Berlin intern: Deutschland braucht Helden

kolumneBerlin intern: Deutschland braucht Helden

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Die Bundesvorsitzenden der Grünen, Simone Peter (l) und Cem Özdemir, sowie die Stellvertretende Ministerpäsidentin von NRW und Ministerin für Schule und Weiterbildung, Sylvia Löhrmann (r) auf dem Bundesparteitag ihrer Partei.

Kolumne von Gregor Peter Schmitz

Ein Grüner, der in den USA lebt, rockt mit „Lehren aus Trump“ seine Partei. Das zeigt deutsche Sehnsucht nach Vorbildern.

Ob Dieter Zetsche wohl sauer ist? Der Daimler-Chef hatte sich gute Chancen ausrechnen können, die Berichterstattung zum Grünen-Parteitag in Münster zu dominieren. Immerhin traute sich der Herr über Millionen Verbrennungsmotoren, vor der versammelten Ökoschar über die ökologische Zukunft des Automobils zu referieren. Aber dann war der Star des Parteitags doch nicht der automobile Weltstar, sondern ein völlig unbekannter Mann, allerdings einer, der in der Neuen Welt lebt.

Bastian Hermisson, Leiter des Büros der Heinrich Böll-Stiftung in Washington, erklärte den Delegierten die (unschöne) neue Trump-Welt in bisher selten gehörter Eindringlichkeit. „Wir müssen raus aus der Blase und unseren eigenen Facebook-Echokammern“, rief er den Delegierten zu. „Wir müssen mit Andersgesinnten Kontakt suchen, sonst sind wir Teil des Problems.“ Seine Grünen sollten den „Duktus der moralischen Überlegenheit ablegen“ und mehr Respekt für Bürger aus allen Milieus zeigen, forderte Hermisson. Das US-Wahlergebnis sei doch auch eine Quittung dafür, dass abgehobene Politiker Wähler aus der ökonomischen Mittel- kulturell als Unterschicht behandelten. Man applaudierte Hermisson danach, als sei er eine Art Erleuchteter. Talkshow-Gastgeber rissen sich um ihn, die Presse feierte ihn, und auf Internetblogs hieß es wörtlich: „Der Mann ist mutig, der Mann ist mannhaft, man sollte ihm zuhören!“

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Hermisson, mittlerweile wieder in den USA, ist die geballte Aufregung selbst etwas unheimlich. Er habe ja nur die Debatten spiegeln wollen, sagt er, die seine vergangenen Monate geprägt hätten. Hermissons Frau ist Amerikanerin, in der verwandten Familie stimmten zahlreiche Mitglieder für Trump. Er wollte zeigen, dass das Phänomen nicht auf Amerika begrenzt sei – und auch an Deutschlands neue Verantwortung in der Welt erinnern. Ohnehin treibt den Böll-Vertreter gerade mehr um, wie ein Präsident Trump die Klimapolitik so verändern könne, dass die negativen Folgen seine eigenen Kinder ausbaden müssten.

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Quelle: Frank Beer

Die Aufregung um Hermisson offenbart aber auch eine sehr deutsche Suche nach Vorbildern. Während die Bundesrepublik offenbar so lange keinen geeigneten Bundespräsidenten-Kandidaten findet, bis mit Frank-Walter Steinmeier der sicherste (und kleinste?) gemeinsame Nenner ausgekungelt wird, sind viele Bürger bereit, jemandem zuzujubeln, der klare Worte findet. Hermisson ist so sehr der Mann der Stunde, dass sich im Gespräch der Witz anbietet, nun sei das Schloss Bellevue ja leider vergeben, für das er gerade so das Mindestalter von 40 Jahren erfüllt. Hermisson lacht darüber nur. Schließlich hat er auch erfahren, dass die neue Prominenz ambivalent ist. Als sein Auftritt in einer Talkshow eingeblendet wurde, reagierte eine AfD-Vertreterin, so etwas sage ihre Partei seit Langem. Das hat ihn nachdenklich gemacht.

Hermissons Partei streitet übrigens längst wieder, ob Realos oder Fundis die Agenda des Parteitags mehr geprägt haben, Stichwort: Vermögensteuer. Kleines Karo statt großem Gesellschaftsentwurf. Wäre es anders, wäre die Welt ja auch zu schön.

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