Berlin intern: Bittgänge nach Berlin

kolumneBerlin intern: Bittgänge nach Berlin

Bild vergrößern

Henning Krumrey, Leiter des Hauptstadtbüros der WirtschaftsWoche

Kolumne

Wie sich Finanz- und Wirtschaftsministerium mit den Kreditwünschen der Großunternehmen herumschlagen.

Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg gewährte den Besuchern 20 Minuten – ungefähr so viel wie ein Reifenwechsel beim Porsche Cayenne dauern würde. Der PS-Protz parkte im Innenhof, während Wendelin Wiedeking und Wolfgang Porsche versuchten, den Hausherrn vor ihren Karren zu spannen. So eilig hatten es der Vorstands- und der Aufsichtsratsvorsitzende des Sportwagenherstellers, dass sie sogar eine halbe Stunde zu früh vorgefahren waren.

Der Entourage des Ressortchefs gefiel es, die mächtigen Finanzjongleure so lange warten zu sehen. Manchmal sind es die kleinen Dinge, die strapazierte Beamtenseelen erfreuen.

Anzeige

Der Bittgang nach Berlin am vorvergangenen Freitag war der vorerst letzte Versuch der Porsche-Lenker, doch noch staatliche Hilfe für 1,75 Milliarden Euro Kredit zu erlangen. Zu Guttenberg mochte ihnen allerdings keine Hoffnung machen. Der Antrag werde „sauber nach den Kriterien entschieden“.

Zockerpech statt Finanzkrise

In den Berliner Ministerien gelten Porsches Geldsorgen nicht als Folge der Finanzkrise, sondern als Zockerpech. Geradezu gefreut hatte sich dagegen anfangs die staatseigene Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) über den Kreditwunsch. Sie wollte dem Autobauer in dessen Notlage einen ordentlichen Zinszuschlag aufbrummen – ein gutes Geschäft.

Doch dann schauten die KfW-Experten genauer in die Bücher. Vergangene Woche teilte dann das Wirtschaftsministerium den Staatsbankern mit, es gebe „keine Grundlage“, den Porsche-Antrag weiter zu behandeln. Die Bank selbst habe festgestellt, „dass die Schuldendienstfähigkeit von Porsche auf Stand-alone-Basis nicht gesichert sei“. Im Klartext: Die Stuttgarter könnten den beantragten Kredit angesichts der Absatzflaute und einer 12,5-Milliarden-Euro-Schuld nicht dauerhaft bedienen.

Turbulent gestalteten sich auch die Quelle-Verhandlungen, weil der Insolvenzverwalter in eine Sackgasse brauste. Er wollte eine Bürgschaft, hatte anfangs aber keinen Zweck benannt. Später drängte er aufs Tempo: Man müsse die Bürgschaft nun bald ziehen können, um Geld für den Druck des Kataloges zu haben. Damit war der Plan auch schon erledigt – Bürgschaften darf der Bund nur vergeben, wenn die Inanspruchnahme nicht absehbar ist.

Erst da entstand die Idee, einen besonders besicherten Massekredit zu geben. Ein PR-Erfolg wurde es freilich nicht, weil die beteiligte bayrische Regierung schon nach einer Verhandlungsrunde auf unterer Ebene Hurra rief, als das Bundesfinanzministerium noch an höherer Stelle prüfte. Eine kleine Berliner Indiskretion – und schon konnte man die Bayern zappeln lassen.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%