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kolumne Berlin intern: Ahnungslose Piraten

Kolumne von Henning Krumrey

Das dürre Programm der Piratenpartei folgt dem Klischee des Blondinenwitzes: nett anzuschauen, aber geistig recht beschränkt.

Fluch der Akribik - Gerade Wirtschaftspolitik wirkt bei den Piraten wie ein Spiel Quelle: dapd
Fluch der Akribik - Gerade Wirtschaftspolitik wirkt bei den Piraten wie ein Spiel Quelle: dapd

Die Saison ist noch jung, aber der Modetrend klar: Orange ist das neue Grün! Die frische Frühlingsfarbe ist das Symbol der Piraten, die nun erstmals an Bündnis 90/Die Grünen vorbeigesegelt sind. Zwei Punkte liegen sie beim Forsa Institut vor der Ökopartei. Das Votum für die Freibeuter, die erst und schon den Sprung in zwei Landesparlamente geschafft haben, wirbelt die seit 30 Jahren gelernte politische Arithmetik durcheinander.

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Dünnes Wahlprogramm

Inhaltlich präsentiert sich die Truppe mit dem martialischen Namen eher als politischer Blondinenwitz: recht attraktiv, aber leider geistig beschränkt. Denn die Piraten bieten nur ein Schmalspurprogramm rund um Internet, Datenschutz und Bürgerrechte. Bei den harten Wirtschaftsthemen aber: Fehlanzeige. Im Wahlkampf zum Berliner Abgeordnetenhaus im Herbst 2011 blamierte sich Spitzenkandidat Andreas Baum mit der Schätzung, die Verschuldung des Stadtstaats betrage „viele Millionen Euro“ – es sind 63 Milliarden Euro. Und zum Thema Wirtschaft antwortete er mit treuem Dackelblick: „Wir haben kein Vollprogramm. Wir sagen nur zu den Themen was, von denen wir schon wirklich was verstehen, wo wir uns eingelesen haben.“ Der Berliner Ableger hatte sich zwar 2006 gegründet, nur zum Lesen war seitdem wohl keine Zeit.

Wie ihr skandinavisches Vorbild ziehen auch die deutschen Piraten inzwischen von Wahlerfolg zu Wahlerfolg. Die Gründung der schwedischen Piratpartiet Anfang 2006 galt als Startschuss einer globalen Bewegung. Die „Ur-Piraten“ protestierten gegen die Kriminalisierung von Personen, die sich über die schwedische Internet-Tauschbörse „The Pirate Bay“ Musik und Filme herunterluden. Die Partei fordert eine radikale Reform des Urheberrechts und mehr Informationsfreiheit im Internet.

Bild: dpa

W wie "Whistleblowing"

Einen Wahlerfolg später sieht es in Schleswig-Holstein nicht viel besser aus. Im Landtagswahlprogramm der Küsten-Korsaren erschöpft sich der Abschnitt Wirtschaftspolitik in fünf Einzelpunkten: Öffentlich-Private Partnerschaften (Nein), staatliche Bürgschaften (alle im Haushaltsplan auflisten), Subventionen (nur wenn nötig – aha!), Pflichtmitgliedschaft in Kammern (abschaffen), Ladenschluss (auch sonntags weg). Im Programm der Bundespartei gibt es unter „W“ statt Wirtschaft sogar nur einen Eintrag: „Whistleblowing“.

10 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 19.04.2012, 08:32 Uhrmikmak

    Was ist jetzt anders?

  • 18.04.2012, 21:49 Uhrjetie

    Die Piraten profitieren nicht von einem überzeugenden Wahlprogramm, sondern von der Parteienverdrossenheit vieler Bürger. Dass sich die Partei noch in der Krabbelphase befindet und sich das einzige Thema, von dem sie halbwegs Ahnung haben, in Luft auflösen würde, sobald Jemand den Stecker zieht, scheint den Protestwählerinnen und -Wählern egal zu sein. So kann es gut sein, dass ein Häuflein nässelnder Kindsköpfe bald über Milliarden von Steuergelder mitentscheidet.

  • 17.04.2012, 12:17 Uhrberkmann

    Die etablierten Parteien sind dabei, Deutschland im Euro-Wahn in den Bankrott zu fahren.
    Viel mehr Schaden können die Piraten auch nicht anrichten.

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