Beispielrechnungen: Wie sich die Unternehmensteuerreform auswirkt

Beispielrechnungen: Wie sich die Unternehmensteuerreform auswirkt

Die Idee der Reform: Die Unternehmensteuer soll die Wirtschaft entlasten. Doch wie wirkt sich die Neuregelung wirklich aus? Der CDU-Wirtschaftsrat hat drei Beispiele berechnet.

Zinsschranke

Ein mittelständischer Maschinenbauer in der Rechtsform der GmbH, der mit seinen Tochtergesellschaften einen Konzern im Sinne der Zinsschranke bildet, erleidet infolge der Rezession einen Verlust laut Handels- und Steuerbilanz in Höhe von 20 Millionen Euro. Hierin enthalten sind Zinsaufwendungen in Höhe von 60 Millionen Euro für Bankdarlehen, Zinserträge in Höhe von 10 Millionen Euro und Abschreibungen in Höhe von zehn Millionen Euro. Die Bankfinanzierung wurde nur unter der Bedingung gewährt, dass einer der drei Gesellschafter eine Bürgschaft für die Darlehen übernimmt.

Nach den Regelungen zur Zinsschranke sind die Zinsaufwendungen in Höhe der Zinserträge (zehn Millionen Euro) und darüber hinaus nur zu 30 Prozent des steuerlichen Ebita (30 Prozent von 40 Millionen Euro = zwölf Millionen Euro) abziehbar, das heißt insgesamt 22 Millionen Euro. Die übrigen Zinsaufwendungen in Höhe von 38 Millionen Euro unterfallen dem Abzugsverbot und sind demgemäß dem Steuerbilanzverlust wieder hinzuzurechnen. Die nichtabziehbaren Zinsen müssen in spätere Veranlagungszeiträume vorgetragen werden (Zinsvortrag).

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Der steuerpflichtige "Gewinn" beträgt demnach 18 Millionen Euro. Bei einer kombinierten Ertragsteuerbelastung in Höhe von. Rund 30 Prozent (KSt, GewSt, SolZ) schuldet die Gesellschaft trotz des erlittenen Verlustes (20 Millionen Euro) Steuern in Höhe von ungefähr 5,4 Millionen Euro. Besteuert wird ein "virtueller Gewinn", der nicht der tatsächlichen Wirtschaftskraft des Maschinenbaukonzerns entspricht.

Wann der Zinsvortrag in späteren Veranlagungszeiträumen geltend gemacht werden kann, hängt maßgeblich von der weiteren Ertragskraft des Konzerns ab. Bei einer länger andauernden Krisensituation droht eine weitere Substanzbesteuerung. Reichen die Rücklagen der Gesellschaft nicht aus, um die Steuerschuld zu begleichen, muss der Fremdkapitalanteil (Bankfinanzierung) erhöht werden. Selbst wenn dies gelingt, verschärft sich die steuerliche Situation im Unternehmen weiter, weil die zusätzlichen Zinsen wiederum der Abzugsbeschränkung durch die Zinsschranke unterliegen.

Verlustabzug/Mantelkauf

Um den dargestellten negativen Folgewirkungen einer erhöhten Fremdfinanzierung zu begegnen, beschließen die Gesellschafter die Aufnahme eines Finanzinvestors in den Gesellschafterkreis. Um das Unternehmen zu retten, sind sie sogar bereit, die Mehrheit der Anteile an den Finanzinvestor zu übertragen. Mittlerweile haben sich steuerliche Verlustvorträge in Höhe von zehn Millionen Euro und ein Zinsvortrag in Höhe von 70 Millionen Euro aufgebaut. Nach der erfolgten Kapitalerhöhung entfallen auf die Altgesellschafter insgesamt 49 Prozent der Anteile, auf den Finanzinvestor 51 Prozent der Anteile. Mit Hilfe des zugeführten Eigenkapitals gelingt es, die Bankfinanzierung zum Teil zurückzuführen und Investitionen zu tätigen. Der Maschinenbauer beginnt, wieder Gewinne zu erwirtschaften. Ausschüttungen aus der Gesellschaft sind aufgrund des negativen Eigenkapitals nicht möglich. Steuerlich rechnen die Gesellschafter damit, den Zinsvortrag und den Verlustvortrag aus den zurückliegenden Krisenjahren nutzen zu können.

Dies ist allerdings nach der neuen Verlustabzugsbeschränkung nicht mehr möglich. Bei einer Übertragung von mehr als 50 Prozent der Anteile fallen bei der Gesellschaft Zinsvortrag und Verlustvortrag endgültig weg. Gleiches gilt bei einer Kapitalerhöhung, die - wie im vorliegenden Fall - zu einer entsprechenden Anteilsverschiebung führt. Dies hat vorliegend zur Folge, dass die Verluste aus den zurückliegenden Krisenjahren steuerlich nicht mehr genutzt werden können und die nun wieder erwirtschafteten Gewinne in voller Höhe der Besteuerung unterliegen. Die Substanzbesteuerung in der Totalperiode wirkt damit definitiv.

Gewerbesteuerliche Hinzurechnung

Kapitalgesellschaft Y, eine Einzelhandelskette mit 15 Filialen in Innenstadtlage, zahlt im Jahr zwei Millionen Euro Gewerberaummiete. Hiervon stellen 65 Prozent, also 1,3 Millionen Euro, den pauschalierten Finanzierungsanteil dar.

Hinzuzurechnen sind 25 Prozent des Finanzierungsanteils, soweit er den Freibetrag von 100.000 Euro übersteigt (1,2 Millionen Euro), also 300.000 Euro. Bei einem exemplarischen Hebesatz von 400 Prozent und einer Gewerbesteuermesszahl von 3,5 wird der betroffene betriebliche Mietaufwand daher mit 27.360 Euro besteuert.

Erwirtschaftet Y keinen betrieblichen Gewinn, muss es die Zinsbelastung von insgesamt 27.360 Euro aus seiner Substanz bezahlen. Die Situation verschärft sich, wenn Y zusätzlich mit hohem Fremdkapitaleinsatz wirtschaftet, etwa weil eine neue Ladenausstattung finanziert wurde.

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