Berlin intern: Band, Buffet und Botschaft

kolumneBerlin intern: Band, Buffet und Botschaft

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Die Band „Low Budget“ beim Tag der offenen Tür des Bundesfinanzministeriums. Sie besteht aus Mitarbeitern des Hauses

Kolumne von Henning Krumrey

Zum Ende der Sommerpause stimmen die Minister die Journalisten auf die nächsten Monate ein: auf den nächsten „Herbst der Entscheidungen“.

An „Low Budget“ hat Wolfgang Schäuble seine Freude. Natürlich nicht an knappen Kassen, wohl aber an der Band, faktisch seiner Hauskapelle. Denn die Combo, die beispielsweise beim Tag der offenen Tür auftritt, besteht aus Angehörigen des Bundesfinanzministeriums. Journalisten ist vor allem die tolle Stimme der Sängerin vertraut: In der Pressestelle geht Frieda Risto oft ans Telefon, jetzt trat sie für die Medienmenschen sogar ans Mikrofon.

Pressefest nennt sich die Einrichtung. Wer einen guten Eindruck machen will, sollte frisch und ausgeruht ans Werk gehen. Vielleicht ist auch das ein Grund, weshalb Minister ein Treffen mit Journalisten gern ans Ende der Sommerpause legen. Alle sind entspannt, vielleicht sogar ein wenig überdrüssig mancher Schaukämpfe der vergangenen Wochen. Man freut sich darauf, dass bald wieder richtig Politik gemacht wird.

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Die Pressestellen laden dann jene Journalisten zur zwanglosen Nahrungs- und Meinungsaufnahme, die sich entweder mit dem Ressort befassen oder den jeweiligen Minister in seiner Rolle als Parteipolitiker oder Landsmann kontinuierlich beobachten. Das sind keine pompösen Sausen mit Sponsoren aus der Wirtschaft, sondern nette Abende ohne Programm und Protokoll – und ohne Krawatte. Das Standardkonzept: Band, Buffet und Botschaft.

Mit Ausnahme der offiziellen Begrüßung darf das Gesprochene nicht wörtlich zitiert werden; Puristen behaupten gar, man dürfe nicht einmal mitteilen, dass derlei informative Druckbetankung überhaupt stattgefunden hat. Aber wissen sollen die Journalisten schon, was die Führung denkt. So kann man mit der Dame des Hauses im Bildungsministerium diskutieren, warum sie zu dem Entschluss kam, nicht mehr als stellvertretende Parteivorsitzende zu kandidieren.

Rückgriff auf Vertrautes

„Die CDU hat viele gute junge Leute“, sagt Annette Schavan in ihrer offiziellen Begrüßung. Ein Fingerzeig, dass die jung-energische Landesvorsitzende Julia Klöckner aus Rheinland-Pfalz ihr nachfolgen solle? Andererseits gehört die gebürtige Rheinländerin Schavan seit Jahrzehnten dem Landesverband Baden-Württemberg an, immerhin der zweitgrößte in der CDU. Den will sie auch im engsten Führungszirkel vertreten wissen. Immerhin wird man im Gespräch daran erinnert, dass die Zahl der Stellvertreter des oder der Vorsitzenden (derzeit vier) nicht sakrosankt ist. Es gab schon mal einen einzigen (im Zuge der deutschen Einheit: Lothar de Maizière), aber auch schon fünf und sieben. Und tatsächlich wird die CDU nun ja fünf Vizes wählen, damit neben Klöckner auch der baden-württembergische Landesvorsitzende Thomas Strobl in die engste Führung rückt.

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Im Garten des Finanzministeriums kann man mit einem bestens erholten und wie stets scharfzüngigen Hausherrn über die Sorge diskutieren, ob scharfe politische Töne aus der deutschen Politik gegenüber Griechenland das Klima auf dem Kontinent vergiften und am Ende dazu führen könnten, dass Deutschland die Schuld an einem Scheitern zugeschoben würde. Oder ob eigentlich alle SPD-Finanzpolitiker das deutsch-schweizerische Steuerabkommen so schlecht gefunden haben, wie es der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel behauptet.

Wie Schäuble griff auch Außenminister Guido Westerwelle bei seinem Pressetreff für die Beschallung auf Vertraute zurück. Im Lichthof des Auswärtigen Amts bat „No Beer for the Drummer“ gar zum Tanz. Ole Diehl, Bassist und Sänger der Truppe, leitet hauptberuflich das Parlaments- und Kabinettsreferat. Auch hier galt: prima Musik, aber – low budget.

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