Berlin intern: Der Fall Pierer und die Regeln der Macht

kolumneBerlin intern: Der Fall Pierer und die Regeln der Macht

Kolumne

Nicht nur der Fall Siemens zeigt: Wenn einstige Stars aus Politik und Wirtschaft zur Belastung werden, sind sie sehr schnell einsam. Loyalität wird dann zum seltenen Gut.

In Krisen und Affären gibt es keine Loyalitäten mehr. Denunzianten stehen an jeder Ecke. Personen, denen zuvor die Füße geleckt wurden, werden beschmutzt. Muss das so sein? Der Fall Siemens und die Ermittlung der amerikanischen Börsenaufsicht lassen tief in die Abgründe menschlicher Schwächen der Eliten in Politik und Wirtschaft blicken. Natürlich hat der ehemalige Siemens-Chef Heinrich v. Pierer falsch gehandelt. Natürlich hätte er sagen müssen, dass es eine Gesamtverantwortung für die Unternehmenskultur beim Vorstandschef gibt, und natürlich hätte er seine Position als Leiter des Innovationsrates bei der Bundeskanzlerin räumen müssen, ehe er weggeräumt wurde.

Rechtfertigen seine Fehler die Umstände, wie er jetzt in der deutschen Öffentlichkeit behandelt wird? Was ist mit den Geschäftsleuten, Politikern, auch Journalisten, die permanent bei ihm auf der Matte standen, um sich mit „Mr. German Industry“ auf ihren Veranstaltungen zu schmücken? Dankbarkeit? Eine Grund-Fairness? Pustekuchen. Und der neue Vorstand wäscht sich rein.

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Dabei zieht man auch andere mit in den Schmutz. So ergeht es Thomas Bach, Spitzenfunktionär des deutschen und olympischen Sports, Wirtschaftsberater, Netzwerker mit Kontakten in schwierigen Regionen dieser Welt – Kontakte, derer sich Kanzler und Minister sonst gerne bedienen. Beim Auf-den-Schmutz-Hauen der Siemens-Saubermänner landeten auch Flecken auf der Weste von Bach. Der neue Siemens-Chef Peter Löscher will von Bachs Beratertätigkeit für das Unternehmen nichts gewusst haben. Ach so – und deshalb ist sie also direkt obskur. Dabei wussten in den Ethik-Kommissionen der Sportverbände, in Ministerien und Kanzleramt alle von Bachs doppelter Mission.

Aber man schweigt, obwohl viele es besser wissen müssten. Einmal mehr ist zu fragen, zu welchen Deformationen Spitzenfunktionen in Politik und Wirtschaft führen. Allerdings gibt es auch Ausnahmen: In der hessischen CDU, dort, wo Roland Koch eine verheerende Niederlage zu verantworten hat und viele Grund zur Enttäuschung haben, genau dort hat keiner den ersten Stein auf den Verlierer geworfen.

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