Berlin intern: Führungs-Posse bei der KfW

kolumneBerlin intern: Führungs-Posse bei der KfW

Kolumne von Gregor Peter Schmitz

Die Staatsbank KfW will nicht mehr Deutschlands chaotischste Bank sein. Aber das ist nicht so einfach. Eine Kolumne.

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KfW-Zentrale

Als die KfW, die Kreditanstalt für Wiederaufbau, mitten in der Weltfinanzkrise dem schon bankrotten US-Institut Lehman Brothers noch 300 Millionen Euro überwies, nannte die „Bild“-Zeitung sie „Deutschlands dümmste Bank“. Mittlerweile steht das staatliche Förderinstitut zwar deutlich besser da, sie ist gemessen an der Bilanzsumme die drittgrößte deutsche Bank. Das hindert die KfW aber nicht daran, gerade mal wieder ziemlich dumm dazustehen.

Schuld ist die aktuelle Posse um die Besetzung ihrer Führungsriege. Wie auch Leser dieser Kolumne wissen, sollte SPD-Finanzexperte Jörg Asmussen KfW-Generalbevollmächtigter werden und später in deren Vorstand wechseln – vor allem, weil sein bisheriger Posten als Staatssekretär bei Arbeitsministerin Andrea Nahles frei werden musste, denn auf den wollte SPD-Chef Sigmar Gabriel seine unliebsam gewordene Generalsekretärin Yasmin Fahimi wegloben. Gabriel und Finanzminister Wolfgang Schäuble, Chef und Vize des KfW-Verwaltungsrates, waren sich einig, die Personalie wurde publik, und Asmussen wirkte hocherfreut. Immerhin winkte ihm nicht nur ein sattes Gehalt von rund 500.000 Euro, sondern auch eine gute Work-Life-Balance. Asmussen berichtete zufrieden, er könne weiterhin viel Zeit bei seiner Familie in Berlin verbringen, schließlich unterhalte die KfW dort eine große Dependance.

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Jörg Asmussen, SPD-Finanzexperte, flieht vor Andrea Nahles zur KfW. Ein Machtverlust? Von wegen.

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Dummerweise hatte offenbar niemand mit KfW-Vorstandschef Ulrich Schröder gesprochen. Der hätte mit der Berliner Verankerung seines neuen Mannes wohl weniger Probleme gehabt, auch er unterhält dort eine Wohnung. Aber Asmussen – früher in Führungspositionen im Finanzministerium und bei der Europäischen Zentralbank tätig – war während der Euro-Krise gefühlt Schröders Vorsitzender. Nun sollte er sich den als (ausgesprochen ehrgeizigen) Mitarbeiter ins Haus holen?

Die Gespräche zwischen Schröder und Asmussen sollen eher frostig verlaufen sein. Schäuble drängte sich nicht als Vermittler auf. Und SPD-Chef Gabriel hatte kurz vor dem Parteitag seiner Sozialdemokraten offenbar andere Sorgen, als sich für die familienfreundliche Lebensgestaltung eines hoch bezahlten Bankmanagers zu verkämpfen. Also platzte die spektakuläre Personalie kurz vor Weihnachten doch noch, eine schöne Bescherung.

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Nun stehen alle dumm da. Gabriel, weil seine ausgeklügelte Personalrochade doch nicht funktionierte. Schäuble, da es aussieht, als habe er Gabriel ins offene Messer laufen lassen. Und sogar Schröder, schließlich müht er sich, die KfW vom Ruf der staatlichen Pannen-Bank zu befreien. Auch die öffentlichen Debatten um Bezüge können ihm nicht gefallen. Finanzpolitikern ist seit Langem ein Dorn im Auge, dass bei der KfW hohe Verwaltungs- und Personalkosten anfallen (Durchschnittseinkommen unter allen Mitarbeitern: rund 90.000 Euro) und Ruhestandsbezüge von Exvorständen sehr üppig ausfallen.

Und Asmussen, bislang galanter Jobhopper? Er sei schwer mitgenommen, ist zu vernehmen. Von der KfW wäre ihm der Wiedereinstieg in die Politik leicht gefallen. Aus der Privatwirtschaft – eine mögliche Alternative – würde dieser schwieriger. Erst einmal findet sich Asmussen, 49, im vorläufigen Ruhestand wieder. Immerhin kann er den ganz ohne Risiko in Berlin verbringen.

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