Berlin intern: Das Medien-Phänomen zu Guttenberg

kolumneBerlin intern: Das Medien-Phänomen zu Guttenberg

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Henning Krumrey, Leiter des Hauptstadtbüros der WirtschaftsWoche

Kolumne von Henning Krumrey

Karl-Theodor zu Guttenberg lebt vom gepflegten Gegensatz zur Kanzlerin und seinem Parteichef. "KTs" größtes Risiko ist seine Abhängigkeit von den Medien.

Ob in Flieger-Montur oder Fliegen-Montur – der Mann macht immer eine Figur wie gemalt.

Bei der Truppe und im Ballsaal ist Karl-Theodor zu Guttenberg so präsent wie präsentabel. Der demoskopische Überflieger im Kabinett Merkel ist ein Phänomen – ein Medien-Phänomen.

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Noch nie ist ein deutscher Politiker aus dem Nichts und mit nichts zum Star geschrieben und an die Spitze der politischen Beliebtheitsskala katapultiert worden.

Wir erinnern uns – oder wohl eher nicht: Nur zwei Mal sorgte der damalige Aufsteiger ins Amt des Wirtschaftsministers für Schlagzeilen – mit zwei Pleiten.

Sein industriepolitisches Konzept wurde binnen Tagen eingestampft. Den Durchbruch, den Triumph, den Beginn seiner politischen Tellerwäscherkarriere verdankte „KT“ sogar einem grandiosen Scheitern. Im Mai 2009, in der legendären Nachtsitzung zur Zukunft des Automobilbauers Opel, drohte der Senkrechtstarter mit Rücktritt. „Mutti“ Merkel redete ihm den Empörungs-Aufstand aus, der Novize blieb artig im Amt.

Der Auftritt macht den Unterschied

Trotzdem führte das klassische Muster – als Tiger gestartet, als Bettvorleger gelandet – bei Guttenberg nicht zu Hohn und Spott, sondern zu höchster Anerkennung.

Geradlinigkeit wurde ihm bescheinigt und Mut. Nicht auszudenken, wenn Guttenbergs unglückliche Ressortvorgänger in Wirtschaft und Verteidigung – Michael Glos undFranz Josef Jung – so aufgetreten wären. Und selbst seinem FDP-Nachfolger Rainer Brüderle, der Guttenbergs ordnungspolitische Forderung tatsächlich gegen die Kanzlerin durchsetzte, ist derlei lautstarkes Lob dafür nicht zuteil geworden.

Den Unterschied macht das Auftreten des adligen Politikers mit seiner ganz persönlichen Mischung schneidiger Demut. Klare Sprache, verbunden mit dem offensiven Willen, um Unangenehmes (meistens) nicht herumzureden. Dazu die Gattin, die als Kombination aus First Lady und Hollywood-Diva ins Rampen- und Fernsehstudiolicht drängt und sich drängen lässt.

Umso merkwürdiger die Reaktion der Medien auf Guttenbergs erste beeindruckende politische Leistung. Die Eliminierung der Wehrpflicht innerhalb weniger Monate ist für die Christen-Union eine Demontage von Urwerten, die sich – schon gar nicht in so kurzer Zeit – sonst niemand zugetraut hat. Die Parteitage von CSU und – kommende Woche – CDU nicken die Abkehr vom staatsbürgerlichen Zwangsdienst nahezu sang- und klanglos ab. Doch diese Überzeugungsleistung des fränkischen Barons ist in den Medien längst nicht in dem Maße gefeiert worden wie seine Niederlage in Sachen Opel.

Für viele Berliner Journalisten ist Guttenberg längst zum Instrument geworden, die politische Klasse nach Klasse zu durchspüren.

Und jene zu piesacken, die heute an den entscheidenden Schalt- und Waltstellen in Parteien und Regierung sitzen. So entstand die ebenso naive wie gern verbreitete Spekulation, der Aufsteiger könnte vielleicht auf dem CSU-Parteitag vergangenes Wochenende den Vorsitzenden Horst Seehofer herausfordern.

Und so speist sich das Kalkül, der Baron würde schon im März, nach einer sich abzeichnenden schwarz-gelben Niederlage in Baden-Württemberg, die Kanzlerin beerben.

Der Aufstieg des eleganten Christsozialen wirft deshalb weniger Fragen nach dem Zustand der Unions-Parteien auf als nach der Urteilskraft der deutschen Medien. Und nach der Beständigkeit ihres Jubeleifers. Ob der nämlich auch noch anhält, wenn der Aufsteiger in ein paar Jahren wirklich nach dem Kanzleramt greift?

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