Berlin intern: Essen mit Nachschlag

kolumneBerlin intern: Essen mit Nachschlag

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Henning Krumrey, Leiter des Hauptstadtbüros der WirtschaftsWoche

Kolumne

Herrscht Funkstille zwischen Politik und Wirtschaft, ist es schlecht. Speisen sie aus einem Topf, gibt’s Ärger.

Die Empörung über das Ackermann’sche Geburtstagsessen ist groß. Die Linkspartei-Abgeordnete Gesine Lötzsch schäumt über „zu viel Nähe“ zwischen Kanzlerin und Bankier, und auch bei den Bürgerlichen herrscht Wut. Nur etwas anders. Der Deutsche-Bank-Chef sei „ein ziemlicher Trottel“, stöhnt ein CDU-Minister. „Der Ackermann ist ein Idiot“, wütet gar ein einflussreicher FDP-Abgeordneter. Der Vorwurf aus dem schwarz-gelben Lager: Hätte der Finanzmanager nicht in einem ZDF-Porträt über die Bundeskanzlerin aus Eitelkeit oder politischer Naivität ausgeplaudert, dass sie zu seinen Ehren ein Geburtstagsabendessen im Kanzleramt gegeben hatte, wäre der Politik die Debatte über das Verhältnis zur Geldwirtschaft erspart geblieben. Vergeblich wartete man dort auf eine Entschuldigung des gebürtigen Schweizers.

Ausgerechnet jetzt, ausgerechnet Ackermann. Eigentlich sind „Ehrenessen“ nichts Ungewöhnliches. Die Kanzlerin bittet ebenso zu Tisch wie Parlaments- oder Bundespräsident – schließlich gilt der Austausch zwischen Politik und Wirtschaft als wichtig. Und natürlich spricht man die Gästeliste ab – wer wollte dem Jubilar schon aus Versehen den Erzfeind präsentieren. Ackermann stellte es freilich so dar, als habe er selbst zum 60. seine Geburtstagsgäste ins Kanzleramt eingeladen, und der Steuerzahler lasse für die private Feier die Korken knallen.

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Nächtliche Telefonaten mit der Kanzlerin

Ackermann zieht eine Spur medialer Verwüstung. Erst ließ er sich als Angeklagter im Mannesmann-Prozess mit „Victory“-Zeichen fotografieren, dann geriet er mit seiner 25-Prozent-Rendite in die Schlagzeilen (mag das Ziel auch ökonomisch sinnvoll und gar nicht einmalig sein). Als die Regierung versuchte, taumelnde Banken unter den Rettungsschirm zu locken, hatte Ackermann in interner Runde erklärt, „it would be a shame“, Staatsgeld zu nehmen. Recht hatte er, aber es passte nicht in die politische Landschaft.

Dabei hatte sich Ackermanns Haus sehr wohl mit Staatsgeld gerettet – bloß per Umweg. Deutschbanker erzählten zu Beginn der Finanzkrise stolz, wie sie noch rechtzeitig vor dem Platzen der Blase giftige Papiere weiterverkauft hatten: unter anderem an die Industriekreditbank (IKB) und einige Landesbanken, just also an Institute im Besitz des Staates. Den Draht zu Ackermann konnte Merkel schon bald nach dem Abendessen im April 2008 gut gebrauchen. Im September geriet die Hypo Real Estate (HRE) in Konkursgefahr. In nächtlichen Krisentelefonaten gelang es der Kanzlerin, zur HRE-Rettung „1,5 Milliarden mehr aus mir herauszupressen“, erzählt Ackermann.

Man soll kein Essen vor dem Nachtisch loben.

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