Berlin intern: Arme Bank-Drücker

kolumneBerlin intern: Arme Bank-Drücker

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Henning Krumrey, Leiter des Hauptstadtbüros der WirtschaftsWoche

Kolumne von Henning Krumrey

Die Bundesregierung ringt mit der Kreditwirtschaft. Doch mehr als Symbolik bringt sie nicht zustande.

Die Bundesregierung gab sich redlich Mühe. Ausführlich legte sie dar, warum es keine Beteiligung der Banken an der Griechenland-Rettung geben könne: Erlitten die Institute Verluste – beispielsweise bei einer Umschuldung –, fehlte das Geld für die Kreditvergabe an die Realwirtschaft. Die Strafe für die Profiteure riskanter, aber hochverzinslicher Geschäfte schädige dann vor allem Mittelständler, koste also Jobs. Später käme ja noch die Bankenabgabe, mit der die Finanzwirtschaft zur Kasse gebeten werde.

Das staatliche Paket war noch gar nicht fertig verhandelt, da knobelten die Banken freilich hinter den Kulissen schon an ihrem Entlastungs-PR-Coup: Sie wollen einen freiwilligen Beitrag leisten. Im Klartext: Seht her, wir verbraten gern anderweitig jenes Geld, das uns die Regierung zur Sicherung der Kreditvergabe nicht wegnehmen wollte. Mehr noch: Das Geld fließt nicht direkt ans darbende – und nach wie vor unsichere – Griechenland. Die deutschen Geldhäuser wollen Anleihen der staatlichen Kreditanstalt für Wiederaufbau zeichnen, die Griechenland Milliarden leiht. Und wer bürgt dafür? Natürlich der deutsche Steuerzahler. Eigentlich beleidigend für die Intelligenz der Bürger, dass dies noch als Akt der Solidarität und Wiedergutmachung verkauft wird.

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Zu lange gezögert

Die Banken sehen das natürlich völlig anders. Die Häuser, die in griechischen Ramschpapieren investiert sind, sehen sich nicht als große Gewinner. Sie haben durch den Zinsanstieg einen dramatischen Kursverfall erlitten. Sie hätten bisher nicht groß von ihrem riskanten Engagement profitiert, müssten aber bei einer Umschuldung zahlen. Erst wenn sie bei Endfälligkeit den vollen Betrag zurückbezahlt bekommen und bis dahin tatsächlich die nominalen Zinsen kassieren, hätten sie eine schöne Rendite eingestrichen. Richtig fette Gewinne mache nur, wer auf dem Höhepunkt der Hellas-Krise zu niedrigen Kursen kauft – bei gleichzeitiger staatlicher Garantie.

Die Regierung hätte mit der Griechen-Rettung nicht so lange – und damit teuer – zögern sollen, erzählt auf dem Berliner Parkett der Vorstandsvorsitzende einer der wenigen erfolgreichen Banken. Dass ein flotter Bail-out gegen EU-Vertrag und Grundgesetz verstoßen könne? Kein Problem. Auch eine Kanzlerin müsse Verfassungsbedenken mal über Bord werfen. „Ich hätte gehandelt. Da muss man sich auch mal trauen.“

Für die Politik ist es nicht einfach, die Kreditinstitute in den Schwitzkasten zu nehmen. Es ist wie bei der Fußball-WM: Bank-Drücker haben’s schwer.

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