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Berlin intern: Gabriels Mobilmachung

Kolumne von Henning Krumrey (Berlin)

Das SPD-Schwergewicht wollte vor der Wahl nur einen Eindruck hinterlassen: Die rote Kampfmaschine walzt sich ihren Weg.

Henning Krumrey, Leiter des Hauptstadtbüros der WirtschaftsWoche Quelle: Werner Schüring für WirtschaftsWoche
Henning Krumrey, Leiter des Hauptstadtbüros der WirtschaftsWoche Quelle: Werner Schüring für WirtschaftsWoche
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Dieser Mann will noch was werden. Wie er rackerte, sich in den Vordergrund drängte, den Gegner unter Beschuss nahm. Sigmar Gabriel möchte seine politische Karriere nicht als Umweltminister a. D. beenden.

In den vergangenen Monaten lief der gewichtige Wahlkämpfer heiß wie ein havarierter Atommeiler. Am Katastrophenreaktor in Tschernobyl geißelte er die Pannen im deutschen Kernkraftwerk Krümmel. Dann entdeckte er – sicher beim Aufräumen seines Schreibtischs – zufällig Akten aus dem Jahr 1983, die eine Manipulation der Standortwahl des Atomabfall-Endlagers Gorleben durch die damalige Bundesregierung aus Union und FDP beweisen sollten. Die zur Aufklärung eingesetzte Arbeitsgruppe der großen Koalition überraschte er eine halbe Stunde vor der Beratung am vergangenen Mittwoch bereits mit seinem Entwurf des Abschlussberichts. Die übrigen Ressorts hatten da noch nicht einmal alle Akten aus Gabriels Haus erhalten, auf die er seine Bewertung stützt. Stattdessen fand sich der Bericht bereits am nächsten Morgen in der „Frankfurter Rundschau“.

Kleine schmutzige Tricks sind inzwischen Gabriels Methode. Wenige Tage zuvor hatte er dem Wirtschaftsministerium vorgeworfen, Forschung an neuen Reaktortypen zu finanzieren. Dabei starteten alle Projekte nur im Einvernehmen mit Gabriels Ministerium, dort läuft eine „Bewertung neuer Reaktorkonzepte“.

"Gabriel macht die Stalin-Orgel"

Stöhnend mussten seine Sprecher eine Presseerklärung umformulieren, in der Gabriel, sein Rivale, Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, und der DIHK vergangene Woche eine „Partnerschaft für Klimaschutz, Energieeffizienz und Innovation“ feiern wollten. Erst mussten sie auf Weisung der Hausleitung die Zitate des Ministers, dann die gesamte Erklärung einstampfen: Gemeinsame Sache mit dem CSU-Gegner – das will Gabriel lieber nach dem Wahlsonntag verkünden.

Lange galt der gewichtige Niedersachse als gemütlicher Öko-Bär, der froh sein konnte, überhaupt ein Amt abbekommen zu haben. Sein Ziel war es, mit Klimapolitik und einer ökologischen Industriepolitik den Makel des Dampfplauderers abzustreifen. Jetzt ging es um seine politische Zukunft. „Der Gabriel macht die Stalin-Orgel“, schimpfen seine Widersacher halb wütend, halb ehrfürchtig über den Dauerangriff. Für den Niedersachsen war es dabei nebensächlich, was am Ende herauskommt. Hauptsache nicht ins Abseits geraten.

12 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 02.10.2009, 16:46 UhrAnonymer Benutzer: Eduard Belotti

    Es gab eine sehr frühe Festlegung auF Gorleben als Endlager-Standort, weil es (damals noch) praktischerweise im äußersten Winkel der Republik an der Grenze zur DDR lag. Einwände der Fachwissenschaftler (der wichtigse ist, dass wasserundurchlässige geologische barieren fehlen) wurden ignoriert, das Fazit der Wissenschaftler, das ander Eigung erhebliche Zweifel bestehen, wurde im Abschlussbericht in sein Gegenteil verkehrt. Was ist das, wenn nicht Manipulation?

    Der Geologe Duphorn, der früh empfohlen hatte, Gorleben nicht weiter zu untersuchen (immerhin waren 3 von 4 Sicherheits-kriterien nicht erfüllt) wurde sogar gemobbt und rausgeworfen.

    Obwohl alle anderen Länder sich von Salz als geeignete Formationen für Endlager längst verabschiedet haben un dobwohl Gorleben besonders schelcht geeignet ist (s.o.) hält man an Gorleben fest. Offenbar halten sich Hobby-Geologen wie etwa Markus Söder für kompetenter als die Fachleute. Der Atom-Lobby sind diese Faken natürlich nicht genehm, denn wenn es keine Entsorgung gibt, müssen die AKW abgeschaltet werden. Deswegen muss die Fiktion vom endlagergeeigneten Gorleben um jeden Preis als Realität ausgegenben werden - auch wenn dieser Preis darin besteht, dass die biosphäre schon bald mit dem hochgefährlichen Atommüll belastet sein wird.

  • 01.10.2009, 23:46 UhrAnonymer Benutzer: Bernd V.

    Lieber Gerd,

    wir kommen zurück auf Deine bewerbung. Zunächst danken wir Dir sehr herzlich für Dein gezeigtes interesse.

    Nach eingehender Prüfung Deiner bewerbung sehen wir bedauerlicherweise momentan keine Möglichkeit, Dir entsprechend Deiner Erfahrung eine Stelle bzw. Stimme bei den Volksparteien anzubieten bzw. zu erhalten.

    Wir bedauern, Dir keinen günstigeren bescheid geben zu können und wünschen Dir für Deinen beruflichen Weg alles Gute.

    ich hoffe, Du verlierst den Mut nicht und bewirbst Dich nach einem erfolgreichen Seminar der Sozialkompetenz wiederholt bei uns.

  • 01.10.2009, 15:54 UhrAnonymer Benutzer: Gerd Schröder

    Also Leute, ich glaub es nich: Jetzt will der SPD-Parteivorstand tatsächlich den dicken Gabriel zum Vorturner wählen lassen. Das is ja so, als würde man Lupo zum Kanzler machen. Schon wie der aussieht, den kann man doch gar nich vorzeigen. Der erninert mich stark an den Fahrer von unserem Pizza-Service, der sich jedesmal neu verfährt. Eigentlich war der doch schon als SPD-beauftragter für Pop-Musik völlig überfordert. Für den Siggi müssen se doch im Willy-brandt-Haus extra nen Lastenaufzug einbauen. Wer soll das denn bezahlen nach dem Wahlergebnis ? Und dann dieses Traumpaar mit der dicken Nahles. Noch en Lastenaufzug, Mannomann ! Doris sacht immer, ich soll jetz endlich austreten aus diesem Verein unfreiwilliger Karnevalisten, bevor ich der letzte bin. Und mein Freund Putin, der lupenreine Demokrat, findet, bevor man von solchen Schiffschaukelbremsern regiert würde, da wär schon die Monarchie besser. Also: Wenn das Volk ruft, steh ich zur Verfügung.

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