Berlin intern: Die im Dunkeln sieht man nicht

kolumneBerlin intern: Die im Dunkeln sieht man nicht

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Henning Krumrey, Leiter des Hauptstadtbüros der WirtschaftsWoche

Kolumne

Schattenkabinett einmal anders: Die Kanzlerin stiehlt ihren Ministern die Schau.

Nach nüchterner Ansprache heftet Angela Merkel vier Soldaten die neue Tapferkeitsmedaille an den Uniformrock. Sie macht es ohne Pathos, aber sie macht es – Verteidigungsminister Franz Josef Jung tritt kaum in Erscheinung. Das Signal ist klar: Die Kanzlerin kümmert sich um die Truppe. Großzügig hat die Chefin dem Minister aber einen Termin am Vortag überlassen: Beim CHIO in Aachen, dem Weltfest des Pferdesports, durfte er den „Preis der Bundeskanzlerin“ überreichen – ein Stilpreis übrigens. Jung schaute freundlich zum geschenkten Gaul.

So wie Fräulein Smilla ein Gespür für Schnee hat, hat Frau Merkel ein Gespür für Show. Vorgänger Gerhard Schröder ließ seine Minister machen, solange alles glatt lief. Helmut Kohl griff nicht mal ein, wenn’s schiefging. Die Kanzlerin lässt machen, weiß aber stets, sich selbst zu präsentieren: als Opel-Retterin oder Mutter der Kompanie, als Landfrau, Ober-Öko oder Außenministerin de luxe.

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Die junge Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner könnte einen Achtungserfolg gut brauchen, auch für ihre CSU. Doch Hilfen für die protestierenden Milchbauern verkündet die Kanzlerin beim Auftritt auf dem Bauernhof, die Ausweitung der klassischen Agrarsubventionen verheißt sie beim Bauerntag.

Schneller als Steinmeier

Außenminister Frank-Walter Steinmeier hatte zu Beginn der Opel-Krise die Automobilgewerkschafter für einen Montag ins Außenamt geladen – schließlich war er gerade zum SPD-Kanzlerkandidaten nominiert worden. Am Samstagmorgen wurde der Termin bekannt, schon Samstagmittag vermeldete der Regierungssprecher, die Regierungschefin bitte den Betriebsrat und die Konzernführung just für Montag ins Kanzleramt – und just einige Stunden früher als der Konkurrent. Welche Meldung beherrschte die Abendnachrichten?

Umweltminister Sigmar Gabriel wirkte wie der persönliche Referent, als sich die Kanzlerin in ihrer Tradition als Öko-Obfrau der Kohl-Regierung auf den Weg nach Grönland machte. Ihr knallroter Anorak schien noch durchdringender zu leuchten als das etwas fülligere Modell des aktuellen Ressortchefs. Die ausgewählten Journalisten, die zu umfangreicher Berichterstattung verpflichtet worden waren, brachten den Auftritt der Kanzlerin im Packeis ins Bild und Blatt.

In ihren 20 Jahren in der Politik hat Merkel die Fähigkeit entwickelt, zum richtigen Zeitpunkt an der richtigen Stelle zu sein. Die Kanzlerin erscheint im hellen Schein der Umfragebeliebtheit. Die im Dunkeln sieht man nicht. So kann man den Begriff Schattenkabinett auch definieren.

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