckstein wüsste er sich auf dem Bundesparkett Gehör zu verschaffen.

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Drittens: Seehofer würde endlich wieder das Amt des Parteichefs und das Amt des Ministerpräsidenten in einer Hand vereinen. Er könnte der CSU einen klaren Kurs vorgeben und müsste, anders als Beckstein und der Noch-Parteivorsitzende Erwin Huber, jeden Satz vor den Medien erst mit dem anderen Teil des Führungstandems absprechen. Auf ein neues Tandem, bei dem der Vordermann nicht weiß, was der Hintermann macht – so wurden Beckstein und Huber oft verspottet – hat man in Bayern keine Lust.

Viertens: Der Mann ist zäh. Er hat schon einige Krisen überlebt und sich mit der Zeit ein dickes Fell zugelegt. So wurde Seehofer  in den 1990er Jahren wegen seiner Sparversuche im Gesundheitssystem zur Hassfigur der Ärzteschaft. Kaum ein Wartezimmer, in dem nicht sein Konterfei auf einem Protestplakat prangte. 2002 wäre seine Karriere fast vorbei gewesen. Seehofer wurde schwer krank und verschwand ins Privatleben. Doch einige Zeit später tauchte er jedoch wieder auf – um bald darauf in heftigen Streit mit der CDU zu geraten. Der Grund: Seehofer lehnte die von der CDU geforderte Kopfpauschale für die Krankenversicherten als unsozial ab. Die nächste Krise überstand Seehofer Anfang 2007, als er den Parteivorsitz Erwin Huber überlassen musste und gleichzeitig von einigen Medien attackiert wurde, weil er in Berlin eine heimliche jüngere Geliebte hatte, die obendrein schwanger war.

Doch es gibt auch Dinge, die gegen Horst Seehofer sprechen:

Erstens: Er stammt aus Oberbayern – das können die Franken, die auf gerechte Postenverteilung in der CSU drängen, schwer verkraften, stammt doch Beckstein aus dem fränkischen Nürnberg.

Zweitens: Er hat bisher wenig Rückhalt im bayerischen Landtag, der ihn als Ministerpräsident aber offiziell wählen müsste.

Drittens: Was Seehofer bei den einen im Bierzelt so beliebt macht, halten ihm die anderen als billigen Populismus vor. Seehofer besitzt in den Augen vieler Parteikollegen zu wenig unverrückbare Überzeugungen.

Viertens: Seehofer könnte als starker Mann im Kabinett Merkel fehlen. Der andere CSU-Minister Michael Glos gilt als blass und stand lange Zeit auf der Abschussliste.

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