Berlin intern: Der Stolz der Familie

kolumneBerlin intern: Der Stolz der Familie

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Henning Krumrey, Leiter des Hauptstadtbüros der WirtschaftsWoche

Kolumne von Henning Krumrey

Das Wohl der Koalition hängt an den Nerven der CSU. Die Bayern-Partei berauscht sich an sich selbst.

Seit die Gefechte um Karl-Theodor zu Guttenberg losbrachen, schauten die Koalitionspartner CDU und FDP sorgenvoll nach Süden: Immer, wenn die CSU unter Druck kommt, wird sie in der Bundesregierung rebellisch.

Nach dem Totalrückzug ihres Wundermanns kopiert die CSU eine Übung, die sie seit Jahrzehnten pflegt: Sie berauscht sich an sich selbst. Parteichef Horst Seehofer strotzt beim politischen Aschermittwoch in Passau, er sei „stolz, dass aus dieser großen Familie keine einzige kritische Stimme in der Öffentlichkeit bekannt wurde“. Und er selbst werde „alles tun, dass Karl-Theodor wieder in die bayerische und in die deutsche Politik zurückkehrt.“ Der Trost der ministerpräsidentiellen Verheißung: Der Messias ist nur in die politische Fastenzeit entschwunden und kehrt schon bald gereinigt zurück. Das bringt den lautesten Jubel des Tages (auf Platz zwei der Phon-Liste übrigens nicht der Parteichef selbst, sondern Vorvorgänger Edmund Stoiber ). Zweiter Hoffnungsschimmer für die CSU: Sie stellt endlich wieder den Innenminister und kann sich da besser profilieren als mit einer Bundeswehrreform, die auch in Bayern Standorte und Arbeitsplätze kosten dürfte.

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Ganz ohne Lebenslügen geht es nicht. Für seine Partei, die jahrzehntelang auf die absolute Mehrheit im Freistaat abonniert war, feiert Seehofer ein aktuelles Umfrageergebnis von 55 Prozent – allerdings bloß in Niederbayern. Landesweit schaut’s anders aus. Und natürlich überlässt die Geschäftsstelle für den Aschermittwoch in Passau nichts dem Zufall. Zu groß die Angst, beim Namen zu Guttenberg könnte minutenlanger Beifall aufbranden und damit den Vorsitzenden Seehofer überstrahlen.

Früher pappten die Ortsvereine ihre selbst geschriebenen Transparente an die Empore oder reckten sie während der Reden in die Höhe. Seit Jahren plakatiert die CSU zur Sicherheit gleich selbst, stanzt aus ausgewählten Einsendungen der Parteifreunde Schilder im Einheitslook. Da ist „Seehofer – die Kraft des Südens“. Das kleinste Schild an der Hallenwand: „KT – Du bist einer von uns.“

Der Phantomschmerz wird noch ein wenig anhalten. Den wahren Vorwurf hat die CSU immer noch nicht verstanden – und versteht deshalb die Welt nicht. Gern vergleicht sie die Steinwürfe und Prügelattacken des jungen Joschka Fischer mit Guttenbergs verfehlten Doktorspielen und fragt: Warum hat da niemand den Rücktritt gefordert? Ein wichtiger Unterschied: Guttenberg hat die Werte der eigenen Klientel verraten, Fischer nicht. Entsprechend unterschiedlich war die Geschlossenheit der Lager. Michael Glos , das letzte CSU-Urgestein, pflegte zu sagen: „Wenn zwei das Gleiche tun, ist es noch lange nicht dasselbe.“

Andererseits: Viele Journalisten, die „KT“ jetzt verdammen, haben vergessen, dass ihre früheren Guttenberg-Porträts genauso summa cum laude ausfielen wie die Dissertation des Gescholtenen. An dieser Stelle stand dagegen Anfang November 2010 über das fürstliche „Medien-Phänomen“: „Noch nie ist ein deutscher Politiker aus dem Nichts und mit nichts zum Star geschrieben und an die Spitze der politischen Beliebtheitsskala katapultiert worden.“

Als Schlussstrich (bis 2013) unter den Spott über die Guttenbergs: Nach ihren Erfahrungen als Präsidentin von „Innocence in Danger“ fahndet Gutten-Gattin Stephanie jetzt nicht mehr auf RTL II nach Kinderschändern, sondern jagt Dokumentenfälscher auf Phoenix. Einen neuen Verein dafür hat sie auch gegründet: „Competence in Danger“. Tätä!!!

Jetzt ist es aber auch gut.

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