Berlin intern: Ehrensöldner Bundespräsident

kolumneBerlin intern: Ehrensöldner Bundespräsident

Bild vergrößern

Henning Krumrey, Leiter des Hauptstadtbüros der WirtschaftsWoche

Kolumne

Der Bundespräsident ist wie ein Kraftwerk: Erst mal abgeschrieben, klingelt’s in der Kasse.

Der erste Bürger ist der einzige, der sein volles Gehalt als Pension bekommt – bis ans Lebensende. Ehrensold heißt diese Rente und hat etwas von der Apanage für das britische Königshaus. Irgendwie dient das Staatsoberhaupt ja auch den Deutschen als republikanischer Ersatzmonarch, mit dem sie sich (und den Staat) identifizieren. Und der sich nur selten so ins politische Tagesgeschäft einschaltet wie Horst Köhler in den vergangenen Jahren.

Der Grund für das ungeschmälerte Salär (199.000 Euro – steuerpflichtig!): Anders als beispielsweise ein Ex-Kanzler kann sich ein Bundespräsident im Ruhestand nicht als Unternehmensberater oder Aufsichtsrat verdingen (was manchen Ex-Präsidenten freilich nicht daran hinderte, als gut dotierter Vortragsredner aufzutreten).

Anzeige

Die lebenslange Luxusrente ist etlichen Politikern seit Jahren schon ein Ärgernis. Aber öffentlich sagen will das niemand, schon wegen „der Würde des Amtes“. Nicht einmal die Haushälter trauen sich, obwohl es aus Gründen der Symbolik und der Gerechtigkeit wert wäre, das Staatsoberhaupt als Ersten unter Gleichen zu behandeln.

Sechs Millionen für Walter Scheel

Das sah auch Horst Köhler so, als er 2004 erstmals das Schloss Bellevue anpeilte. Der Mann mit dem ausgeprägten Gerechtigkeitsgefühl wollte den alten Zopf abschneiden, erkannte aber schnell, dass er sein Einkommen als IWF-Direktor mit der Rückkehr in die Heimat ohnehin schon halbierte. Zudem brauchte er aus familiär-gesundheitlichen Gründen Geld. Alles blieb wie gehabt.

Die frühen Oberhäupter der jungen Republik traten erst spät ihr Amt an und kamen maximal vier Jahre lang in den Genuss des Ehrensolds. Heuss und Lübke dienten vom 65. bis zum 75. Lebensjahr, Heinemann begann seine fünfjährige Amtszeit erst mit 70. Heute lässt sich der demografische Wandel auch im Haushaltsplan des Präsidialamtes ablesen. Roman Herzog schied mit 65 nach nur einer Amtszeit vor einer Dekade aus, Richard von Weizsäcker genießt seit 15 Jahren den Ruhestand. Ungekrönter Pensionskönig ist der vierte Präsident der Republik, Walter Scheel. Er trat 1979 nicht zur Wiederwahl an und kassierte in nunmehr 30 Rentenjahren nach heutiger Kaufkraft rund sechs Millionen Euro. In Ehrensold ergraut.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%