Berlin intern: Gröhe auf dem Weg in die Bedeutungslosigkeit

kolumneBerlin intern: Gröhe auf dem Weg in die Bedeutungslosigkeit

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CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe.

Kolumne von Henning Krumrey

Es gibt keine Dankbarkeit in der Politik. Gesundheitsminister Hermann Gröhe erlebt das gerade in voller Brutalität.

Keine 15 Monate ist es her, da war Hermann Gröhe fast so etwas wie ein Star. Zumindest in den eigenen Reihen. Als CDU-Generalsekretär war er der Motor der erfolgreichsten Kampagne seiner Partei seit der Einheitswahl 1990. Sein Schicksal zeigt: Frühere Verdienste zählen nicht.

Gleich am Wahlabend ging es los. Als die CDU-Führung auf der Bühne des Konrad-Adenauer-Hauses feierte, durfte der Fraktionsvorsitzende Volker Kauder zwar den Tote-Hosen-Hit „An Tagen wie diesen“ ins Mikrofon grölen, Gröhe aber nahm die Vorsitzende eine kleine Deutschlandfahne weg, die der General gerade im Überschwange schwenken wollte (wie etliche Anhänger unten im Saal auch). Mit missbilligendem Blick degradierte „Mutti“ Angela Merkel ihren treuen Wahlkämpfer zum Hermännchen. Eine entwürdigende Zumutung für den 53-jährigen vierfachen Familienvater.

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Um seine politische Stellung in der Partei abzusichern, bewarb sich Gröhe in den vergangenen Wochen gleich zwei Mal. Zuerst um den Bezirksvorsitz am Niederrhein, nachdem der frühere Chef und Kanzleramtsminister Ronald Pofalla mit seinem Umsteigen von der Politik zur DB AG die Bahn frei gemacht hatte. Das hatte die Basis zwischen Kleve, Krefeld und Neuss schwer verärgert, schließlich hatte man gerade noch für Pofalla wahlgekämpft.

Gröhes Pech: Pofalla setzte sich kräftig für den Freund ein. Das nützte dem Gegenkandidaten Günter Krings. Der ist zwar als Parlamentarischer Staatssekretär im Innenministerium auch Regierungsmitglied, war aber lange Vorsitzender der Jungen Union (JU) am Niederrhein, während Gröhe schon in Jugendzeiten auf der fernen Bundesebene aktiv war. Krings schlug den Minister knapp, aber verletzend.

Vergangene Woche hatte Gröhe beim Kölner Bundesparteitag wieder ein Problem: Um die sieben Beisitzerplätze im Präsidium, dem wichtigsten Führungsgremium, bewarben sich gleich drei Nordrhein-Westfalen.

Dem Landeschef Armin Laschet, wiedergewählt als Bundes-Vize, war es nicht gelungen, einen zum Verzicht zu bewegen. So traten neben Gröhe auch Karl-Josef Laumann, der Vorsitzende des Arbeitnehmerflügels, und der 34-jährige Gesundheitspolitiker Jens Spahn an, eines der größten Talente in der Bundestagsfraktion. Er stützte sich freilich nicht auf den Landesverband NRW, sondern präsentierte sich als Kandidat von JU, Mittelstands- und Seniorenunion. Trotzdem fanden die Delegierten: Das ist zu viel Rhein und Ruhr.

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Quelle: dpa

Nach einer geschickten – seine Gegner gifteten: populistischen – Vorstellungsrede ging Spahn erfolgreich durchs Ziel. Gröhe verzichtete auf den zweiten Wahlgang, um der einzigen Beisitzer-Frau nicht den Platz wegzuschnappen. Nach dem Scheitern gab es unter den CDU-Strategen keinen Spott, wohl aber kühle Analyse: „Politische Manövriermasse“ sei Gröhe nun, ein „designierter Ausschussvorsitzender“. So enden Ex-Minister im weiteren Parlamentsbetrieb.

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Die Gegner des Jungstars schmähen diesen nun als Spahn-Ferkel, das rücksichtslos durchgezogen habe; seine Anhänger bejubeln die Verjüngung der Führung. Als Gewinner grüßt auch Carsten Linnemann, Chef der CDU-Mittelstandsvereinigung, ebenfalls erst 37 Jahre jung. Der hatte seine älteren Delegierten auf Spahn eingeschworen und so schon seinen zweiten Parteitagserfolg verbuchen können. Auch der Beschluss zur kalten Progression geht auf sein Konto. Der Kompromiss bringt zwar nichts für den Bürger, doch Linnemann zwang die große Vorsitzende zum Einlenken.

Ob man es ihm später danken wird?

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