Berlin Intern: Ein Schelm, wer Böses dabei denkt

kolumneBerlin Intern: Ein Schelm, wer Böses dabei denkt

Kolumne

Immer wieder geraten deutsche Manager und Unternehmen ins Visier ausländischer Börsenaufsichten. Nur fragt niemand, ob diese nicht auch in anderer Mission handeln.

Man stelle sich vor: Ein Minister der Bundesregierung würde den Chef der deutschen Börsenaufsicht BaFin bitten, sich doch mal den einen oder anderen Spitzenmanager ausländischer oder bi-nationaler Unternehmen wegen dubioser Aktiengeschäfte oder anderer Vorgänge anzuschauen. Damit könnte man unliebsame Chefs oder Unternehmen stark unter Druck setzen. Denn wer in der Ermittlung einer Börsenaufsicht steht, ist für das breite Publikum von vornherein schuldig.

Dieses Szenario ist natürlich nur eine böswillige Unterstellung. Unlautere Tricks zur Durchsetzung eigener Wirtschaftsinteressen mögen wir im Land der moralischen Hochsitze nicht. Das lassen wir andere machen. Davon kann der deutsche Airbus-Chef Thomas Enders ein Lied singen. Er ist nicht gerade der Liebling der französischen Regierung. Nur unwillig hat man akzeptiert, dass er im vergangenen Jahr an die Spitze des in Toulouse sitzenden Flugzeugbauers rückte, den man in Frankreich immer noch als nationales Prestigeobjekt ansieht. Enders leistet in Toulouse inzwischen gute Arbeit, ist aber ausgerechnet jetzt in das Visier der französischen Börsenaufsicht AMF geraten. Die Kontrollbehörde wirft ihm vor, frühzeitig und mit dem Wissen von Produktionsproblemen seine Aktienoptionen eingelöst zu haben. Das Verfahren zieht sich lange hin, tröpfchenweise dringen Informationen nach außen oder finden sich Originaldokumente im Internet. Da fragt man: Wem nutzt das wohl?

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Auch bei den Ermittlungen der amerikanischen Börsenaufsicht SEC kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass diese Behörde den schönen Nebeneffekt hat, unliebsamen ausländischen Wettbewerbern amerikanischer Unternehmen das Leben schwer zu machen. Inzwischen ermittelt die amerikanische Behörde auch außerhalb der USA – ihre prominentesten Opfer in Deutschland sind Daimler und Siemens. Aus Angst vor dem Durchgriff der SEC wird von den dortigen Vorständen die deutsche Souveränität nicht immer ganz so ernst genommen. Mag sein, dass den deutschen Firmen keine andere Wahl bleibt, aber die Bundesregierung dürfte solchem Vorgehen nicht tatenlos zuschauen.

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